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Minisuiten, eigene Toilette und Duschmöglichkeit – die ÖBB erneuern ihre Nachtzugflotte

Die Österreichischen Bahnen haben neue Nachtzüge vorgestellt. Das Angebot wird auch in der Schweiz ausgebaut.

Stefan Ehrbar
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Die ÖBB modernisieren ihre Nachtzugflotte.

Die ÖBB modernisieren ihre Nachtzugflotte.

Christian Beutler / KEYSTONE

Die Nachtzüge erleben einen zweiten Frühling. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) haben das Geschäft unter der Marke «Nightjet» neu belebt, nachdem sich andere Bahnen davon verabschiedeten – die SBB bereits 2009. Das Aufkommen der Klimabewegung und ein geschicktes Marketing halfen den Österreichern: Die Nachtzüge verzeichneten vor der Coronakrise jedes Jahr ein deutliches Wachstum der Passagierzahlen.

Nun modernisieren die ÖBB ihre Nachtzugflotte. Gestern haben sie erstmals einen Wagen der neuen Nachtzüge vorgestellt, die ab Ende 2022 fahren sollen. Hergestellt werden die Züge vom Hersteller Siemens. Die ersten 13 Garnituren wurden bereits bestellt, 20 weitere sollen folgen. Die siebenteiligen neuen Nightjets bestehen aus zwei Sitzwagen, drei Liegewagen und zwei Schlafwagen. Neue Minisuiten in den Liegewagen sollen Alleinreisenden mehr Privatsphäre geben. Die Schlafwagen erhalten selbst in den Standard-Abteilen eine eigene Toilette und eine Duschmöglichkeit. Neu ist auch das kostenlose WLAN. Zudem wird jeder Zug über einen Niederflureinstieg verfügen und damit barrierefrei zugänglich sein.

Wann die neuen Züge auf den Linien in die Schweiz in den Einsatz kommen, ist noch unklar. Vorerst werden sie zwischen Österreich, Deutschland und Italien verkehren – auch wegen strenger neuer Sicherheitsvorschriften in Italien.

Die SBB mieten für neue Verbindung Wagen an

Für die neue Nachtzugverbindung von Zürich nach Amsterdam, die Ende Jahr in Betrieb geht, mieten die SBB fürs Erste älteres Rollmaterial an. Sie treten mittlerweile als Partner der ÖBB auf, die Nachtzüge aus Zürich nach Hamburg, Berlin, Wien, Graz, Prag und Budapest betreiben. Ende 2022 folgt eine Verbindung von Zürich nach Rom und ein Ausbau auf den Strecken nach Berlin und Hamburg. Ab Ende 2024 soll auch auf der Strecke Zürich–Barcelona wieder ein Nachtzug fahren. Diese Verbindung gab es wie jene nach Rom bereits vor einigen Jahren. Eine wichtige Rolle beim Comeback der Nachtzüge dürfte das neue Schweizer Klimagesetz spielen. Es sieht vor, dass Nachtzüge mit etwa 30 Millionen Franken jährlich gefördert werden können.