Das Geschäft mit der Vermittlung von Temporärarbeitern stockt. Adecco – Weltmarktführer mit Hauptsitz in der Schweiz – verzeichnete in den ersten drei Monaten des Jahres ein Minus von 2 Prozent. Es könnte der Vorbote einer globalen Konjunkturflaute sein. Auch in der Schweiz hat die Nachfrage nach Temporärpersonal nachgelassen. Der Swissstaffing-Index des gleichnamigen Branchenverbands zeigt für das erste Quartal einen Rückgang der verkauften Einsatzstunden zum Vorjahr von 2,5 Prozent. Es ist dies der erste Rückgang seit 2015, dem Jahr des letzten grossen Frankenschocks.

In Deutschland wird Adecco und mit ihr die gesamte Personalvermittlerbranche durch neue Gesetze zurückgebunden. Adecco, Randstad und Manpower verzeichnen dort Einnahmenverluste von um die 10 Prozent. Dies, nachdem es teilweise schon im Vorjahr markante Einbussen gegeben hatte.

Seit Herbst 2017 ist in Deutschland das sogenannte Arbeitsüberlassungsgesetz in Kraft. Unter diesem dürfen die Personalvermittler ihre Arbeitskräfte nicht mehr länger als 18 Monate dem gleichen Kunden verleihen. Danach müssen die Temporärkräfte in die Stammbelegschaft aufgenommen werden oder den Verleiher wechseln. Vor der Gesetzesänderung durften die Temporären bis zu vier Jahre beim gleichen Unternehmen unter dem gleichen Zeitarbeitsvertrag tätig sein. Viele Grossunternehmen vor allem aus der Automobilindustrie hatten dies voll ausgenützt und damit den Unmut der Gewerkschaften auf sich gezogen.

Nach Schätzungen könnte der deutsche Temporärmarkt aufgrund der Gesetzesänderung um bis zu 12 Prozent schrumpfen. Auch die im Frühjahr 2017 in Kraft getretene Equal-Pay-Regelung, nach der Temporärarbeitskräfte in Deutschland nach neun Monaten Anspruch auf gleiche Bezahlung wie die Stammbelegschaft geltend machen können, hat die Leiharbeit für die Vermittler und deren Kunden nicht attraktiver gemacht.

Der Gesetzgeber kam den Gewerkschaften entgegen, denen die schwer organisierbaren «Temporären» ein Dorn im Auge sind. Eine Entspannung dieser Situation ist jedoch kaum zu erwarten. Branchenkenner sagen voraus, dass nun mehr Werkverträge abgeschlossen werden. Mit deren Hilfe kann ein Unternehmen bestimmte Aktivitäten mitsamt Belegschaft an einen Dienstleister übertragen, der keinem Tarifvertrag (GAV) unterstellt ist und mehr Freiheiten bei den Arbeitsbedingungen (Ferien, Arbeitszeit etc.) hat.

In der Schweiz haben die Temporären den seit 2012 geltenden Gesamtarbeitsvertrag auf Anfang 2019 erneuert. Equal Pay gilt für die meisten der über 300 000 Temporären also seit acht Jahren. Eine gesetzliche Regelung zur maximalen Überlassungsdauer existiert nicht. Sie war bislang kaum nötig. Ultralange Überlassungszeiten gelten als Spezialität von Grossunternehmen mit personalintensiver Massenproduktion wie sie hierzulande kaum mehr vorkommen.