Die Liste des Stiftungsräte der 1999 gegründeten liberalen Denkfabrik «Avenir Suisse» liest sich wie das «Who is Who?» der Schweizer Wirtschaft. Mitglieder sind unter anderem Rolf Soiron, Präsident des Verwaltungsrats (VR) von Holcim und Lonza, die Chefs von Nestlé, Paul Bulcke, der Lufthansa, Christoph Franz, der Zurich Insurance Group, Martin Senn, und der Alpiq, Jasmin Staiblin, die VR-Präsidenten der ABB, Hubertus von Grünberg, der Zürich Flughafen AG und Gategroup, Andreas Schmid, sowie der UBS, Axel Weber, und Ex-Nationalbank-Direktor Jean-Pierre Roth.

Ende März 2014 kommt es zu einem Wechsel an der Spitze: Laut Statuten muss ein Präsident nach zwei Amtsperioden von je drei Jahren abtreten, wie Soiron sagt: «Das ist bei mir im Frühjahr der Fall.» Dann übernimmt Multi-Verwaltungsrat Andreas Schmid das Ehrenamt. Es reizt ihn, sagt er gegenüber der «Nordwestschweiz», weil Avenir Suisse «wichtiger denn je» sei – «in einer Zeit, in der auf Seiten der bürgerlichen Parteien und der Wirtschaftsverbände nicht immer Übereinstimmung» herrsche. Der Thinktank habe in den letzten Jahren eine starke Relevanz erreicht: «Man hört ihm zu, wenn er etwas sagt.»

Soiron fällt der Abschied nicht leicht: «Ich übe dieses Amt gerne aus. Avenir Suisse ist notwendig. Es braucht wirtschaftlich orientierte Menschen, die sich mit der gesellschaftlichen Entwicklung auseinandersetzen.» Zudem ist er sehr zufrieden mit der Tätigkeit seines Direktors Gerhard Schwarz. Der einstige NZZ-Wirtschaftschef ist seit November 2010 bei Avenir Suissde. «Seine Ernennung war eine glückliche Wahl», sagt Soiron: «Unter seiner Ägide hat sich die Institution nicht nur inhaltich weiterentwickelt, sondern auch bezüglich der Intensität der Kommunikation und der Medienpräsenz zusätzlichen Schub erhalten.»

In der Tat ist Avenir Suisse unter Schwarz mit 25731 Nennungen in der Schweizer Mediendatenbank (SMD) verzeichnet, die Artikel der wichtigsten Schweizer Verlage archiviert. Dennoch gilt Avenir Suisse als Organisation, die mit viel Papier wenig Wirkung erzielt. «Mit diesem Vorwurf kann ich leben», sagt Soiron. Ein Thinktank sei keine parlamentarische Fraktion: «Seine Mission ist die Diskussion mit liberal orientierten Konzepten zu beleben.» Dafür brauche es Papier: «Wäre es umgekehrt, hiesse es, die machen nichts.»

Die Finanzierung sei für die nächsten Jahre gesichert, sagt Soiron. Denn die Arbeit sei längst nicht beendet: «Der Thinktank muss in Zukunft noch aktiver die Stellung der Schweiz gegenüber dem Ausland, insbesondere auch gegenüber Europa, beleuchten. Da ist eine eigene Position der Wirtschaft wichtig.» Dies gelte auch in Bezug zu Fragen der Siedlungspolitik, der Zuwanderung und der Demografie in der Schweiz.