Janzz hat Grosses vor. Nichts weniger als den Arbeitsmarkt revolutionieren, solle die neue Job-Plattform, sagt Stefan Winzenried, Geschäftsführer der 4uGroup, die das Portal im Januar lanciert hat. Pläne, die zum illustren Geldgeber im Verwaltungsrat der 4uGroup passen: Peter Ohnemus, Schweizer Unternehmer des Jahres 1999 und Gründer der Softwarefirma Fantastic, die Software für die Übertragung grosser Datenmengen in Unternehmensnetzwerken produzierte.

In den Goldgräberzeiten der New Economy, als die Welt im Internet-Fieber lag und Jungunternehmen wie Pilze aus dem Boden des Silicon Valley schossen, mischte die Schweizer Firma Fantastic ganz vorne mit. Sein Unternehmen sei «die neue Microsoft», prophezeite Peter Ohnemus damals.

Plötzlich 10 Milliarden wert

Das blieb nicht ohne Wirkung. Die Baarer Firma wurde innert kürzester Zeit zum Börsenüberflieger. Plötzlich war das 1996 gegründete Unternehmen 10 Milliarden Franken wert. Und das, obwohl Fantastic gar keinen Gewinn schrieb. Im Jahr 2000 folgte prompt der Absturz, die Aktionäre erlitten Totalverlust. Nicht so Ohnemus, hat er doch, als es boomte, ein grosses Aktienpaket verkauft. Hunderte Millionen soll er verdient haben, sagte man hinter vorgehaltener Hand. Ohnemus hat diese Gerüchte stets hartnäckig abgestritten. Dass er am Börsenhype von Fantastic gut verdient hat, jedoch nicht.

«Ich kenne Peter Ohnemus schon lange, und er wird leider immer nur mit Fantastic in Verbindung gebracht», sagt Winzenried. Nach dem Niedergang habe er jedoch weiter erfolgreich Unternehmen gegründet und an die Börse gebracht. Janzz ist sein neustes Projekt.

Noch steckt die Job-Plattform allerdings in den Kinderschuhen. Bis gestern waren erst etwas mehr als 1600 Benutzer bei Janzz registriert. Der Name des Job-Portals leitet sich vom Wort Chance ab. Man sei auf Kurs, doch damit die Plattform zum Laufen komme, brauche es mehr «Janzzes», wie die Benutzer genannt werden. «20000 müssten es wohl sein», schätzt Winzenried. Diese Zahl soll im Spätsommer erreicht sein. Dann will man Janzz exportieren – zunächst in den Nachbarländern, dann weltweit. «Die Schweiz ist mit den verschiedenen Sprachen und Regionen der ideale Testmarkt.» Bis 2014 sollen es mehrere Millionen User sein.

Um dies zu erreichen, wirbt Janzz zurzeit in der Primetime des Schweizer Fernsehens – Kostenpunkt des 30 Sekunden langen Werbespots: rund 14000 Franken. «Wir bauen jetzt die Marke auf», erklärt Winzenried. Der aufwändig produzierte Werbespot zeigt Menschen, die dank Janzz ihre Traumstelle gefunden haben – als Chefkoch oder als Filialleiterin einer Boutique.

Keine «weitere» Job-Plattform

Unternehmen gäben für die Rekrutierung von neuem Personal viel Geld und Zeit aus, sagt Winzenried. Zudem würden Jobsuchende mit Blindbewerbungen die Unternehmen auf Trab halten. «Die administrativen Kosten für eine Absage betragen pro Blindbewerbung 150 Franken«, rechnet Winzenried vor.

Janzz ist für unter 25-Jährige gratis. Ältere Jobsuchende zahlen 60 Franken im Jahr, grosse Firmen oder Headhunter 8000 und mehr. Dafür verspricht Janzz eine hohe Trefferquote und eine Vereinfachung des Bewerbungsprozesses. Janzz sei nicht einfach eine «weitere» Job-Plattform, betont Winzenried, sondern funktioniere wie eine Partnervermittlung.

Die Idee: Angebot und Nachfrage von Jobs sind nicht mehr durch Suchen und Finden bestimmt, sondern durch Übereinstimmungen. Die Benutzer werden auf der Plattform anhand ihrer eingegebenen Auswahlkriterien miteinander verbunden.

«Die Personalsuche werde für Unternehmen effizienter», sagt Winzenried. Jobsuchende sähen sofort, welche Stellen ihren Fähigkeiten ent-
sprächen. Gleichzeitig erhielten Unternehmen Vorschläge, wer auf eine offene Stelle passen könnte. «Wegen der Fähigkeiten, nicht wegen eines bestimmten Jobtitels», sagt Winzenried.

Konzerne wie Credit Suisse und Rieter sollen interessiert sein. Die Grossbank bestätigte gestern, dass sie für die Personalrekrutierung unter anderem auch auf Janzz setzt. Gute Aussichten, wenn denn Janzz nicht den Weg von Fantastic geht.