Die gute Nachricht vorab: Die Schweizer Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (MEM) sieht Licht am Ende des Tunnels. Drei Jahre nach dem letzten Frankenschock weisen die Zahlen deutlich aufwärts. Im vergangenen Jahr hat die Branche ihr Auftragsvolumen im Vergleich zum Vorjahr wertmässig um 7,5 Prozent gesteigert. Im Schlussquartal belief sich die Zunahme sogar auf nahezu 30 Prozent.

Doch die Frankenschocks haben tiefe Scharten in die Industrie gerissen. Das zeigt sich in der Beschäftigung, die mit 322'100 Personen immer noch weit unter dem historischen Höchststand von 355'000 Personen aus dem Jahr 2008 liegt. Immerhin: 2017 sind 4500 neue Jobs entstanden und Swissmem-Präsident Hans Hess erklärte gestern auf der Jahresmedienkonferenz des Verbandes: «Ich würde fast meine Hand ins Feuer legen, dass die Industrie auch in diesem Jahr wieder mehr Stellen schaffen wird.»

Die Freude in den MEM-Betrieben ist allerdings geteilt. 44 Prozent der Swissmem-Mitgliedsfirmen kämpfen weiter mit einer unbefriedigenden Ertragslage. 15 Prozent, vorwiegend KMU, verbleiben in der Verlustzone. Doch im Unterschied zu früheren Jahren verkneift sich der Verband das Klagen, denn im Wettbewerb um talentierte Arbeitskräfte macht sich eine Branche so nicht attraktiver.

Und der Kampf um Talente und Fachkräfte wird sich in den nächsten Jahren unabhängig vom Konjunkturzyklus verschärfen. Um die im Fachkräfteangebot entstehende Lücke zu füllen, welche die geburtenstarken Jahrgänge bald hinterlassen werden, braucht es neue Ideen. Swissmem wittert eine Chance in der Digitalisierungswelle. Der technologische Wandel werde zahlreiche gestandene Berufsfachleute freisetzen, weil deren Fertigkeiten im Zeitalter der Automatisierung nicht mehr gefragt seien.

Neues Job-Projekt gestartet

Swissmem will die gestrandeten Berufsleute für ihre Mitgliedsfirmen nutzbar machen. Dazu hat der Verband ein Modell entwickelt, mit dem qualifizierte und umschulungswillige Personen, die sich aufgrund des Strukturwandels eine andere Beschäftigung suchen müssen, in eine neue qualifizierte Tätigkeit überführt werden können.

Die Idee besteht darin, die vielfältigen Erfahrungen, die diese Berufsleute im Lauf ihres Arbeitslebens bereits gesammelt haben, mit den spezifischen Kompetenzen einer neuen Tätigkeit zu ergänzen.

Swissmem hat nach Gesprächen mit Verbänden und verschiedenen Bundesstellen ein Modell erarbeitet, wie die mit einem Lohnausfall verbundene Umschulung für die Betroffenen finanzierbar gemacht werden kann. Im laufenden Jahr soll ein Pilotprojekt mit einer Handvoll ausgewählten Unternehmen gestartet werden.