Bisher war von der Quecksilber-Verschmutzung vor allem im Gebiet des Grossgrundkanals bekannt, in den das Chemieunternehmen Lonza von 1930 bis in die 1970er-Jahre Quecksilber abgeleitet hatte. Nun weitet sich das Gebiet in Richtung Osten aus.

Die neusten Funde im Gebiet "Bäret" würden den Verdacht bestätigten, dass auch quecksilberhaltiges Aushubmaterial, das nicht aus dem Grossgrundkanal stamme, für Aufschüttungen in der Region genutzt worden seien, teilte der Kanton Wallis am Dienstag mit.

Im Wohngebiet "Bäret" wurden Quecksilberkonzentrationen von bis zu 75 Milligramm pro Kilo Erde (mg/kg) gefunden. Dies überschreitet den gesetzlichen Sanierungswert von 5 mg/kg deutlich. Die stark belasteten Böden dürfen nicht mehr als Kinderspielplatz oder private Gärten genutzt werden.

Auch bei den weniger stark verschmutzten Parzellen empfiehlt der Kanton, keine Lebensmittel aus den Gärten zu essen und Kinder nicht auf blosser Erde spielen zu lassen. Die betroffenen Anwohner wurden von der Wohnungseigentümerin, der Lonza-Pensionskasse, über die Verschmutzung informiert.

Die Dienststelle für Umwelt (DUS) des Kantons Wallis erwartet von der Lonza nun eine umfassende Analyse der Region Visp und von Verdachtsflächen mit Aufschüttungen, bei denen Hinweise auf eine allfällige Belastung bestünden.

Lonza weitet Untersuchungen aus

Im betroffenen Gebiet südlich des Bahnhofs Visp seien 38 Flächen untersucht worden, teilte die Lonza am Dienstag mit. Bei drei Flächen habe die Quecksilberbelastung mehr als 5 mg/kg betragen. Diese Flächen seien daher sanierungspflichtig.

Das Chemieunternehmen kündigte an, die Untersuchungen im Raum Visp von Visp West bis Visp Kleegärten auf ausgewählte Gebiete südlich der Bahnlinie auszuweiten. Man werde die Untersuchungen sowie allfällige gesetzlich vorgeschriebene Sanierungen ohne Präjudiz vorfinanzieren, hielt die Lonza fest.

Auch A9-Baustelle betroffen

Auch ausserhalb des Siedlungsgebiets wurde beim Bau der Autobahn A9 in der Region Steineye erneut ein stark verschmutztes Gebiet entdeckt. Im Westen der kontaminierten Zone wurden bis zu 1300 mg/kg Quecksilber gemessen, im Osten gar 2600 mg/kg.

Das Amt für Nationalstrassenbau und die Unternehmen trafen sofort Schutzmassnahmen für die Bauarbeiter. Der Kanton empfiehlt Bodenbesitzern, diese Grundstücke nicht als Weidefläche zu nutzen, bis die Quecksilber-Verschmutzung geklärt ist.

IG Quecksilber beunruhigt

Die Interessengemeinschaft IG Quecksilber bezeichnete die erneuten Quecksilberfunde in einer Medienmitteilung vom Dienstag als "sehr beunruhigend". Nun müsse der zu untersuchende Perimeter auf den gesamten Talboden ausgeweitet werden.

"Mehr als bedenklich" seien die neuen Erkenntnisse in Visp. Mehr und mehr werde ersichtlich, dass die Lonza AG vor Jahrzehnten kontaminiertes Material "hier und dort deponiert hat, auch in Wohngebieten", hielt die IG Quecksilber fest.

Sie fordert die Lonza dazu auf, unverzüglich alle Karten offen zu legen. Die Interessengemeinschaft kritisierte zudem die Informationspolitik. Die zuständigen Instanzen müssten alle bisherigen Messresultate in Visp und Raron-Turtig "parzellenscharf" öffentlich machen und auf der Webseite des Kantons aufschalten.