Der FC Basel feiert heute Samstag seinen Meistertitel mit einem Aufwand, als wärs vorerst der letzte. Dabei tritt lediglich die Führungsriege um Präsident Bernhard Heusler ab. Dieser übergibt sein Amt an der Generalversammlung vom Freitag dem Baselbieter Medienunternehmer Bernhard Burgener.

Fussballerisch möchte Burgener an die Heuslerischen Erfolge anknüpfen, doch zuerst muss er einen anderen Ernstkampf bestehen: die Auseinandersetzung mit seinem deutschen Kontrahenten Dieter Hahn um die Vorherrschaft bei der Constantin Medien. Am Münchner Medienkonzern halten beide Parteien direkt und indirekt knapp dreissig Prozent. Ihre Positionen sind unvereinbar: Hahn will sich auf das lukrative Sport- und Entertainment konzentrieren und die wirtschaftlich volatile Constantin Film verkaufen. Burgener will an einer Diversifikation inklusive der Film- und Fernsehfabrik festhalten.

Nun hat Hahn gemäss vorliegenden Unterlagen ein konkretes Angebot für eine Auktion unterbreitet: Jede Aktionärsgruppe habe bis zum 28. Juni bei einem gemeinsam zu bestimmenden Treuhänder die von ihr gehaltenen Aktien zu deponieren. Am 30. Juni solle es dann zu einer Auktion kommen, wobei der Mehrbietende den anderen auskauft. Sollten sich die gebotenen Preise pro Aktie um weniger als um zehn Cent unterscheiden, erhielten die Parteien vier Stunden Zeit, um ihr Angebot aufzubessern. Nach einer Grobschätzung müssten die Angebote bei rund 200 Millionen Euro liegen.

Wie vergiftet die Auseinandersetzung geführt wird, zeigt sich an der Stellungnahme von Burgeners Anwalt Martin Wagner: «Das von Hahn erfundene Auktionsverfahren ist eine trickreiche Farce und kann als Pyro-Rauchpetarde abgetan werden.»

Wer kauft den anderen aus?

Burgener hat in den vergangenen Monaten mehrfach angekündet, selbst ein Übernahmeangebot zu formulieren. Wagner sagt nun: «Hahn hat mit unerträglichen, den Rechtsstaat arg strapazierenden Mitteln die ernsthaften Bemühungen blockiert, ein seriöses Angebot unter Gleichbehandlung aller Aktionäre zu unterbreiten.»

Der Vorwurf, mit juristischen Tricks zu agieren und etwa mit der Gründung von Stiftungen Zeit zu schinden, läuft auch in umgekehrte Richtung. Die gegenseitigen Anschuldigungen beschäftigen ein Heer von Anwälten, Staatsanwaltschaften und Gerichte.

Hahn wäre bereit, bei einem für ihn angemessenen Preis Constantin Medien freizugeben. Ob Burgener dafür jedoch über genügend Mittel verfügt, darf bezweifelt werden. So läuft eine Kapitalerhöhung bei der HLEE AG, in der Burgener alle von ihm gepoolten Aktien an der Constantin Medien vereint hat. Grossaktionär und Darlehensgeber ist seit Anfang Mai auch Carl Elsener, Besitzer der Messerfabrik Victorinox. Falls nicht alle Altaktionäre bei der Kapitalerhöhung mitziehen, hat sich Burgener die Dienste der Potsdamer Obotritia Capital des Investors Rolf Elgeti gesichert. Dieser übernimmt für maximal zehn Millionen Euro HLEE-Aktien, für welche die Bezugsrechte nicht ausgeübt werden. Ein weiteres Darlehen über neun Millionen Euro lässt sich Elgeti mit stolzen sechs Prozent verzinsen.

Was Burgener benötigt, ist ein «weisser Ritter». In der Vergangenheit hat er sich bei der Geldsuche schon erfolgreich an die vormalige FCBPräsidentin Gigi Oeri gewandt, die etwa der Constantin «Das Parfüm» mitfinanzierte. Als FCB-Präsident wird Burgener ihr einen Schritt näher sein.

Infogram: Die Rekorde des FC Basel in der Saison 2016/2017