Dies teilte der Schweizer Obstverband diese Woche mit. Der Anlass soll Konsumenten anregen, wieder vermehrt Spirituosen aus Schweizer Brennereien zu trinken. "Obstbrände sind heute nicht mehr im Trend und gelten als altmodisch", sagte Thierry Suard vom Obstverband auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Suard sieht seltene Obstsorten und damit einen wichtigen Teil der Schweizer Kultur gefährdet. Kirsch, Williams und Pflümli stehen im harten Konkurrenzkampf mit ausländischen Spirituosen. Dies bestätigt auch der Präsident der Schweizer Brenner, Augustin Mettler: "Die Schweiz hat sich dem globalen Markt und den Vorlieben der Konsumenten angepasst." Beispielsweise werde heute vermehrt Whisky produziert.

Gemäss Mettler steht der Schweizer Whisky dem ausländischen in nichts nach. Auch Suard sagte: "Schweizer Brennereien profilieren sich durch Qualität."

Marktliberalisierung unterschätzt

Fast zwanzig Jahre ist es her, seit der Alkoholmarkt in der Schweiz liberalisiert wurde. Zwar wurde durch die Liberalisierung das Brauen von Whisky erlaubt, aber die Öffnung hatte auch ihre Kehrseite.

Die Konkurrenz aus dem Ausland verdrängte einheimische Brennereien, weil sie ihre Ware wegen geringerer Produktionskosten und gleichem Steuersatz billiger anbieten konnten. "Wir haben die Auswirkungen der Liberalisierung unterschätzt", sagte Mettler. Kurz nach der Liberalisierung waren es rund 780 Schweizer Gewerbebrenner, 2014 waren es gerade noch 250. Rund zwei Drittel mussten ihren Laden dichtmachen.

Absinth-Boom in Westschweiz

Ein einheimischer Alkohol erfreut sich jedoch an Beliebtheit. "In der Westschweiz herrscht momentan ein regelrechter Absinth-Boom", sagte Mettler. Absinth werde auch in der Deutschschweiz genossen, aber eher zum Apéro und vielfach gemixt.

Paradoxerweise habe das Verbot zum Boom beigetragen. Seit 2005 ist die Herstellung und der Verkauf von Absinth in der Schweiz wieder erlaubt.