Dennoch sind Rettungsmannschaften weiter im Einsatz. "Wir beten für ein Wunder", sagte ein Sprecher der Rettungskräfte am Montag auf der Insel Sachalin. Sie liegt mehr als 10'000 Kilometer östlich von Moskau. Suchmannschaften zogen bisher 16 Leichen aus dem Wasser.

Auf der Unglücksplattform "Kolskaja" befanden sich ursprünglich 67 Menschen. 14 von ihnen waren nach der Tragödie vom Samstagmorgen gerettet worden. In der Inselhauptstadt Juschno-Sachalinsk beteten Angehörige der Vermissten bei einem Gottesdienst gemeinsam für eine Rettung.

Die örtliche Verwaltung stellte Angehörigen, die aus anderen Regionen angereist waren, kostenlos Unterkünfte zur Verfügung. "Zur Vermeidung einer Panik werden die Menschen psychologisch betreut", sagte ein Behördensprecher.

Wettlauf gegen die Zeit

Fünf Schiffe sowie ein Flugzeug und ein Helikopter setzten am Montag ihre Suche nach den Vermissten fort. "Alle Männer trugen Thermoschwimmwesten, sie könnten also noch leben. Aber es ist längst ein Wettlauf gegen die Zeit", sagte ein Sprecher der Rettungskräfte.

Angesichts von fünf Meter hohen Wellen und eisigen Temperaturen gebe es nur wenig Hoffnung. Zudem habe die Mannschaft keine Zeit gehabt für eine koordinierte Rettung von der Plattform, die in 1442 Metern Tiefe stark beschädigt auf dem Meeresgrund liege.

Die Suche in der Region ging auch in der Nacht zu Dienstag unvermindert weiter. Schiffe mit mächtigen Scheinwerfern fuhren die Unglücksstelle ab. Über dem Pazifik kreiste ein Helikopter mit Wärmebildkamera. "Nichts Neues", funkten die Rettungsmannschaften jedoch nach Angaben der Agentur Itar-Tass zur Leitstelle auf Sachalin.

Vorwürfe gegen Ölplattform-Betreiber

Angehörige der Opfer und die Justiz warfen dem Betreiber der "Kolskaja" vor, die Sicherheitsrichtlinien missachtet zu haben. Zudem leitete die Generalstaatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den Kapitän des Eisbrechers ein, der die Bohrinsel trotz Sturmwarnung von der Halbinsel Kamtschatka nach Sachalin schleppen wollte.