Nestlé
Nestlé-Chef Brabeck sorgt in JRZ-Glasbox für Kontroverse

In der Spendenshow "Jeder Rappen zählt" war heute Nestlé-Chef Peter Brabeck zu Gast und erklärte, warum der Verkauf von Trinkwasser unproblematisch sei. Die JUSO kritisiert SRF dafür und will heute Abend vor der Glasbox demonstrieren.

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Nestlé-Präsident Peter Brabeck: «Wir verkaufen eine Dienstleistung.»

Nestlé-Präsident Peter Brabeck: «Wir verkaufen eine Dienstleistung.»

Keystone

Heute um 18:00 Uhr will sich die JUSO zu einer Protestaktion vor der Glasbox von «Jeder Rappen zählt» (JRZ) versammeln. Dabei könnte man meinen, dass die jungen Sozialdemokraten die Sammelaktion von SFR für sauberes Trinkwasser in Entwicklungsländern begrüssen müssten. Doch das Problem liegt wo anders: Heute Morgen ist Nestlé-Chef Peter Brabeck zu Gast im improvisierten Radiostudio auf dem Europaplatz in Luzern gewesen und hat dargelegt, warum es unproblematisch sei Wasser in Flaschen zu verkaufen. «Das öffentlich-rechtliche Radio SRF 3 macht aus der Spendenshow eine widerliche PR-Veranstaltung für jene, die Wasser nur noch Menschen zur Verfügung stellen wollen, die dafür bezahlen», sagt David Roth, Präsident der JUSO Schweiz.

Néstles umstrittene Praxis

Nestlé wird von NGOs dafür kritisiert, dass das Unternehmen in Pakistan Grundwasserquellen ausbaut, das Wasser in Flaschen abfüllt und der Bevölkerung verkauft. Im Schweizer Dokumentarfilm „Bottle Life", der sich der umstrittenen Praxis von Nestlé annimmt, beklagen sich die Anwohner von Nestlés Wasserfabrik in Pakistan über sinkende Grundwasserspiegel und über schmutziges Trinkwasser. Mit seinem Tiefbrunnen nehme Nestlé der Bevölkerung das Wasser weg, sagt ein früherer Gemeinderat des Ortes.

«Wir verkaufen eine Dienstleistung»

In der Glasbox von SFR verteidigt sich Brabeck: «Wir verkaufen kein Wasser, sondern die Dienstleistung, dieses Wasser zu Hause zur Verfügung zu stellen.» Die USO sieht das anders: «Nestlé macht gigantische Profite, indem es den Menschen das überlebensnotwendige Gut wegnimmt um es ihnen dann zu Wucherpreisen wieder zu verkaufen», schreibt die Partei auf ihrer Website.

Weiter kritisiert die Juso, dass Brabeck mit der mitgebrachten Spende von 125 000 Franken für JRZ sein Gewissen reinwaschen wolle. Das Geld wurde von verschiedenen Nestlé-Mitarbeiter gespendet und stammt nicht von der Firma selber.

Die JUSO stellt nun klare Forderungen, wie 20 Minuten berichtete: Sie will, dass sich JRZ klar von Nestlés Pläne distanziert, die Ablehnung des Spendengeldes, sowie die Möglichkeit, dass die Jungpartei ihre Haltung zur Thematik in gleichem Umfang begründen kann wie Brabeck. (ras)