Wird auf dem hiesigen Finanzplatz immer mehr Geld gewaschen? Die von der Geldwäschereimeldestelle des Bundes veröffentlichten Zahlen zum Jahr 2018 scheinen diese Aussage zu untermauern. Die Meldungen bezüglich Verdacht auf Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung sowie Meldungen betroffener Vermögenswerte erreichen neue Höchststände. Die Zahl stieg im Vorjahresvergleich um 31 Prozent auf 6126. Die gemeldeten Vermögenswerte nahmen von 16,5 auf 17,6 Milliarden Franken zu. Noch eindrücklicher ist die Entwicklung im Zwei-Jahres-Vergleich: Die Meldungen haben sich mehr als verdoppelt, bei den Vermögen beträgt der Anstieg gar 232 Prozent.

Daraus auf eine explosionsartige Ausbreitung der Geldwäscherei zu schliessen, greift jedoch zu kurz. Schliesslich handelt es sich nur um Verdachtsmeldungen. Ob tatsächlich Geld gewaschen wurde, stellt sich erst später heraus. Zuerst klärt die Meldestelle ab, ob fundierte Hinweise auf eine Straftat vorliegen. Ist dies der Fall, kommt die Strafverfolgungsbehörde zum Zug und prüft die Eröffnung eines Verfahrens. Letztlich entscheidet ein Gericht. Zudem muss auch das Meldeverhalten berücksichtigt werden. Hier scheinen die Appelle der Finanzmarktaufsicht an die Banken zu fruchten, sie sollten vermehrt Meldung erstatten, sobald ein Verdacht vorliegt, und nicht erst, wenn die Medien über Skandale berichten.

Verschärfung für Anwälte

Die Finanzmarktaufsicht stellte jedenfalls in ihrem kürzlich veröffentlichten Jahresbericht Fortschritte bei der Geldwäschereibekämpfung fest. Sie stellt einen allmählichen Kulturwandel im Meldewesen der Banken fest. Die vergleichsweise tiefe Zahl der Verdachtsmeldungen war wiederholt ein Kritikpunkt von internationalen Gremien, welche die Geldwäschereiabwehr unter die Lupe nahmen. Die Meldestelle reagierte jeweils mit dem Hinweis auf die hohe Qualität der Meldungen. Sie misst sich am Anteil jener Meldungen, die nach der ersten Analyse an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet werden. Diese Quote beläuft sich auf 65,1 Prozent. Im Schnitt der letzten zehn Jahre war die Weiterleitungsquote mit 74,2 Prozent deutlich höher.

Fast 90 Prozent der Meldungen stammten letztes Jahr von den Banken, gefolgt von Akteuren im Zahlungsverkehr, von Vermögensverwaltern und Treuhändern. Anwälte meldeten wie schon im Vorjahr bloss in vier Fällen Geldwäschereiverdacht. Diesen Umstand vermerkt auch die Finanzmarktaufsicht kritisch. Damit rückt die geplante Revision des Geldwäschereigesetzes in den Blickpunkt. Der Bundesrat will die Vorlage demnächst dem Parlament vorlegen.

Anwälte, Notare und Berater sollen neue Sorgfaltspflichten einhalten, auch wenn sie keine Vermögenswerte verwalten. Häufigste Vortat war wie im Vorjahr Bestechung mit einem Anteil von 27 Prozent aller Meldungen. Schwere Steuervergehen, die 2016 in den Katalog der Vortaten aufgenommen worden waren, führten zu 317 Verdachtsmeldungen. Im Vorjahresvergleich auf 140 Fälle verfünffacht haben sich die Meldungen mit der Vortat ungetreue Amtsführung.

Bei der geografischen Aufgliederung der Verdachtsmeldungen fällt erneut der starke Anstieg im Kanton Zug auf. Mit 159 Meldungen hat sich die Zahl gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. Hinter Zürich, Genf, Tessin, Bern und St. Gallen liegt Zug damit an sechster Stelle. Viele der Zuger Meldungen haben laut der Meldestelle mit dem Handel von virtuellen Währungen wie Bitcoin zu tun und stammen aus dem Nichtbankensektor des sogenannten Crypto Valley. Markant zugenommen haben im Berichtsjahr die Meldungen wegen Verdachts auf Terrorismusfinanzierung. Die Meldungen betrafen die Terrormiliz IS und al-Kaida, aber auch lokale terroristische Gruppierungen aus verschiedenen Regionen der Welt.

Neuer Chef im Sommer

Die Zahl der Fälle, die Ende Jahr noch in der Analyse waren, hat sich gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt. Eine neue Strategie soll die Effizienz verbessern. Ab August soll Daniel Thelesklaf als neuer Chef der Meldestelle für frischen Wind sorgen. Der 54-Jährige kehrt damit an seine Ursprünge zurück, war er doch vor 20 Jahren der erste Leiter der neu geschaffenen Behörde. Tief blieb die Zahl der Schuldsprüche mit knapp fünf Prozent der insgesamt 15 585 Verdachtsmeldungen, die in den letzten zehn Jahren an die Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet wurden.