Lafarge-Holcim baut 130 Stellen ab. Nicht irgendwo, sondern ausgerechnet in Holderbank, der Geburtsstätte von Holcim. Das passt erst mal ins Bild, welches der neu geschmiedete Zementriese im ersten Jahr seines Bestehens abgegeben hat: Im Top-Management wollte das Personalkarussell nicht zum Stillstand kommen, CEO Eric Olsen bastelte noch bis vor wenigen Wochen an der obersten Führungsebene. Der mit Vorschusslorbeeren überschüttete deutsche Manager Wolfgang Reitzle wurde nach kurzer Zeit an der Spitze des Verwaltungsrats ersetzt. Statt von schweizerisch-französischer Verständigung wurde über die Frage gesprochen, ob die Franzosen die Partner aus der Schweiz über den Tisch gezogen haben. Ein guter Start sieht wahrlich anders aus.

So quälend das erste Jahr nach dem Zusammenschluss auch verlaufen ist – die Verantwortlichen scheinen, um es etwas salopp zu formulieren, in den letzten Wochen und Monaten «den Laden in den Griff» bekommen zu haben. Daran hat auch Beat Hess, ein Schweizer, der Reitzle an die Spitze des Verwaltungsrats folgte, einen Anteil. Die 130 Stellen, die nun in Holderbank verloren gehen, sind klar zu bedauern, denn der Standort wird weiter geschwächt. Der Abbau bedeutet jedoch nicht, dass es abwärtsgeht mit Lafarge-Holcim. Vielmehr werden letzte Korrekturen im Nachgang der Fusion vollzogen. Solche sind aufgrund des flexiblen Arbeitsmarktes leichter in der Schweiz möglich als in Frankreich, wo der Kündigungsschutz strenger ist. Gleiches gilt aber auch dann, wenn Stellen geschaffen werden. Jetzt auf einen Abgesang auf Holderbank einzustimmen, wäre daher falsch.