Seit Dienstag ist die Spotify-Aktie an der New Yorker Börse erhältlich. Der Start ist gelungen. Zu Beginn des Handels notierten die Titel um 20 Prozent höher als der Referenzpreis. Darüber freuen wird sich auch Daniel Ek, Mitgründer des weltgrössten Musikstreamingdienstes.

Er darf zwar nur einen begrenzten Teil seiner Aktien verkaufen. Doch allein dieses Paket würde ihm auf einen Schlag rund 2,5 Milliarden Dollar einbringen. Doch Materielles ist ihm nicht so wichtig, sagt er gern, und man glaubt ihm sogar.

In der übersichtlichen Stockholmer Geschäftswelt hat fast jeder den inzwischen 35-jährigen schon mal getroffen. Er ist durch und durch Schwede, zurückhaltend, hört aufmerksam zu, ist selbstkritisch, will dazulernen. Im unscheinbaren Spotify-Hauptquartier steht er auch brav hinten an bei der Kaffeemaschinenschlange. Er will nicht nur Geld verdienen, sondern auch Zeit haben für seine Kinder und seine Frau.

Im Alter von drei bis vier Jahren legten die Eltern den Grundstein seiner Karriere. Sie kauften ihm eine Gitarre und einen Computer. Er spielte in Bands und programmierte zunächst Spiele. Nach Bestnoten an einem IT-College ging er an die Königliche Technische Hochschule, brach dort aber ab, als er merkte, dass die Ausbildung zu theoretisch ist.

Gleichzeitig liefen seine IT-Projekte und eine Anstellung bei Tradedoubler, einer Marketingfirma in Stockholm, wie am Schnürchen. Mit 23 war er bereits so reich, dass er nicht mehr arbeiten musste. Ziel erreicht. «Ich hatte dann ein Jahr lang viel Spass, trieb mich viel in Clubs herum und versuchte, die Mädchen zu kriegen, die ich früher nie bekommen konnte. Aber das hielt nicht lange. Die waren eigentlich nicht an mir interessiert, sondern nur an meinem Geld und Status».

Das sei kein Leben für ihn gewesen. «Ich wurde extrem deprimiert», sagte er einmal. «Ich überlegte, ob ich überhaupt weiterleben möchte», gab er später zu. «Ich brauchte einen Sinn, wollte irgendwo dazugehören.» Er verkaufte seine grosse Stadtwohnung samt rotem Ferrari Modena und zog ins 29 Quadratmeter grosse Sommerhäuschen seiner Eltern vor Stockholm.

Dort brütete er einen düsteren Winter lang. Ek war selbst mit den illegalen Musikdownloadseiten wie der schwedischen Piratebay aufgewachsen. Die hatten erreicht, dass die Musikbranche mittelfristig vor dem Bankrott stand. Ek bekam die Idee, einen Streamingdienst zu gründen. Statt wie bislang Musik zu «besitzen», sollte es in Zukunft reichen, sie «anzumieten».

Kritik von McCartney

Die Smartphone-Revolution passte da perfekt rein. Ek kannte den Multimillionär Martin Lorentzon noch von seiner Zeit bei Tradedoubler. 2006 gründeten sie gemeinsam Spotify. Von grossen Plattenfirmen wurden sie abserviert.

Doch die beiden blieben hartnäckig, bis sie Lizenzvereinbarungen mit allen grossen und kleineren Plattenfirmen sowie Musikverlagen in der Tasche hatten. Die wurden am Umsatz beteiligt, die grossen Plattenfirmen bekamen auch einen kleineren Firmenanteil von Spotify. 2008 ging es los.

Heute wird Ek wohl zu Recht als vorläufiger Retter der Musikindustrie bezeichnet. Auch wenn Apple Music ihm inzwischen viel Konkurrenz macht, bleibt Spotify der wesentliche Wachstumsmotor der Branche. Der weltgrösste, aber seit seinem Start nur rote Zahlen schreibende Musikdienst ist nun auch an die Börse gegangen, um sein Überleben im harten Konkurrenzkampf zu sichern.

Gleichzeitig wurde Ek heftig dafür kritisiert, dass die Musiker selbst kaum etwas von dem Geldregen sehen würden. Viele bekannte Musiker wie Paul McCartney haben Spotify dafür öffentlich kritisiert. Seinem Erfolg hat das bisher keinen Abbruch getan.