Neue Zahlen
Der Online-Handel wächst weiter stark – und machte in den letzten Monaten einen Sprung von drei Jahren nach vorne

Der Onlinehandel wuchs im ersten Quartal um fast 43 Prozent. Thomas Lang vom Beratungsunternehmen Carpathia sagt: Trotz wieder geöffneten Läden werde das Niveau hoch bleiben.

Stefan Ehrbar
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Profitierte ebenfalls: Eine Lieferantin des Online-Supermarkts Farmy.

Profitierte ebenfalls: Eine Lieferantin des Online-Supermarkts Farmy.

Keystone

Im ersten Quartal des Jahres hat der Onlinehandel in der Schweiz 42,8 Prozent mehr Umsatz gemacht als im ersten Quartal 2020. Das haben die Fachleute des Beratungsunternehmens Carpathia errechnet. Selbst im Vergleich des Monats März, der im vergangenen Jahr vom Lockdown und geschlossenen Läden geprägt war, resultierte noch ein Plus von 18,2 Prozent.

Insbesondere Onlinehändler aus den Kategorien «Home & Living», zu denen Möbel gehören, und «Sport und Sportgeräte» legten zuletzt zu. Gegenüber dem Vorjahr verdoppelten sie ihre Umsätze im ersten Quartal. Ein Umsatzplus von fast 70 Prozent wurde in der Kategorie «Uhren & Schmuck» verzeichnet, eines von 61 Prozent in der Kategorie «Freizeit, Hobby und Spielwaren».

Wer zuhause bleibt, kauft online ein

Ganz leicht unter dem Vorjahr lagen die Umsätze lediglich in der Kategorie Büro. Profitiert haben vor allem Shops, die schon vorher dominierten – also etwa Digitec Galaxus, Brack oder die Online-Supermärkte von Coop und Migros. Auch Shops wie jene der Möbelhändler Pfister und Micasa oder der Sportartikelverkäufer Ochsner Sport, SportXX oder Décathlon haben gemäss Carpathia zugelegt.

Thomas Lang von Carpathia erklärt den Anstieg damit, dass die Menschen deutlich mehr Zeit zu Hause verbrachten und mehr Zeit hatten, etwa, weil das Pendeln weggefallen ist. «Das ist mitunter ein Grund, warum Sport & Sportgeräte so zugelegt haben», sagt Lang. «Auch der Besuch im Fitness-Center war eingeschränkt oder gar nicht mehr möglich. Und wer mehr Zeit zu Hause verbringt, hat die eine oder andere Idee, dieses zu verschönern. Sei es mit neuen Möbeln, Accessoires oder auch nur ein Upgrading seines Home-Offices.»

Wachstum wird sich einpendeln

Das zweite Quartal werde nun interessant. Denn die Monate April bis Juni waren schon im Vorjahr aufgrund des Shutdowns sehr stark, sagt Lang. Er erwarte im zweiten Quartal Umsätze, die über alle Kategorien hinweg nicht mehr gross über jenen der Vorjahresperiode liegen. «Vielmehr kann es sein, dass die eine oder andere Kategorie darunter liegen wird». In einer mittelfristigen Betrachtung sei das Niveau jedoch weiterhin sehr hoch.

Die Coronakrise habe dem Onlinehandel hierzulande eine starken Schub verliehen. «Er hat letztes Jahr die Entwicklung durchgemacht, die er sonst in drei Jahren gemacht hätte. Das lässt sich ziemlich pauschal so beziffern», sagt er . Das gelte sowohl für die Umsätze als auch den Marktanteil. «Selbst die Logistikplanung ist bei vielen Händlern über den Haufen geworfen worden und sie benötigen bereits heute so viel Platz und Kapazitäten, wie sie eigentlich erst in zwei bis drei Jahren geplant haben.»

Dass die Online-Umsätze wieder sinken, davon sei generell nicht auszugehen. «Was jedoch auch klar ist, dass dieses Jahr nicht erneut ein Wachstum von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielt werden kann, sondern sich dieses wieder regulär zwischen 10 bis 15 Prozent einpendeln wird», sagt Lang. Damit würde der Online-Handel also zu jenem Wachstum zurückkehren, dass er vor der Pandemie hatte – mit dem Unterschied, dass er nun von einem höheren Niveau aus startet.