Pharmakonzern

Nach zehn Monaten: Roche ist mit Milliarden-Übernahme im Ziel

Mit der Übernahme der US-Biotechfirma Spark sichert sich Roche einen Anteil am boomenden Bereich der Gentherapien.

Mit der Übernahme der US-Biotechfirma Spark sichert sich Roche einen Anteil am boomenden Bereich der Gentherapien.

Der Basler Pharmakonzern kann die US-Biotechfirma Spark Therapeutics für 4,3 Milliarden Dollar kaufen. Die britischen und amerikanischen Wettbewerbsbehörden geben grünes Licht.

Zehn Monate musste Roche warten. Nun hat der Basler Pharmakonzern grünes Licht für die Übernahme der US-Biotechfirma Spark Therapeutics erhalten. Für das auf Gentherapien spezialisierte Unternehmen bezahlt Roche 4,3 Milliarden Dollar.

Grund für die Verzögerung des Deals war die Untersuchung der britischen und amerikanischen Wettbewerbsbehörden. Diese nahmen die Übernahme genauer unter die Lupe, weil sie eine dominante Marktstellung von Roche auf dem Gebiet der Bluterkrankheit vermuteten. Dabei handelt es sich um eine genetisch bedingte Blutungsstörung, bei der das Blut nicht richtig gerinnt. Bei den Betroffenen halten Blutungen länger an und können im Wiederholungsfall vor allem in den Gelenken zu schweren Schäden führen.

Roche hat mit dem Medikament Hemlibra bereits ein eigenes Präparat auf dem Markt. Gleichzeitig ist Spark daran, ebenfalls eine Behandlung gegen die Bluterkrankheit zu entwickeln. Die beiden Behörden untersuchten deshalb, ob nach der Übernahme der Wettbewerb noch spielt und für Ärzte und Patienten genügend Alternativen zur Behandlung der Bluterkrankheit zur Verfügung stehen. Die Briten kamen jedoch zum Schluss, dass Spark nicht die einzige Firma sei, die eine Gentherapie gegen die Krankheit entwickelt. Zudem verfolgten andere Anbieter Ansätze ausserhalb des Felds der Gentherapien.

Teure Therapien

Die amerikanische Wettbewerbsbehörde äusserte zudem den Verdacht, Roche könne versucht sein, die Entwicklung der Gentherapie von Spark zu verzögern oder gar abzubrechen. Doch nach der ausführlichen Prüfung des Deals habe die Behörde keine Beweise dafür gefunden. Die Bank Vontobel zeigt sich in einer Analyse überrascht, dass die Amerikaner überhaupt auf diese Idee gekommen sind. Die Gentherapie von Spark sei noch nicht zugelassen und werde kaum als erste auf den Markt kommen, schreibt die Bank in einem Kommentar.

Roche sicherte sich rund 60 Prozent aller ausstehenden Spark-Aktien, wie das Unternehmen in der Nacht auf Dienstag mitteilte. Der Basler Pharmakonzern machte für einen erfolgreichen Deal zur Bedingung, dass er sich mehr als 50 Prozent aller Aktien sichern kann. Jene Titel, die Roche nicht besitzt, werden in ein Anrecht umgewandelt. Damit erhalten diese Aktionäre eine Barabfindung von 114.50 Dollar. Das ist der Preis, den Roche im Rahmen des Übernahmeangebots bezahlt.

Mit der Übernahme von Spark sichert sich Roche einen Anteil am boomenden Bereich der Gentherapien. Mit der Behandlung namens Luxturna hat Spark bereits ein Produkt auf den Markt gebracht. Es handelt sich um eine Injektion ins Auge, mit der eine erbliche Form von Netzhautdegeneration behandelt wird. Die oftmals einmalig verabreichten Gentherapien sind enorm teuer. Eine Injektion mit Luxturna etwa kostet in den USA rund 850‘000 Franken. Dies sorgt wiederholt für Kritik, was auch Novartis erfahren musste. Das Unternehmen kaufte im Frühling den Gentherapie-Spezialisten Avexis für 8,7 Milliarden Dollar. Dessen bisher einziges Produkt kostet in den USA 2,1 Millionen Dollar.

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