Presseschau

Möglicher Wucher bei der Ruag und teure Homöopathie in den Sonntagszeitungen

F/A-18-Kampfjets der Schweizer Armee während Wartungsarbeiten in einem Hangar des Rüstungskonzerns Ruag im luzernischen Emmen. (Archivbild)

F/A-18-Kampfjets der Schweizer Armee während Wartungsarbeiten in einem Hangar des Rüstungskonzerns Ruag im luzernischen Emmen. (Archivbild)

Mutmasslich viel zu hohe Rechnungen beim Rüstungskonzern Ruag, hohe Homöopathie-Kosten und eine Volksinitiative gegen Altersdiskriminierung: Das und mehr findet sich in den Sonntagszeitungen. Die Schlagzeilen in nicht verifizierten Meldungen:

"Ostschweiz am Sonntag"/"Zentralschweiz am Sonntag":

Der bundeseigene Rüstungskonzern Ruag soll dem Verteidigungsdepartement über Jahre zu hohe Rechnungen in der Höhe von dutzenden Millionen Franken gestellt haben. Die entsprechenden Margen sollen weitaus höher sein als bislang angenommen, wie die "Ostschweiz am Sonntag" und die "Zentralschweiz am Sonntag" berichten. Die Zeitungen berufen sich auf Unterlagen und Angaben von Beteiligten. Sie schreibt, dass die Marge in den Einheiten, die sich mit Unterhalt, Reparatur und Kampfwertsteigerung der Jets sowie der Armeehelikopter befassen, 30 oder 35 Prozent betragen haben soll. Das ist viel mehr als die vom Bund maximal erlaubte 8 bis 10 Prozent. Eine derartige Gewinnspanne würde bedeuten, dass die Ruag dem Militär rund 40 Millionen Franken pro Jahr zu viel berechnet. Laut Insidern soll diese Praxis seit mindestens zehn Jahren laufen, was insgesamt 400 Millionen Franken Steuergelder ausmachen würde. Das ist ungefähr doppelt so viel wie der Subventionsbetrag, den sich Postauto widerrechtlich ergattert hat. Ruag steht seit Jahren im Verdacht für den Unterhalt des Flugparks der Luftwaffe über Jahre hinweg überhöhte Rechnungen ausgestellt und damit andere Geschäftsbereiche quersubventioniert haben - in erster Linie das wenig einträgliche zivile Flugzeuggeschäft. Ruag weist die Kritik von sich. Er habe ein reines Gewissen, erklärte CEO Urs Breitmeier kürzlich in einem Interview.

"Le Matin Dimanche":

Das Schweizer Stimmvolk dürfte erneut über ein Tierversuchsverbot hierzulande entscheiden können. Das Komitee der Initiative "Ja zum Tier- und Menschenversuchsverbot - Ja zu Forschungswegen mit Impulsen für Sicherheit und Fortschritt" sammelte bereits über 111'000 Unterschriften, wie die Westschweizer Zeitung "Le Matin Dimanche" unter Berufung auf den Co-Präsidenten des Komitees, Renato Werndli, berichtet. Nötig für das zustande des Volksbegehrens sind gültige 100'000 Unterschriften. Die Sammlung soll weitergehen. Die Frist läuft im April 2019 ab. Die Initiative, die 2017 von St. Galler Bürgern lanciert wurde, fordert, dass Tierversuche als Misshandlung von Tieren und als Verbrechen eingestuft werden. Das Stimmvolk hatte sich bereits mehrmals zum Thema geäussert. Ein Verbot wurde jeweils abgelehnt, zuletzt 1993. Laut Bundesamt für Veterinärwesen ist die Zahl der Tierversuche in der Schweiz rückläufig. 1983 zählte die Schweiz noch zwei Millionen Versuche, im vergangenen Jahr lag die Zahl bei 615'000.

"NZZ am Sonntag":

Eine neue Volksinitiative soll Arbeitnehmern über 50 Klagen wegen Altersdiskriminierung ermöglichen. Die Geschäftsführerin des Verbands Avenir 50 plus, Heidi Joos, will demnächst zusammen mit dem Schweizerischen Seniorenverband ein entsprechendes Volksbegehren lancieren, wie die "NZZ am Sonntag" berichtet. Im Wesentlichen gehe es bei der geplanten Verfassungsbestimmung darum, dass Arbeitnehmer ein Unternehmen einklagen könnten, wenn ihnen verdachtsweise aus altersbezogenen Gründen gekündigt wurde oder sie bei der Stellenbewerbung nicht berücksichtigt wurden. Ähnlich funktioniert das heute bei der Gleichstellung für Mann und Frau. Über 50-Jährige gelten auf dem Arbeitsmarkt als teuer. Manche Firmen schreiben Stelleninserate mit Altersbeschränkung aus oder sortieren Online-Bewerber mit einem Altersfilter aus. "Die altersbezogene Diskriminierung muss einklagbar sein, damit sich die Denkhaltung bei den Unternehmen verändert", sagte Joos der Zeitung. Die Gewerkschaften unterstützen die Idee der Initiative dem Bericht zufolge.

