Kommentar

Multi auf Schrumpkurs: ABB wird zur Dividendenmaschine

Zur Sache - Daniel Zulauf

Zur Sache - Daniel Zulauf

Die schwedische Industriellenfamilie Wallenberg kann sich offensichtlich nur noch auf eine möglichst risikoarme Bewirtschaftung ihres industriellen Erbes einigen.

Auf ABB sind die Leute in Baden AG gerade nicht mehr sehr gut zu sprechen. Vom Turbinen- und Kraftwerksbau, mit dem die Vorgängerfirma Brown Boveri einst weltberühmt geworden war, ist nach zwei unglücklichen Handwechseln zu Alstom und GE nicht mehr viel übrig. Und nun will ABB auch noch das loswerden, was in Baden immer noch mit grossem Erfolg hergestellt wird: Turbolader für Schiffsmotoren.

Die Turbolader sind eine von drei operativen Geschäftseinheiten, die der neue ABB-Chef Björn Rosengren am Kapitalmarkttag vom Donnerstag ins Schaufenster gestellt hat. 1,8 Milliarden Dollar oder rund sechs Prozent des Konzernumsatzes gibt er damit Preis und dies, nur wenige Monate nachdem der Verkauf der einstigen Flaggschiffsparte, der Stromübertragung, an die japanische Hitachi unter Dach und Fach gebracht worden ist.

Warum will ABB schrumpfen, statt wachsen? Die altehrwürdige schwedische Industriellenfamilie Wallenberg kennt die Antwort. Sie hält gut zwölf Prozent aller ABB-Aktien und hat vor zwei Jahren die Macht im Konzern zurückerobert. Nun wollen sie diesen mit Hilfe der Investmentgesellschaft Cevian zu einer Dividendenmaschine umbauen. Offensichtlich kann sich die Familie nur noch auf eine möglichst risikoarme Bewirtschaftung ihres industriellen Erbes einigen. Für die Mitarbeitenden von ABB ist dies eine trostlose Perspektive. In der Badener Turbolader-Fabrik wird man sich dereinst umso mehr darüber freuen können, den Fängen des schrumpfenden Multis entkommen zu sein.

Autor

Daniel Zulauf

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