Navigationsgeräte

Navigationsgeräte boomen

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Die Zahl verkaufter Navigationsgeräte explodiert: 2008 wurden 280 000 Navigationsgeräte für Autos verkauft, dies entspricht einer Zunahme von 471 Prozent gegenüber 2005. Doch die «Navis» sind alles andere als fehlerlos. Die Folgen können gefährlich und teuer sein.

Benno Tuchschmid

Mitten im Gotthardtunnel wendet ein Automobilist. Trotz Gegenverkehr. Der Autofahrer vertraut seinem Navigationsgerät - und dieses befiehlt ihm: «Bitte wenden!» Laut «SonntagsBlick» kommt es pro Monat zu mindestens zwei gefährlichen Manövern im Gotthard wegen der «Navis ». Das Gerät berechne die Route über den Pass.

Verlässt der Automobilist die Autobahn nicht, um auf die Passstrasse zu gelangen, fordert es den Fahrer zum Wenden auf. Das Beispiel zeigt: Die digitalen Karten, mit denen die Navigationsgeräte arbeiten, sind alles andere als perfekt. «Fehler gibt es in jeder digitalen Karte», sagt Erich Schwizer, Projektleiter Beratung und Begutachtung beim Touring Club Schweiz (TCS). Der TCS testet zusammen mit dem deutschen Automobilclub (ADAC) Navigationsgeräte.

«Wenn zum Beispiel neue Strassen entstehen, wie bei der Autobahn im Knonauer Amt (ZH), dann berechnet ein nicht aktualisiertes Navigationssystem die Route ohne die neue Strasse», sagt Schwizer. Auch Nik Zürcher, Präsident des Automobil Clubs Schweiz (ACS) sagt: «Weil immer mehr Navigationsgeräte im Umlauf sind, entdeckt man auch mehr Fehler.» Doch bei vielen «Navi»-Benutzern ist das Vertrauen in das Gerät gross - manchmal zu gross. «Es ist wohl so, dass Autofahrer einem Computer mehr vertrauen als einer Karte aus Papier.

Darum folgen manche Autofahrer den Navigationsgeräten blind», sagt Schwizer vom TCS. Zum Teil mit teuren Folgen. In neuen Navigationsgeräten werden oft auch Geschwindigkeitsbegrenzungen angezeigt. Doch Zürcher stellt fest, dass Beginn und Ende der Zonen oft ungenau angegeben werden. Die Folgen - kostspielige Bussen.

Alle drei Monate aktualisiert

Eine Pressesprecherin des führenden Anbieters von digitalen Kartendaten, Navteq, sagt dazu, dass das Unternehmen vierteljährlich eine Aktualisierung der Karten- Datenbank anbiete. Doch ob diese wirklich zum Kunden gelangen, entscheiden schlussendlich die Hersteller der Navigationsgeräte: Sie geben die Updates an ihre Kunden weiter. Kunden, die auf ihrem Navigationsgerät Fehler entdecken, können diese im Internet direkt beim Kartenhersteller melden.

Den Schweizern sind diese Mängel offenbar egal: Die Zahl verkaufter Navigationsgeräte explodiert. 15 Prozent aller Motorfahrzeuge haben heute ein mobiles Navi installiert. 2008 wurden 280 000 Navigationsgeräte für Autos verkauft, dies entspricht einer Zunahme von 471 Prozent gegenüber 2005. Vor vier Jahren waren es nur gerade 49 000 «Navis». Das geht aus einer Statistik des Marktforschungsinstituts GfK hervor. Und die Verkäufe werden weiter zunehmen: Für das Jahr 2009 prognostiziert GfK nochmals eine Steigerung von rund 4 Prozent auf 291 000 Geräte.

Kartenmarkt stagniert

Weil die Schweizer immer mehr auf digitale Navigationsgeräte setzen, kommen die Hersteller traditioneller Karten in Probleme. «Ja, dieser Markt stagniert», sagt Danielle Zingg, Kommunikationschefin beim führenden Reiseliteratur-Hersteller der Schweiz, Hallwag Kümmerly und Frey. In den letzten zwanzig Jahren habe der Verkauf von Kartenmaterial um rund 30 Prozent abgenommen, sagt Zingg.

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