Dominique Biedermann

Nach dem Eklat kontert der Ethos-Chef: «Wir prüfen juristische Schritte»

«Sehr erstaunt»: Biedermann über die Angriffe.

«Sehr erstaunt»: Biedermann über die Angriffe.

Ethos-Präsident Biedermann wurde von einer Stiftungs- und einer Verwaltungsrätin angegriffen. Es geht um Machtballung und die Rolle von Biedermanns Ehefrau bei Ethos. Nun kontert er.

«Eigene Prinzipien über Bord geworfen», «Nachfolgeplanung verzögert» – die Vorwürfe sind happig, die Françoise Bruderer und Monika Roth gegen Ethos-Präsident Dominique Biedermann erheben. Bruderer, Chefin der Pensionskasse der Schweizer Post, trat unter Protest aus dem Ethos-Stiftungsrat zurück; Roth, eine auf Compliance-Fragen spezialisierte Anwältin, aus dem Verwaltungsrat von Ethos Services.

Herr Biedermann, wie konnte es zu so einem Eklat kommen bei Ethos?

Dominique Biedermann: Der Stiftungsrat von Ethos und der Verwaltungsrat von Ethos Services waren sehr erstaunt über die Aussagen von Frau Bruderer und Frau Roth, die beide unerwartet ausgetreten sind. Die Kritik ist völlig unberechtigt.

Warum ist die Kritik nicht in den Ethos-Gremien adressiert worden?

Ich kann nicht kommentieren, was die Diskussionen waren in den letzten Sitzungen. Das ist gesetzlich verboten. Verwaltungsräte in der Schweiz unterliegen einer Stillhaltepflicht.

Was antworten Sie auf die Kritik, Ihre Nachfolge sei nicht geregelt?

Das ist nicht korrekt. Wir haben dies 2012 angegangen, als Ethos schon 15 Jahre alt war, und auch öffentlich gemacht. Damals waren noch vier Gründer dabei. Stiftungsrat und Verwaltungsrat beschlossen damals einstimmig, inklusive der zwei Ausgetretenen: die Stiftung sei nun erwachsen und könne an die nächste Generation übergeben werden. Die vier Gründer sollten gestaffelt und geordnet abtreten. Der erste Schritt war der Rücktritt von Kaspar Müller, damals Verwaltungsratspräsident von Ethos Services und Präsident des Stiftungsrates. Gleichzeitig gab ich damals alle meine operativen Tätigkeiten ab und übernahm diese beiden Präsidiumsposten. Der zweite Schritt war 2017, als Jacques Zwahlen sein Amt als Vizepräsident der Stiftung abgab. Der dritte Schritt war für 2019 geplant: Claude-Victor Comte hätte als Ethos-Services-Vizepräsident abtreten sollen. Aber er verstarb vor drei Monaten.

Wann wären Sie nach diesem Plan zurückgetreten?

Ich sollte als Letzter von Bord gehen, sobald die beiden Räte von Ethos nachhaltig funktionieren – ohne die vier Gründungsmitglieder. Dafür hatten wir uns ungefähr das Jahr 2021 vorgegeben.

Diese Planung wurde nun durch den Todesfall und die zwei Austritte über den Haufen geworden?

Wir werden nun beschleunigt nach Nachfolgern suchen müssen. Es müssen Persönlichkeiten sein, die gut ins bestehende Team passen. An den Generalversammlungen nächsten Juni wollen wir bereits zwei oder drei neue Mitglieder vorschlagen.

Sie treten also zurück, wenn die neue Generation bereit ist?

Richtig. Wir wollen Pensionskassen helfen, nachhaltig zu investieren. Dafür müssen wir als Ethos natürlich selber nachhaltig funktionieren. Der Übergang an die zweite Generation muss geordnet laufen.

Ihre Kritiker bemängeln eine Machtballung bei Ihnen. Sie sind Präsident der Ethos Stiftung und von Ethos Services. Ihre Frau hat eine wichtige Aufgabe in der Direktion. Der neue CEO, Vincent Kaufmann, gilt als Ihr Zögling. Müsste da nicht heute schon ein möglicher Nachfolger für Sie da sein, um ein Gegengewicht zu haben?

Vincent Kaufmann leitet Ethos voll unabhängig von mir. Zudem haben wir bereits zwei Persönlichkeiten als Vizepräsidenten. Hans-Peter Uster, langjähriger Zuger Regierungsrat, als Vizepräsident des Stiftungsrats, und Philippe Doffey, Generaldirektor der Lausanner Versicherung «Retraites Populaires», als Vizepräsident von Ethos Services.

Könnten das Ihre Nachfolger sein?

Das ist noch nicht beschlossen. Aber wir holen fast jedes Jahr neue Persönlichkeiten in die Ethos-Räte. Dieses Jahr zum Beispiel ein Geschäftsleitungs-Mitglied der Stiftung Abendrot.

Aber Herrn Biedermann in den Räten zu haben und Frau Biedermann in der Geschäftsleitung ist heikel.