"SonntagsZeitung":

Homöopathie-Ärzte verursachen laut einer Analyse von Krankenkassen höhere Kosten als klassische Schulmediziner. Dies berichtet die "SonntagsZeitung" unter Berufung auf einen Zehn-Jahres-Vergleich von 2007 bis 2016 durch den Krankenkassenverband Santésuisse. In dem Zeitraum würden die Unterschiede bei den Behandlungskosten in der Grundversicherung nicht weniger als 22 Prozent betragen. Grundlage waren Abrechnungsdaten von Grundversorgern. "Der oft gehörte Grundsatz komplementär = kostengünstig wird in der statistischen Analyse klar widerlegt", heisst es in dem noch unveröffentlichten Papier. Komplementärmedizinische Tarifpositionen würden von den Ärzten "zusätzlich zu allen bisherigen schulmedizinischen Leistungen in Rechnung gestellt und wirken daher kostentreibend". Alternativmedizin müsse aus abrechnungstechnischer Sicht "eher als additiv" bezeichnet werden. In der Schweiz übernimmt die Grundversicherung seit 2012 die Kosten für Homöopathie, anthroposophische Medizin, traditionelle chinesische Medizin sowie Phytotherapie.

"SonntagsBlick":

Der Grippeimpfstoff für die derzeitige Wintersaison ist laut dem Bundesamt für Gesundheit aufgebraucht. Wer sich jetzt noch zu einer Impfung gegen die Influenza entscheidet, dürfte es schwer haben, berichtet der "SonntagsBlick". Die Hersteller der Grippeimpfstoffe hätten den Bund informiert, dass der Bestand an Impfdosen aufgebraucht sei, sagte der Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim BAG, Daniel Koch. Nachschub gibt es keinen, da die Herstellung eines Impfstoffs bis zu einem halben Jahr dauert – bis dahin ist die Grippesaison vorbei. Gemäss BAG wurden 1,2 Millionen Dosen vom saisonalen Grippeimpfstoff in die Schweiz geliefert. Dieser wird jedes Jahr nach Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO neu hergestellt, da sich die Grippeviren jedes Jahr leicht verändern. In einer Kampagne machte das BAG auf die Vorteile einer Impfung aufmerksam. Am nationalen Grippeimpftag vom 9. November, an dem bei Hausärzten und Apothekern geimpft werden konnte, nahmen laut Pharmasuisse überdurchschnittlich viele Leute teil.

"SonntagsBlick":

Schon in wenigen Jahren könnte der Wintertourismus in der Schweiz verschwunden sein, die Berggebiete weitgehend verödet. Zu diesem Schluss kommt laut dem "SonntagsBlick" eine Analyse der Denkfabrik Avenir Suisse im Auftrag von Schweiz Tourismus. Als Gründe werden dabei der Klimawandel, die Digitalisierung und die Überalterung der Gesellschaft genannt. Der Studie zufolge ist es in einem weiteren Szenario zwar möglich, dass der Wintertourismus in den nächsten 20 bis 30 Jahren ein Comeback feiert. Realistischer sind gemäss Tourismus-Experten allerdings Prognosen, wonach es zu einem Nachfragekollaps kommt und die Tourismus-Infrastruktur in den Bergen erodiert. Jürg Stettler, Leiter des Instituts für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern, sagte der Zeitung: "Die negativen Faktoren überwiegen ganz klar." Er rechnet mit einer Negativspirale, an deren Ende Skifahren als Breitensport verschwindet. Er plädiert deshalb für ein radikales Umdenken und die Förderung des Bergtourismus im Sommer.

"SonntagsZeitung":

Nur wenige Monate nach dem Aus der Berner Regionalfluggesellschaft SkyWork ist die nächste Schweizer Airline pleite. PrivatAir, eine Anbieterin von Business-Charterflügen, hat in Deutschland und der Schweiz Insolvenz angemeldet, wie die "SonntagsZeitung" berichtet. Bereits im Oktober hatte ein Genfer Gericht den amtlichen Konkurs über die Fluglinie angeordnet. Damals hatte es geheissen, das sei ein Irrtum. In der Folge verlor PrivatAir allerdings auch die Lizenz in Deutschland. Die Reihe von Ereignissen habe "bedeutende Auswirkungen auf den künftigen Businessplan und die Überlebensfähigkeit" gehabt, teilte PrivatAir Anfang Dezember mit. Man habe keine andere Wahl als die Insolvenz gehabt. PrivatAir mit Sitz in Genf besass acht Flugzeuge. Das Unternehmen wurde 1977 als Firmenflugbereich der Unternehmensgruppe der Familie Latsis unter dem Namen "Petrolair" gegründet und beschäftigte nach eigenen Angaben 400 Mitarbeitende. Die Airline gehört der privaten Investmentgesellschaft Silver Arrow Capital. Deren Besitzer Thomas Limberger, ehemaliger Chef von OC Oerlikon und von Roll, hatte mit dem Kauf 2016 vorgehabt, die Fluggesellschaft zu sanieren und aus den roten Zahlen zu holen. PrivatAir hatte vor einem Jahr Interesse an der Übernahme der insolventen Air-Berlin-Tochter Niki.

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