Gestern kurz vor Feierabend gab die Wettbewerbskommission der EU bekannt, was die Alstom-Mitarbeiter wohl schon erwartet hatten: Der Deal mit General Electric (GE) ist abgesegnet, Teile des Gasturbinengeschäfts werden jedoch an die italienische Ansaldo Energia veräussert.

Alstom darf verkaufen.

Am Dienstagnachmittag kam der Entscheid: Alstom darf verkaufen.

Gerüchteweise kursierte diese Option schon länger. Dass der Entscheid nun feststeht, beruhigt die Mitarbeiter aber nur bedingt: Für sie geht das Bangen nur in die nächste Runde. Wird Ansaldo die Gasturbinensparte in Baden und Birr AG behalten oder nach Genua verlegen? Werden Stellen gestrichen? Die Rede ist von 600 Jobs, die gefährdet sind. So wird jedenfalls in Medien spekuliert.

Keine Weltuntergangsstimmung

Untergangsstimmung herrschte in Baden jedoch keine. Unaufgeregt laufen die Mitarbeiter nach getaner Arbeit aus dem gläsernen Alstom-Hauptgebäude Richtung Bahnhof, tippen in ihre Smartphones oder schauen eher gleichgültig nach vorne. Speziell betrübt scheinen ihre Gesichter nicht, das sonnige Wetter und der erlösende Feierabend mögen das Ihrige dazu beitragen.

Interview mit Urs Hofmann zum Alstom-Verkauf

Interview mit Urs Hofmann zum Alstom-Verkauf

«Tele M1»-Redaktor Stefan Lanz spricht mit dem Aargauer Regierungsrat Urs Hofmann über den Entscheid der EU- Wettbewerbskommission und die Auswirkungen auf den Aargauer Stellenmarkt.

Angesprochen auf den Entscheid der EU und dessen Auswirkungen, geben sich die Alstom-Leute aber durchweg bedeckt und sagen nichts. Auf die Frage, ob sie sich denn keine Sorgen machen um ihre Zukunft, zucken zwei Mitarbeiter lediglich ihre Schultern.

Der Arbeiterstrom lässt allmählich nach, viele radeln davon auf ihren auffallend teuren Fahrrädern, andere verschwinden in ihren Autos. Nur zwei Autos mit Nummernschildern aus der Region Belfort, dem französischen Sitz der Alstom, bleiben noch lange auf den Parkplätzen vor dem Glasgebäude stehen.

Als ich kurz innehalte, um ein Foto des Alstom-Logos zu schiessen, kommt ein Arbeiter auf mich zu und kommentiert mit Humor: «Ja, das Logo hängt nicht mehr lange da.» Entweder komme an der Stelle bald das runde, grüne Logo der GE, «oder irgendein Spaghetti-Logo» der italienischen Ansaldo.

Für die einen Arbeiter wird es wohl mit amerikanischen Burgern weitergehen, für die anderen mit italienischer Pasta. Hauptsache ist wohl, dass es überhaupt weitergeht in der so traditionsreichen Arbeitsstätte.

«1891» steht heute noch auf dem alten Glockenhaus vor dem Alstom-Hauptgebäude geschrieben. Es ist das Jahr, in dem die damalige BBC in Baden gegründet wurde. Nach der Fusion mit der schwedischen Asea in ABB umbenannt, hiess die Kraftwerkssparte später kurzzeitig «ABB Alstom Power».

Als diese dann ganz verkauft wurde, eroberte das blau-weiss-rote Alstom-Logo die Gegend. Etliche Firmenlogos haben das historische Industrieviertel der Schweizer Kleinstadt verziert. Man darf gespannt sein, welche als Nächstes dort aufgestellt werden.