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Netflix kommt in die Schweiz – Swisscom und Cablecom wollen cool bleiben

Vertraute Sitzhaltung, übliche Ernährung: Netflix verändert den Wettbewerb nur beim Content. HO

Vertraute Sitzhaltung, übliche Ernährung: Netflix verändert den Wettbewerb nur beim Content. HO

Für viele TV-Konsumenten ist es eine frohe Botschaft: Die Online-Videothek Netflix kommt nach Europa und somit auch in die Schweiz. Swisscom und Cablecom nehmen es gelassen. Mehr noch: Sie sehen die Konkurrenz als Chance.

Die in den USA beliebte Online-Videothek Netflix will auch in Europa mehr Zuschauer erreichen.

«Wir planen, uns später in diesem Jahr merklich in Europa auszubreiten», erklärte das Unternehmen am Mittwoch. Das 1997 gestartete Unternehmen Netflix hat den US-Fernsehmarkt aufgemischt.

Weltweit hatte die Online-Videothek zum Jahreswechsel mehr als 44 Millionen Mitglieder, davon 33 Millionen in den USA. Der Rest verteilt sich auf Kanada, Lateinamerika und Europa.

Für 8 Dollar können Nutzer unbegrenzt Filme und Serien übers Internet schauen, was vor allem den teuren Kabelnetz-Betreibern Kopfschmerzen bereitet. Zuletzt heimste Netflix Preise mit Kult-Eigenproduktionen wie «House of Cards» ein.

Das Geschäftsmodell funktioniert: Im vergangenen Jahr konnte Netflix dank eines kräftigen Zustroms an Nutzern seinen Umsatz um 21 Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar steigern. Der Gewinn war mit 112 Mio. Dollar fast sieben Mal so hoch wie im Vorjahr. Die Aktie schoss gestern um 16 Prozent in die Höhe.

TV sehen ohne Settop-Box

Netflix pflügt nicht nur die TV-Programmlandschaft um. Auch Kabelnetzbetreiber und TV-Settop-Boxen-Hersteller sind betroffen. Denn ein Netflix-Kunde braucht nur noch einen sehr schnellen Internet-Datenanschluss über Glasfaser, VDSL oder Kabelnetz. Praktisch alle heute angebotenen neuen Fernseher lassen sich direkt ans Internet anschliessen. Wer auf einen TV-Schirm verzichten will, kann die Serien und Programme auch über Tablet-Computer oder Notebooks konsumieren.

Netflix ist dermassen erfolgreich, dass man zusammen mit Youtube für die Hälfte des Datenverkehrs im Internet verantwortlich ist. Allerdings zahlt Netflix nichts an die Infrastruktur. In den USA ist deshalb eine Debatte in Gang gekommen, ob das Prinzip der Netzneutralität beibehalten werden kann. Diesem zufolge werden Daten im Internet gratis mit der gleichen Priorität transportiert. Für den Fall einer Abkehr von diesem Prinzip hat Netflix in den USA gestern Kundenproteste angekündigt.

Netlix wird Schweiz aufmischen

Auch in der Schweiz dürfte Netflix die Wettbewerbslandschaft umpflügen. «Ich erwarte mehr Wettbewerb bei den Netzbetreibern und grosse Probleme für die Hersteller von Settop-Boxen», sagt Vontobel-Technologieanalyst Panagiotis Spiliopoulos.

Swisscom gibt sich gelassen. «Mit Swisscom TV und dem Teleclub-on-Demand-Angebot sehen wir uns auch bei einem Markteintritt von Netflix gut positioniert», sagt Sprecher Olaf Schulze. Er verweist auf Sportangebote und die Aufnahme- und Replay-Funktion der eigenen Settop-Boxen.

«Wir sehen das Wachstum von neuen Pay-TV-Plattformen mehr als Chance und weniger als Gefahr und glauben, dass Netflix und andere Unternehmen in diesem Bereich vor allem den traditionellen Bezahlfernseh-Anbietern wie Teleclub oder Sky zusetzen könnte», sagt Cablecom-Sprecher Andreas Werz.

Die Cablecom-Schwesterfirma Virginmedia hat Netflix auf ihrer Settop-Box-Plattform integriert. Inzwischen ist das schwedische Kabelfernsehen diesem Beispiel gefolgt.

Und auch beim Schweizer Online-TV-Anbieter Wilmaa ist man gelassen. «Wir sehen uns darin bestätigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt Thomas Gabathuler, Gründer von Wilmaa. «Es hat Platz für solch spezifische Angebote. Die kleine, aber feine Auswahl im Wilmaa-VoD-Store werde weiter ausgebaut.

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