Die britische Sicherheitsfirma Aegis Defense Services hat in Basel einen Holding-Sitz eingerichtet. Die im März unter dem Namen Aegis Group Holdings registrierte Aktiengesellschaft verfügt über ein Kapital von 225'000 Franken. Dies machte am Montag die «Basler Zeitung» (BaZ) publik. Präsident der Holding ist gemäss Handelsregister der Vizedirektor der Treuhand- und Beraterfirma ATAG, Kristian Meier.

Verschwiegene Verwaltungsräte

Meier und der zweite Verwaltungsrat der Aegis Holding, der aus Oberwil stammende und in London lebende Anwalt Marc Bauen, wollten sich gegenüber der BaZ nicht konkret zu ihrem Engagement für Aegis äussern. Auch Aegis selbst nahm gegenüber der Zeitung zu ihren Aktivitäten in Basel keine Stellung.

Die in London ansässige Aegis ist eine der grössten Söldnerarmeen der Welt. Schätzungsweise 20 000 Söldner sind hauptsächlich im Irak und in Afghanistan tätig – insbesondere im Dienst des US-Verteidigungsministeriums. Die Firma steht unter Leitung des ehemaligen britischen Offiziers Timothy Spicer, der unter anderem in Nordirland, auf den Falklands und im Irakkrieg diente.

Kein unbeschriebenes Blatt

In Söldnerkreisen ist Spicer kein unbeschriebenes Blatt. Sein früheres UnternehmenSandline International machte 1997 Schlagzeilen, weil es trotz eines UN-Embargos Waffen der halbstaatlichen  britischen Firma Royal Ordnance nach Sierra Leone lieferte. 2005 kursierte zudem unter dem Titel «Trophy Video» mehrere Filme im Internet. Darauf war zu sehen, wie ein Aegis-Mitarbeiter auf mutmasslich unbewaffnete Personen in Autos schiesst. Der Vorfall wurde zwar untersucht, gemäss BaZ blieben die Berichte jedoch bis heute unter Verschluss.

Unternehmenszahlen veröffentlicht Aegis nicht. Laut britischen Medienberichten erzielte die Firma 2008 einen Umsatz von 126,3 Millionen Pfund (209 Millionen Franken). Spicer selbst soll sich gemäss der Zeitschrift «Vanity Fair» ein jährliches Salär von umgerechnet 20 Millionen Franken auszahlen.

Boom von Privatarmeen

Privatarmeen erleben seit Ende des Kalten Krieges eine Renaissance. Um ihre regulären Truppen zu entlasten, überlassen zahlreiche Staaten in bewaffneten Konflikten bestimmte Aufgaben privaten Sicherheitsunternehmen. Laut Experten könnten Kriege wie jene in Irak oder Afghanistan gar nicht ohne ein «oursourcing» bestimmter Aufgaben an «Private Military Companies» (PMCs) geführt werden.


Problematisch ist vor allem die mangelhafte Kontrolle von Privatarmeen. An einer Konferenz in Montreux, die auf Initiative der Schweiz und des IKRK zusammengetreten war, beschlossen im September 2008 17 Staaten – darunter die USA und Grossbritannien – solche Unternehmen stärker zu kontrollieren und zur Respektierung des humanitären Völkerrechts zu verpflichten.

Das Sicherheitsunternehmen Aegis Defence Services, das nun in Basel eine Holding gegründet hat, unterstützt ausdrücklich diese Konferenzbeschlüsse. (sda/bau)