Die Reaktionen in Analysten- und Presseberichten war fast überall gleich: Der am Donnerstag vermeldete Abgang von Nestlés Top-Managerin Wan-Ling Martello ist ein herber Rückschlag für den Nahrungsmittelmulti aus Vevey VD. Auch der Konzern selbst lobte die US-Amerikanerin mit chinesischen und philippinischen Wurzeln in seiner Medienmitteilung über den Klee.

Doch es könnte noch dicker kommen für Nestlé. So wird in der Branche über einen Wechsel von Martello zu Unilever spekuliert – einem von Nestlés grössten Konkurrenten. Denn der britisch-holländische Hersteller von Markenprodukten wie Knorr, Lipton und Magnum sucht seit rund einem Jahr nach einem Nachfolger für dessen CEO, den Holländer Paul Polman.

Paul Polman, abtretender Chef von Unilver und ehemaliger Kronfavorit für den Nestlé-Chefsessel.

Paul Polman, abtretender Chef von Unilver und ehemaliger Kronfavorit für den Nestlé-Chefsessel.

Polman, Unilever, Nestlé – war da nicht mal was? Genau. Polman war einst Manager bei Nestlé und 2008 Favorit auf die Nachfolge des damaligen CEO Peter Brabeck. Doch zur Überraschung vieler fiel die Wahl auf den Finanzchef, den Belgier Paul Bulcke. Der bei Analysten beliebte Polman machte die Faust im Sack – und wechselte kurz darauf an die Spitze von Unilever, wo er sich bis heute hielt.

Bei Alibaba und Uber  

Für Nestlé würde sich somit die Geschichte wiederholen. Denn auch Martello, welche die Nestlé-Zonen Asien, Ozeanien und Afrika leitet, galt vor zwei Jahren als Favoritin für den vakant werdenden Chefsessel. Doch zu Paul Bulckes Ersatz wurde der Deutsch-Amerikaner Mark Schneider erkoren.

Paul Bulcke: Der Belgier machte 2008 das Rennen und wurde Nachfolger von Nestlé-CEO Peter Brabeck.

Paul Bulcke: Der Belgier machte 2008 das Rennen und wurde Nachfolger von Nestlé-CEO Peter Brabeck.

Jean-Philippe Bertschy, Analyst bei der Bank Vontobel, spricht von einem „starken Dämpfer“ für Nestlé, sollte Martello Polmans Nachfolge bei Unilever antreten. „Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass dieser Job für sie inzwischen fast schon zu komfortabel wäre. Er hält es für möglich, dass die 60-Jährige eine neue Herausforderung in einer anderen Branche sucht. Dass Martello offen für Neues sei, zeigten ihre Verwaltungsratsmandate beim chinesischen Onlineriesen Alibaba und dem US-Fahrdienstleister Uber.