Management

Monika Ribar geht: Die Schweiz verliert ihre Muster-Chefin

Ab Juni ist die Schweiz um einen weiblichen CEO ärmer: Monika Ribar, Konzernchefin von Panalpina (Archiv)

Ab Juni ist die Schweiz um einen weiblichen CEO ärmer: Monika Ribar, Konzernchefin von Panalpina (Archiv)

Mit Monika Ribar tritt bei Panalpina eine Ikone der wirtschaftlichen Emanzipation ab. Mit ihr geht eine Vertreterin der ersten Generation weiblicher Topmanagerinnen.

Monika Ribar (54) war die erste Frau an der Spitze eines global tätigen Schweizer Unternehmens. Gestern hat nun der Basler Logistiker mitgeteilt, dass Ribar das Ruder abgeben werde und per Ende Mai Peter Ulber vom Konkurrenzunternehmen Kühne + Nagel neuer CEO bei Panalpina wird. Die Schweiz verliert damit eine wichtige Vorkämpferin für die wirtschaftliche Emanzipation der Frau.

Die Erfolgsbilanz seit ihrer Ernennung zum CEO im Oktober 2006 von Panalpina fällt zwar durchzogen aus. So ist der Logistikkonzern im letzten Jahr in die roten Zahlen gerutscht. Und in den vergangenen Jahren hielt sich der Basler Konzern hartnäckig wegen einer Schmiergeld-Affäre in Nigeria in den Schlagzeilen, unter dem die Reputation des Konzerns gelitten hatte. Und auch für Investoren war Ribar kein Glücksfall. Die Aktie von Panalpina hat seit ihrem Amtsantritt 36 Prozent an Wert verloren. Zum Vergleich: Konkurrent Kühne + Nagel legte 21 Prozent zu.

Wieso geniesst die verheiratete, aber kinderlose Frau dennoch so einen guten Ruf? «Monika Ribar war einer der positiven Leuchttürme und zeigte in den vergangenen Jahren jungen Frauen und Unternehmen, wohin der Weg bezüglich Geschlechterteilung in der Berufswelt gehen muss», sagt Guido Schilling, Managing Partner der gleichnamigen Beratungsfirma. Ribar sei insofern speziell, als mit ihr nun eine Vertreterin der ersten Generation weiblicher Topmanagerinnen gehe. Und das nicht bei irgendeinem KMU, wo es schon länger viele Chefinnen gebe: Panalpina zählte 2012 mehr als 15 000 Mitarbeiter und machte einen Umsatz von 6,6 Milliarden Franken.

Zwar seien die Frauen auf CEO-Stufe der 100 grössten Schweizer Firmen immer noch rar. Dennoch ist für Schilling der gestrige Tag kein schwarzer Tag für die Frauenfrage. «Man spürt, dass Schweizer Unternehmen bezüglich Geschlechterdiversifikation in den vergangenen Jahren viel gemacht haben», so Schilling. Er erwartet, dass sich diese Fortschritte auch im neuen Schilling-Report zeigen werden, der die Veränderungen im Management bei den 100 grössten Unternehmen der Schweiz untersucht. Von den rund 850 Managern der 100 grössten Firmen pendelte der Anteil der Frauen in den vergangenen Jahren stets um 50. «Das dürfte sich nun ändern», so Schilling, der für Details auf den Report verweist, der Ende Mai publiziert wird.

Eine Zunahme der Frauen im mittleren Management stellt auch Doris Aebi fest: «Frauen haben bei der Ausbildung aufgeholt.» Die Mitinhaberin der Executive-Search-Firma Aebi+Kuehni betrachtet Ribar auch als Vorbildfigur. «Es ist wichtig, dass Frauen in hohen Positionen erfolgreich wirken. Für viele Frauen sind auch heute noch solche Karrieren nicht selbstverständlich», sagt Aebi, die 2006 der scheidenden Panalpina-Chefin als Jury-Präsidentin den Women Business Award Switzerland verliehen hatte.

Speziell an Ribar sei, dass sie nach ihrem Einstieg bei Panalpina (1991) eine langjährige Karriere in nur einem Unternehmen machte. 2000 wurde sie Chief Information Officer, 2005 Finanzchefin und 2006 CEO. «Solche Karrieren werden unabhängig vom Geschlecht immer seltener», so Aebi. Man wechsle öfters die Firma.

Die grosse Herausforderung sei heute, die Frauen im Karrieresystem zu behalten. «Viele Frauen scheiden zwischen 30 und 40 wegen der Familienplanung ganz oder teilweise aus», so Aebi. Um das zu ändern, brauche es die Möglichkeit, neben dem Mutterdasein die Karriere weiter zu realisieren. Voraussetzungen dazu seien die Karrierebereitschaft der Frauen sowie flexiblere Arbeits- und Präsenzzeiten in den Unternehmen und ein weiterer Ausbau der Möglichkeiten zur familienexternen Unterstützung.

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