Alternativwährung
Nachhaltig geschäften und zahlen

Über 22 000 Bon-Netz-Bons sind zurzeit im Umlauf. Damit werden sozial und ökologisch wirtschaftende Menschen, Vereinigungen und Betriebe in der Region unterstützt und gefördert.

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Nachhaltig geschäften und zahlen

Nachhaltig geschäften und zahlen

Heinz Dürrenberger

Es fühlt sich an wie Spielgeld, in der Hand halte ich Basels Alternativwährung: die Bon-Netz-Bons (BNB). Im Gegensatz zu Monopoly kann ich damit keine Hotels oder Grundstücke erwerben, aber sehr wohl für Übernachtungen zahlen wie auch Dienstleistungen im Elektro- oder Transportbereich abgelten. Für die Bons erhalte ich auch Massagen, Tanzkurse oder eine neue Frisur.

Da auf den BNB die Stichworte «loyal, sozial, nachhaltig und ökologisch» aufgedruckt sind, gebe ich meine im Oekoladen für Bioprodukte aus. In letzter Zeit wird dort vermehrt mit BNB eingekauft. Haben auch andere plötzlich den Lokalpatriotismus, ihr soziales und ökologisches Gewissen entdeckt? Nicht nur - in Krisenzeiten scheint die Alternativwährung sinnvoll.

In der Krise geboren

In der Krise der 1990er-Jahre ist die Idee auch geboren worden, erzählt Hans-Georg Heimann von der Genossenschaft Netz Soziale Ökonomie, welche die BNB herausgibt. «Damals fragten wir uns, wie wir die lokale Wirtschaft fördern könnten.» Mit BNB, die nur lokal einsetzbar waren und sind. Die Anfänge seien harzig gewesen, blickt Heimann zurück. Doch man habe ja keinen Schnellschuss initiieren, sondern etwas Nachhaltiges schaffen wollen.

Die Alternativwährung erlebte ein Auf und Ab. In Krisenzeiten wuchs der Kreis der Benutzer, in Zeiten der Hochkonjunktur hinterfragten gar die Genossenschafter die BNB. «Doch wir wussten, es wird wieder eine Rezession kommen und dann machen die BNB Sinn», sagt Heimann. Das Projekt wurde auch weiterentwickelt. So kam die Idee auf, erneuerbare Energien abzusichern. Zurzeit umwirbt man das Gundeldinger Feld, dessen Betriebe sich interessiert daran zeigen, künftig die Miete mit BNB zu begleichen.

60 Betriebe sind dabei

«Jetzt stecken wir wieder in einer Krise und man kommt auf uns zu», berichtet Heimann. Rund 60 Betriebe und Organisationen sind es zurzeit, die BNB annehmen und sie in Umlauf halten. Erwähnenswert ist Binningen, wo sich ein kleines Zentrum von BNB-Geschäften gebildet hat. Max Häne von der Birsig-Buchhandlung sagt, er sei aus sozialen Gründen dabei.
Von den Bons leben kann niemand, das ist allen, auch den Initianten, bewusst. «Es ist eine Zusatzeinnahme für die Betriebe», betont Hans-Georg Heimann. Wobei der Umlauf nicht glatt läuft: Bei den einen herrscht eher tote Hose, während andere über zu viele Bons klagen, die sie nicht mehr absetzen. Es sei eine Starthilfe für Erwerbslose, die sich selbstständig machen, sagt Heimann weiter. Sie können ihr Geschäft auch auf der BNB-Homepage präsentieren. Gleiches gilt für soziale Vereinigungen, die Mitglieder werden.

Letztes Jahr wurde gar eine Messe durchgeführt. Diese brachte etwa der «elektro fos gmbh» neue Kundschaft. «Die BNB-Kunden sind sehr angenehm und ich generiere regelmässige Aufträge durch sie», sagt Inhaber Markus Binder. Er kennt viele der Genossenschafter persönlich, hat so vom Projekt erfahren, fand es «unterstützenswert»: «Es macht Sinn, Produkte und Dienstleistungen aus der Region zu beziehen und ein enges Netzwerk zu knüpfen.»
Ähnlich denkt Elisabeth Brem, die mit ihrer Praxis für Gesundheit und Ernährung dabei ist: «Mich überzeugt die Philosophie.» Alles sei sehr gut organisiert, Ideen würden aus ökonomischer und ökologischer Sicht umgesetzt.

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