Sie ist seit bald zwanzig Jahren bei Ethos. Von Anfang an haben die Ethos-Räte ohne meine Anwesenheit und einstimmig, inklusive der zwei Ausgetretenen, alle notwendigen Massnahmen getroffen, um potenzielle Interessenkonflikte zu vermeiden. Es war ganz klar geregelt, dass Mitarbeiter zu unseren Vizepräsidenten gehen würden, wenn sie ein Problem hätten mit mir oder meiner Frau. Das kam in 19 Jahren nie vor. Die Kritik ist nicht verständlich. Umso mehr als wir in den letzten zwei Jahren sehr gute Ergebnisse haben. Wir haben jeden Monat mehr Kunden, mehr Mitglieder, mehr Mandate.

Sie würden solche Konstellationen nie tolerieren bei Unternehmen, zu denen Sie Empfehlungen abgeben.

Wir sind nicht börsenkotiert. Wir haben starke Kontrollmechanismen und eine klare Trennung zwischen strategischen und operativen Aufgaben.

Diese Trennung wird aufgehoben, wenn Herr und Frau Biedermann am Küchentisch sitzen.

Nein, wir trennen Arbeits- und Familienzeit sehr klar, und das seit 19 Jahren. Ich habe übrigens seit meinem Wechsel auch kein fixes Büro mehr bei Ethos. In meinem ehemaligen Büro sitzt nun Vincent Kaufmann. Er leitet Stiftung und Ethos Services unabhängig von mir. Die Medienarbeit macht Vincent Kaufmann auch seit zwei Jahren. Mich sehen dort nur noch, wenn Ethos den Medien seine jährliche Auswertung aller Generalversammlungen vorstellt. Das hat Kaspar Müller früher ebenfalls getan. Ansonsten vertrete ich Ethos zusammen mit Vincent Kaufmann gegenüber anderen Unternehmen. Das steht im Pflichtenheft des Präsidenten drin.

Ihr «Doppelmandat» als Präsident der Stiftung und von Ethos Services zugleich wurde auch kritisiert.

Ein Doppelmandat ist, wenn jemand gleichzeitig CEO und Verwaltungsratspräsident ist, nicht wenn jemand zwei Mandate hat in Verwaltungs- oder Stiftungsräten, wie das bei mir der Fall ist. Letzteres hat Ethos nie angegriffen.

War es nicht ein Fehler, ohne Übergang ins Präsidium zu wechseln?

Wir haben den Abgang von Kaspar Müller zwei Jahre im Voraus bekannt gemacht. Der neue CEO wurde ebenfalls mehrere Monate vorher angekündigt. Bis es zum Wechsel kam, wurden Vincent Kaufmann und ich beide in die neuen Aufgaben eingeführt, von einem externen Coach, damit wir korrekt in unseren neuen Funktionen arbeiten. Mit einer klaren Aufgaben-Teilung.

War es nicht einfacher als Sie und Ihre Frau in der Direktion waren? Heute leiten Sie das Gremium, das die Direktion überwachen soll – und damit auch Ihre Frau.

Es ist heute einfacher. Meine Frau und ich haben keine Arbeitsbeziehung mehr. Heute ist das Vincent Kaufmann. Wenn er ein Problem hat, wendet er sich an die Vizepräsidenten.

Was sagen denn diese Vizepräsidenten zu der Kritik?

Wir haben am Dienstag eine Mitteilung verschickt. Darin äussern Sie sich.

Mit der Aussage, beide Räte bekräftigten ihr vollstes Vertrauen und ihre Unterstützung für den Präsidenten?

Richtig.

Nun werden drei Personen ersetzt?

Ja, wir müssen jetzt analysieren, welche Stärken und Schwächen wir derzeit haben in den Ethos-Räten. Dann wissen wir, was für Personen wir suchen müssen. In diese Suche fliesst auch ein, dass wir einen Nachfolger für mich brauchen. Das machen wir mit einem externen Berater.

Wird die PK der Schweizer Post bei Ethos ausscheiden und zur Ihrem Konkurrenten Asir-SVVK wechseln, die die PK Post mitgegründet hat?

Wir haben mehr als 220 Institutionen als Mitglieder. Alle sind sehr vom Mehrwert nachhaltiger Anlagen überzeugt, auch die PK Post. Wir bieten verschiedene Produkte an. Die PK Post wird entscheiden, wer in der Schweiz die beste Qualität hat.

Was soll die Öffentlichkeit denken, wenn es so einen Eklat gibt bei einer Stiftung für Nachhaltigkeit?

Ich bin sehr erstaunt, dass die zwei ausgetretenen Damen sich in den Medien äussern. Das kommt sehr selten vor, dass Verwaltungsräte austreten und am nächsten Tag sich an die Medien wenden. Gesetzlich ist das sehr heikel.

Werden Sie juristisch vorgehen gegen Frau Bruderer und Frau Roth?

Wir prüfen, juristische Schritte einzuleiten.

Suchen Sie auch das Gespräch?

Wir sind immer offen für Gespräche, waren wir auch immer.

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