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Nach zwei Abstürzen: Boeing 737 Max-8 nimmt Testflüge wieder auf – und wird inoffiziell unter neuem Namen verkauft

Eine Boeing 737 Max-8 startet für einen Testflug vom Boeing Flugfeld in Seattle, USA.

Eine Boeing 737 Max-8 startet für einen Testflug vom Boeing Flugfeld in Seattle, USA.

Boeings Problem-Maschine wurde zum ersten Mal seit Monaten wieder verkauft. Dabei zeigte sich jedoch: Der Flugzeugbauer verkauft sein Modell inoffiziell unter neuer Bezeichnung.

Kaum ein Flugzeug sorgte in der jüngeren Vergangenheit für so viele Negativschlagzeilen wie der neue Flugzeugtyp 737 Max-8 des US-Herstellers Boeing. Seit März 2019 ist das bestverkaufte Modell des amerikanischen Flugzeugbauers nach zwei Abstürzen mit insgesamt 346 Toten mit einem globalen Flugverbot belegt. Um die 780 Maschinen stehen seit jenem Zeitpunkt gegroundet auf dem Boden.

Seither versuchte Boeing abermals Probleme per Software-Update zu beheben, Mängellisten wurden dabei aber immer länger, die grössten Probleme wurden mittlerweile aber durch Boeing behoben, sodass die US-Flugaufsicht FAA (Federal Aviation Administration) Boeing vor einigen Wochen die Erlaubnis erteilte, Testflüge wieder aufzunehmen. Allerdings unter der Voraussetzung, vier zentrale Änderungen beim Unglücksflieger vorzunehmen.

Dazu gehören Anpassungen der Software und der Kabelverläufe. Ob die Max-8 bis zum Jahresende wieder fliegen kann, sei aktuell aber noch nicht klar, wie aus Dokumenten der FAA hervorgeht. Doch bereits jetzt scheint der Flugzeughersteller Vorbereitungen zu treffen für die Zeit nach dem Flugverbot.

Wie die britische Tageszeitung The Guardian berichtet, habe Boeing «klammheimlich» damit begonnen, den Namen ihres Flugzeug zu ändern. Anstatt weiterhin den Namen 737 Max-8 zu führen, seien die Bezeichnungen für neue Flugzeuge auf 737-8, respektive 737-800 abgeändert worden. Nur: diesen Flugzeugtyp gibt es bereits seit 1997. Es ist das Vorgängermodell der Max-8.

Namensänderung nach über 864 stornierten Bestellungen

Aufgefallen sei dies erst einem Journalisten am vergangenen Mittwoch, als Boeing in einer Medienmitteilung geschrieben habe, dass man erfolgreich «den Verkauf von vier Boeing 737-8 an die polnische Airline Enter Air» abgeschlossen habe. Dass Boeing seinen Flugzeugtyp umbenennt, war zu diesem Zeitpunkt nicht kommuniziert worden. Im Gegenteil: Noch vor wenigen Monaten erklärte der neue Boeing-CEO David Calhoun, dass er den Namen behalten wolle. Auch im offiziellen Flottenkatalog schreibt Boeing weiterhin von der Max-8.

In einem Interview mit dieser Zeitung im Februar dieses Jahres erklärte der Luftfahrt-Experte Jens Flottau, dass eine Umbenennung des Flugzeugtyps unglaubwürdig sei. «Nicht der Name des Flugzeugs muss geändert werden, sondern die Unternehmenskultur und die Technik.» Der Max-8 einfach eine neue Zahl auf den Bug zu pinseln, bringe nichts.

Doch die Boeing-Führungsspitze geriet zunehmend unter Druck. Seit dem Grounding der ganzen Max-8 Flotte wurden bei Boeing über 864 Bestellungen für den neuen Flugzeugtyp storniert, Kunden sprangen ab und kauften stattdessen neue Flugzeuge von Airbus und verklagten Boeing auf Entschädigungszahlungen. Die verursachten Kosten gibt der Konzern mit bisher 18 Milliarden US-Dollar an.

«Die Max-8 wird eines Tages das beste Flugzeug der Welt»

Wie der Guardian schreibt, sei nun wohl der Punkt gekommen, wo man den Image-Schaden auf zukünftige Bestellungen minimieren müsse und sich daher dazu entschieden habe, dem Problemflieger einen neuen, abgeänderten Namen zu verpassen um ihn so besser verkaufen zu können.

Enter Air, die gerade vier Flugzeuge des neuen Typs gekauft hat, gibt sich derweil betont optimistisch zur Zukunft der Max-8: «Trotz der vielen Probleme des Flugzeugs gehen wir davon aus, dass die Maschinen nach all den Updates und Überprüfungen eines Tages das beste Flugzeug der Welt sein – und es für lange Zeit auch bleiben wird», erklärte Enter Air-CEO Grzegorz Polaniecki gegenüber der britischen Nachrichtenagentur Reuters. Boeing-Aktionäre freuten sich über die polnische Zuversicht, die Aktien stiegen kurzzeitig um ein Prozent an.

Doch die Ungewissheit bleibt für Boeing noch bestehen. Wann die Max-8 wieder fliegen darf, ist noch ungewiss. Auch ist derzeit unsicher, wie viele Airlines das Modell überhaupt wieder bestellen werden. Denn derzeit besitzen rund 54 Airlines bereits Maschinen des Typs 737 Max-8, sie alle können diese Flugzeuge jedoch nicht einsetzen.

Auch hätten Airlines die Befürchtung, dass sich Flugpassagiere in Zukunft aus Angst weigern würden, mit einer Max-8 zu fliegen. Die irische Billig-Airline Ryanair hat daher bereits vor Monaten in einer wenig offiziellen Aktion bei ihren Flugzeugen die Aufschrift 737 Max-8 prophylaktisch mit der Bezeichnung 737-8200 überschrieben.

Auch wenn eine Umbenennung naheliegt: Mit dem blossen Abändern des Namens 737 Max-8 sind die Probleme bei Boeing und ihrem Sorgenkind noch lange nicht behoben.

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