Fragen und Antworten

Muss ich nun für mein Sparkonto einen Strafzins bezahlen?

Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank.

Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank.

Die Schweizerische Nationalbank hat am Donnerstag entschieden, Negativzinsen einzuführen. Ihre Entscheide betreffen nicht nur Banken und Firmen, sondern auch die Bevölkerung. Hier die Antworten auf sechs wichtige Fragen.

1. Muss ich nun auf meinem Sparguthaben bei den Banken einen Strafzins bezahlen?

Vorerst nein. Befragte Geschäftsbanken wie Raiffeisen, UBS oder die Zürcher Kantonalbank (ZKB) versichern, dass nach dem Entscheid der Nationalbank Privatkunden und KMU vorderhand nicht mit Negativzinsen rechnen müssen. Allerdings ist offen, ob die Banken die höheren Kosten nicht auf die Kunden via noch tiefere Zinsen oder höhere Gebühren abwälzen werden. Man beobachte die Konkurrenz, heisst es etwa bei der Migros Bank. Und die ZKB hat bereits zuvor in den allgemeinen Geschäftsbedingungen einen Passus eingeführt, wonach bei speziellen Marktverhältnissen Negativzinsen eingeführt werden können. «Das ist nur eine Absicherung für den allerschlimmsten Fall», beruhigt ZKB-Sprecher Igor Moser. Bei der Aargauer Kantonalbank sind noch keine Entscheide gefällt worden.

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2. Werden Grossfirmen künftig mit einem «Strafzins» belegt?

Das ist offen. Erfahrungen aus Deutschland deuten aber darauf hin. Einzelne Banken belasten dort hohe Guthaben von Grossfirmen und institutionellen Anlegern mit Negativzinsen. Die Europäische Zentralbank führte bereits vor einigen Monaten Negativzinsen für Einlagen von Geschäftsbanken ein. Die Schweizer Banken betonen ausdrücklich, dass nur Retailkunden nicht mit Negativzinsen rechnen müssen. Ansonsten werde geprüft, ob weitere Schritte wie Gebühren oder negative Zinsen angebracht seien.

3. Sinken nun die Hypothekarzinsen noch weiter?

Tendenziell ja. Unabhängig vom Entscheid der Nationalbank bleibt die Schweiz ein Paradies für Schuldner. Die Zinsen für Hypotheken bewegen sich auf absolutem Rekordtief. Bei der Migros Bank etwa kostet eine 10-jährige Festhypothek 1,6 Prozent. Nun ist sogar eine weitere Senkung denkbar.

4. Wird nun der leicht beruhigte Immobilienmarkt wieder angeheizt?

Kaum, meint Nationalbank-Präsident Thomas Jordan: «Ich erwarte keine grossen Auswirkungen auf den Immobilienmarkt.» Allerdings ist die Einführung von Negativzinsen grundsätzlich nicht förderlich, das seit Jahren boomende Geschäft mit Hypotheken für Wohneigentum zu beruhigen. Im Gegenteil. Weiter sinkende Zinsen könnten die Hypo-Nachfrage steigern und damit letztlich die Immobilienpreise wieder nach oben treiben. Oder zumindest wird sich Nachfrage nicht abschwächen. Die wirksamste Waffe dagegen wären steigende Zinsen, und dafür gibt es derzeit überhaupt keine Anzeichen. Es ist also denkbar, dass Bundesrat und Nationalbank die Spielregeln für die Banken zur Kreditvergabe weiter verschärfen könnten.

5. Wird nun die Teuerung in der Schweiz steigen?

Theoretisch ja. Die SNB warnt seit Monaten vor Deflationstendenzen. Die Massnahme soll Gegensteuer geben. Wenn die Geschäftsbanken das Geld wegen der Negativzinsen nicht bei der SNB lagern, sondern in Umlauf bringen, erhöht sich die Geldmenge und damit steigt laut Theorie die Inflation. Das hänge aber davon ab, ob die Geschäftsbanken tatsächlich mehr Kredite vergeben werden, erläutert Anastassios Frangulidis, Chefökonom bei der Zürcher Kantonalbank. Aber die Massnahme werde auf anderem Wege die deflationären Kräfte abschwächen. Ein starker Franken senkt die Importpreise, ein schwächerer Franken verteuert diese. Der Effekt werde aber zu wenig stark sein, um die Inflation gefährlich anzuheizen. «Deshalb spricht alles für Preistabilität.»

6. Wird jetzt die Schweizer ExportWirtschaft gestützt?

Ja. Denn die Massnahme wird den Franken weniger attraktiv machen und damit der Exportindustrie helfen. Ihre Konkurrenzfähigkeit leidet seit Jahren unter der zu starken Heimwährung. Ein schwächerer Franken macht Schweizer Produkte auf ausländischen Märkten wettbewerbsfähiger. «Der Entscheid ist ein starkes Signal dafür, dass die Nationalbank den Mindestwechselkurs zum Euro von Fr. 1.20 auch künftig durchsetzen will», sagt Jean-Philippe Kohl, Leiter Wirtschaftspolitik beim Branchenverband Swissmem. Das sei für die Exporteure von eminenter Bedeutung.

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