Medien

Murdoch-Blätter haben weniger Online-Leser - dafür solche, die bezahlen

Screenshot der «Times»-Website.

Screenshot der «Times»-Website.

«Times» und «Sunday Times» haben seit der Einführung der Bezahlpflicht für ihre Angebote im Internet zwar viele Leser verloren. Für den Medienmogul Rupert Murdoch, dem die beiden Blätter gehören, ist «Paid Content» trotzdem ein Erfolgsmodell.

«Wenn die Leute im Internet lesen wollen, sollen sie auch dafür bezahlen - für Zeitungen zahlen sie ja schliesslich auch.» Der australo-amerikanische Geschäftsmann Rupert Murdoch ist nicht der einzige Medienunternehmer, der die Gratiskultur im Internet mit markigen Worten geisselte - aber einer der wenigen, der seinen Worten auch Taten folgen liess.

Vor vier Monaten führen die beiden britischen Traditionszeitungen «Times» und «Sunday Times», die beide der britischen Tochtergesellschaft von Murdochs News Corporation gehören, ein kostenpflichtiges Webangebot ein.

Wer seither Artikel der beiden Blätter im Internet lesen will, muss für den Zugang pro Tag ein britisches Pfund bezahlen, der Preis eines Wochenabonnements für das digitale Angebot liegt bei zwei Pfund.

Ist das Publikum bereit zu bezahlen?

In der Medienbranche wird Murdochs Experiment mit der so genannten «Bezahlschranke» mit grossem Interesse verfolgt – zeigt es doch zum ersten Mal, ob und in welchem Umfang die breite Leserschaft der Publikumspresse bereit ist, für journalistische Inhalte im Internet Geld auszugeben.

Nachdem die News-Corporation-Tochter News International lange Zeit ein Geheimnis um die Entwicklung der Nutzerzahlen seit Einführung des kostenpflichtigen Angebots gemacht hat, zog sie nun eine erste Bilanz.

Demnach haben «Times» und «Sunday Times» seit Anfang Juli 105 000 zahlende Kunden gewinnen können, weitere 100000 haben die Print- und Onlineausgaben gemeinsam abonniert.

Die Zahlen sind «sehr ermutigend»

«Times»-Chefredaktor James Harding bezeichnete diese Zahlen in einer ersten Reaktion als «sehr ermutigend». Und die News-International-Chefin Rebeka Brooks sagte, es zeige sich nun sehr deutlich, dass eine grosse Anzahl von Leuten bereit sei, für Qualitätsjournalismus auf digitalen Plattformen zu bezahlen. «Wir sind sehr erfreut über die Reaktionen auf unser neues Online-Angebot.»

Die BBC rechnete in einem Beitrag allerdings vor, das «Times» und «Sunday Times» seit der Errichtung der Bezahlschranke im Internet rund 90 Prozent ihrer Leserschaft verloren hätten.

Wie sich die Umsätze im Vergleich zu früher, als die «Times»-Angebote im Netz alleine durch Werbung finanziert wurden, verändert haben, gab die News Corporation nicht bekannt.

Medienmogul Murdoch wird sich durch rückläufige Online-Leserzahlen jedoch kaum von seinen Plänen abbringen lassen, die Gratiskultur im Internet weiter zu bekämpfen. «Wir wollen lieber weniger Nutzer, aber dann solche, die bezahlen», sagte er noch vor kurzem. Und: Murdoch will in absehbarer Zeit auch für die Online-Angebote seiner beiden englischen Revolverblätter «Sun» und «News of the World» Geld verlangen.

Gutes Geld für guten Journalismus

Rückendeckung erhält Murdoch aus Deutschland. Mathias Döpfner, Chef des mächtigen Medienkonzerns Axel Springer, gilt als einer der hartnäckigsten Verfechter von Bezahlangeboten im Netz. Sein Motto: Gutes Geld für guten Journalismus.

«Wir wollen in sieben Jahren die Hälfte unserer Umsätze im digitalen Bereich machen», sagte Döpfner dem «Handelsblatt». «Derzeit entwickelt sich das Geschäft so dynamisch, dass wir dieses Ziel schneller erreichen können. Vielleicht in fünf Jahren».

Der Grund für Döpfners Optimismus ist offensichtlich: Springer hat dem «Handelsblatt» zufolge fast 300000 kostenpflichtige Applikation seiner Flaggschiff-Publikationen «Bild» und «Welt» verkauft.

Auch hierzulande hoffen die Medienunternehmer, künftig mit Angeboten für Geräte wie iPhone und iPad Geld zu verdienen. Zahlreiche Verlage haben in jüngster Vergangenheit eigene Applikation für die beiden Apple-Gadgets lanciert – die meisten davon sind mit einer Bezahlpflicht verbunden. (bau)

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