Gaudenz Oetterli

Die Alterssiedlung Transvaal ist in Gerlafingen ein sensibles Thema. Im Quartierteil südlich des Gländ-Schulhauses wohnen Leute zum Teil bereits seit Jahrzehnten. Es gibt sogar einen Quartierverein, der sporadisch zusammentrifft; für Personen, die im «Transvaal» aufgewachsen sind. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass die Diskussion um den Verkauf vor zwei Jahren viele Gerlafinger bewegte. Mit Zweidrittel-Mehrheit stimmte die Gemeindeversammlung zu, dass die Gemeinde als Landbesitzerin und einziges Mitglied der Bau- und Wohngenossenschaft die insgesamt 14 Gebäude veräussern darf.

Nicht nur Kaufpreis massgebend

Die damals einzige Interessentin, die Kerama AG aus Gerlafingen, erhielt zwar den Zuschlag, geriet dann aber mit der weiteren Planung ins Stocken, weil sich die Investoren zwischenzeitlich zurückgezogen hatten. «Nachdem die Gemeinde mit Rücksicht auf die Finanzkrise längere Zeit zugewartet hatte, hat sich der Gemeinderat im Frühling dieses Jahres dann aber doch für einen Neuanfang entschieden», so Jordi.

Nun blüht Gerlafingen im Winter also dieselbe Diskussion wie vor zwei Jahren noch einmal. Denn der Gemeinderat hat entschieden, das «Transvaal» erneut schweizweit auszuschreiben und erhielt daraufhin Post von gleich fünf Interessierten. «Die Arbeitsgruppe Gemeindeliegenschaften ist momentan daran, die schriftlich eingegangenen Offerten zu prüfen», sagt Gemeindepräsident Peter Jordi. Ziel ist es, dem Gemeinderat für die Sitzung vom 24. September eine Offerte zur Genehmigung vorzuschlagen. Danach müsste das Volk - wohl im Dezember - der neuen Offerte auch noch zustimmen.

Zwei Angebote haben die Nase vorn

Wie die fünf Offerten genau aussehen und von wem sie sind, kann Jordi aufgrund des laufenden Verfahrens nicht sagen. Ebenso wenig, ob die Angebote höher oder tiefer dotiert sind, als die 3 Millionen, welche die Kerama AG vor zwei Jahren bot. Er verriet jedoch: «Die Angebote kommen aus der Region oder dem angrenzenden Bernbiet. Und zwei Angebote haben im Moment die Nase vorn.» Die Arbeitsgruppe bewerte nicht nur die Höhe des Kaufpreises, sondern auch das Projekt, das ein Käufer auf dem Areal plane. Und weitere Aspekte wie zum Beispiel die allfällige Übernahme bestehender Mietverträge und den Umfang der Anzahlung.

Dreigeschossige Bauten

Über die Art der Projekte kann Peter Jordi ebenfalls noch keine genauen Aussagen machen. «Man muss aber mit ziemlicher Sicherheit damit rechnen, dass es zu einem Abriss und Neubau der Siedlung kommt und dass im nördlichen Teil des ‹Transvaal› auf der Schulhaus-Seite künftig dreigeschossige Bauten stehen werden», so der Gemeindepräsident. Da das Gebiet aber in der Wohnzone W2 liegt, braucht es für ein solches Projekt einen Gestaltungsplan.

Mit dem Erlös aus dem Verkauf kann die Bau- und Wohngenossenschaft Gerlafingen ihre Schulden von ungefähr 1,8 Millionen Franken tilgen. Alles, was über diesen Betrag hinausgeht, fliesst in die Kasse der Gemeinde als Grundstückeigentümerin. «Der Erlös wäre willkommenes Geld zur Minderung der künftig zu erwartenden Defizite. Denn nach zwei guten Jahren sieht es nun wieder nach erheblich weniger Einnahmen aus.»