Niklaus Mäder

Vorletztes Jahr fiel sie im Rhein bei Leibstadt erstmals auf: die Körbchenmuschel - Corbicula fluminea. Die aus Asien stammende Art kennt hierzulande keine natürlichen Feinde und findet in fast jedem Gewässer Nahrung. Zudem zeigt sie sich resistent gegen tiefe Wassertemperaturen. Entsprechend rasant breitet sich die Muschel aus.


Sehr zum Leidwesen der Betreiber des Atomkraftwerks Leibstadt. Die nicht einmal millimetergrossen Larven können in das betriebswichtige Kühlsystem des Kraftwerks gelangen und sich dort festsetzen, wie Barbara Suter, Informationschefin des AKW Leibstadt, einen Bericht der Zeitung «Bund» bestätigt. Zu Muscheln ausgewachsen, würden sie daraufhin die Kühlung des Kernkraftwerks beeinträchtigen.

Alle paar Monate wird Sand entfernt

Als Gegenmassnahme inspiziert der AKW-Betreiber jährlich die Wärmetauscher und entfernt allfällige Muscheln. Zudem wird die Wassererfassung im Rhein alle drei bis sechs Monate von Sand befreit, der den Muscheln einen idealen Lebensraum bietet. Kostenpunkt der Aktionen: jährlich 50 000 Franken.

Das nur wenige Kilometer entfernte Atomkraftwerk Beznau, welches mit Aarewasser kühlt, steht dagegen noch ohne Muschelproblem da, so Axpo-Sprecher Erwin Schärer. Auch beim weiter aareaufwärts stehenden AKW Gösgen vermeldet man keinen Muschelbefall. Anscheinend ist die Corbicula fluminea noch nicht in die Aare vorgedrungen.

Betrachtet man die rasante Ausbreitung der Körbchenmuschel, ist aber nicht auszuschliessen, dass auch diese Anlagen dereinst gegen Muscheln vorgehen müssen. So kam die Art 1994 erst in Basel vor, 2003 war sie auf der Höhe von Bad Säckingen anzutreffen, seit 2007 nun bereits unmittelbar unter der Aaremündung bei Koblenz.

Konstantin Bachmann, Pressesprecher von Gösgen, versichert denn auch, dass man für den Fall eines Auftauchens der Muschel Überlegungen anstelle und bei Revisionen auf Befall kontrolliere.

1980 musste ein US-Werk abschalten

Mit gutem Grund: 1980 musste im US-Bundesstaat Arkansas ein Kernkraftwerk abgeschaltet werden, weil die Körbchenmuschel ein Löschwassersystem verstopft hatte. Die Aufsichtsbehörde ordnete daraufhin eine landesweite Überprüfung der Nuklearanlagen an: In 19 der 32 Kraftwerke fanden sich die Corbicula fluminea.