Telekommunikation

Nachfolge Schloters erst bis Ende Jahr: Externe haben wohl die besseren Chancen

Swisscom-Chef Carsten Schloter (Archivbild)

Swisscom-Chef Carsten Schloter (Archivbild)

Die Swisscom will bis Ende Jahr einen definitiven Nachfolger von Konzernchef Carsten Schloter finden. Externe Kandidaten hätten laut Experten bessere Chancen als interne. Die Halbjahreszahlen sind wenig erfreulich: Der Gewinn schrumpft massiv.

Swisscom will bis Jahresende einen neuen CEO gefunden haben. Der Verwaltungsrat habe volles Vertrauen in Urs Schaeppi, der interimistisch das Amt übernommen habe, teilte der Telekomkonzern am Mittwoch mit.

«Wir sind immer noch zutiefst betroffen von seinem Tod», sagte Urs Schaeppi, sein interimistischer Nachfolger, beim Medien-Konferenzgespräch am Mittwochmorgen. «Er war wohl der einzige CEO von allen grösseren Telekom-Netzbetreibern, die eine Vision hatten und die Innovationen wirklich voran getrieben hatten», sagt ein Branchenkonkurrent. «Swisscom ist möglicherweise der einzige Branchenvertreter, der wirklich weiss, was er tut.»

Eine interne Besetzung aus der zweiten Reihe bei Swisscom gilt als unwahrscheinlich, glauben Analysten. Urs Schäppi gilt «als eine naheliegende Lösung, aber er verkörpert mehr den operativen Chef und nicht einen CEO», sagt ein langjähriger Beobachter der Branche. Mario Rossi, ebenfalls Mitglied der Konzernleitung, «war immer eher Controller». Und Ueli Dietiker, der einmal stellvertretender CEO gewesen war, wurde sukzessive auf kleinere Jobs abgeschoben: Finanzchef, CEO Swisscom Festnetz, zudem ist er zu nahe am Pensionsalter, er gilt als Buchhalter und ebenfalls nicht als CEO-Anwärter. Dass man sich Zeit bis Ende 2013 gibt, ist laut den Analysten der Bank Vontobel ein Indiz dafür, dass ein externer Kandidat das Rennen machen könnte.

Gewinn geht drastisch zurück

Im Swisscom-Geschäft ging im ersten Halbjahr die Talfahrt weiter: Der Umsatz schrumpft leicht um 0,4 Prozent auf 5,596 Mrd. Franken. Der Betriebsgewinn vor Abschreibungen und Amortisationen sank um 5,5 Prozent auf 2,1 Mrd. Franken. Unter dem Strich verdiente die Swisscom 819 Mio. Franken. Das sind 9,7 Prozent weniger als vor einem Jahr.

Grund für den Taucher seien der Wettbewerb in der Schweiz und die Senkung der Roamingpreise. Alleine der Rückgang der Roamingpreise habe mit 90 Mio. Fr. zu Buche geschlagen, während die Preiserosion zu Einbussen von 200 Mio. Fr. geführt habe.

Zudem seien die Kosten für die Gewinnung von Kunden gestiegen, hiess es. Ebenfalls höher fielen die Aufwendungen für den Netzunterhalt und die Informatik in der Schweiz aus.

Dem gegenüber steht ein Kunden- und Mengenwachstum von 260 Millionen Franken. Die Rechnung, die Swisscom vor einem Jahr durch die Einführung der neuen «Infinity»-Tarife gemacht hatte, scheint aufzugehen. Der ARPU, der durchschnittliche Umsatz pro Mobilkunde, liegt seit dem letzten Quartal leicht höher als vor einem Jahr. Mit anderen Worten: Was Swisscom durch die Flat-Tarife an Umsatz abgegeben hatte, holt man anderswo durch Mehrverkäufe wieder herein. Für die zweite Jahreshälfte erwartet man bei Swisscom nur noch eine kleine Steigerung des ARPU bei den Infinity-Kunden.

Stark gewachsen waren im Geschäft mit Retail-Kunden generell die Bündelangebote. Die Hälfte der Breitbandkunden nutze auch Swisscom TV. Ein hohes Plus beim Auftragsbestand verzeichneten auch Swisscom IT Services, einer der marktbeherrschenden IT-Dienstleister in der Schweiz.

Selbst Fastweb läuft besser

Bei Fastweb der italienischen Breitband-Tochtergesellschaft, gab es einen Umsatzschwund um 13 Millionen auf 785 Millionen Euro, weil das Geschäft mit den Interkonnektionsdiensten zurück gefahren wird. Dem gegenüber steht ein Plus bei Kunden von 13 Prozent auf fast 1,9 Millionen Kunden. Laut den Vontobel-Analysten sei das Italien-Geschäft zwar leicht unter den Erwartungen ausgefallen.

«Aber Fastweb ist immer noch der einzige Player in Italien mit einer wachsenden Kundschaft, was ein positives Argument in der Konsolidierungswelle ist.» An Fastweb hält Swisscom laut Schaeppi derzeit fest. «In Italien spricht zwar jeder mit jedem», sagte er auf eine Frage nach möglichen Verkaufsabsichten an Vodafone. Der britische Mobilnetzbetreiber investiert derzeit viel Geld in europäische Festnetzgesellschaften.

Gemischte Reaktionen

«Auf den ersten Blick ist es ein etwas gemischter Ausweis in einem schwierigen Telekomumfeld», heisst es in einem Kommentar der Privatbank Notenstein. «Erfreulich ist, dass beim Umsatz die Preiserosion im Schweizer Kerngeschäft mehrheitlich kompensiert werden konnte.» Ein deutlicher Kritikpunkt sei der weitere Rückgang der Rentabilität aufgrund der Kosten für Kundenakquisition und den Aufwendungen für den Netzunterhalt.

«Der Ausblick mit der leichten Erhöhung der Umsatzprognose für Swisscom und Fastweb müsste zwar begrüsst werden», heisst es von den Notenstein-Analysten weiter. «Da dies jedoch offensichtlich keinen Einfluss auf den operativen Gewinn im laufenden Jahr haben wird, dürften die Investorenphantasien kaum stark angeregt werden.» So bleibe die Aussicht auf eine Dividendenausschüttung von 22 Franken und eine attraktiven Rendite von 5,33 Prozent weiterhin das Hauptargument für die Swisscom-Papiere.

«Swisscom hat die Kosten weiterhin im Griff», heisst es von der Zürcher Kantonalbank. Aufgrund der tiefen Steuerquote liege der Reingewinn über den Schätzungen. Das EBITDA-Gewinnziel bleibe unverändert bei mindestens 4,25 Milliarden Franken. «Leicht positiv», lautet das Fazit der ZKB-Analysten.

«Die Rentabilität wird für den Markt enttäuschend sein», heisst es von Vontobel. Die Preiserosion bremse die Entwicklung und es bleibe abzuwarten, ob die zunehmenden ARPUs den Trend stoppen könnten. «Die Aktien werden derzeit zu Recht mit einem Aufschlag von rund 20 Prozent im Vergleich zur Konkurrenz gehandelt, was nicht mehr viel Spielraum nach oben lässt». (sda/nik)

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