Ferrum, lateinisch, steht für das Element Eisen, Grundlage der Metallindustrie. Beispielsweise werden aus Eisenlegierungen Komponenten gegossen, bearbeitet und verbaut. Die Firma Ferrum mit Sitz im aargauischen Rupperswil und Hauptwerk im benachbarten Schafisheim macht all dies und noch vieles mehr. Nur wissen das die wenigsten, die täglich auf der A1 an der blauen Leuchtreklame der Ferrum-Fabrikhalle vorbeifahren. Dabei ist die Firmenwebsite das Top-Suchergebnis auf google.ch, noch vor dem Wikipedia-Eintrag über Eisen.

Die Ferrum AG ist ein kleiner Mischkonzern in Familienbesitz mit über 400 Angestellten. Der Umsatz, der 2007 erstmals die 100-Millionen-Grenze knackte, verteilt sich auf vier Geschäftsbereiche mit ganz unterschiedlicher Kundschaft in internationalen Märkten.

Salzgewinnung und Autowäsche

Die Sparte Konserventechnik fertigt Dosenverschliessmaschinen für die Lebensmittelbranche («Eingemachtes» und Getränke). Ferrum ist hierin die weltweite Nummer 1. Die Giesserei stellt Zigtausende verschiedene Formen her; ein Teil davon wird in der hauseigenen Produktionsabteilung weiterbearbeitet und zum Beispiel in Bahnfahrwerke, Turboladerräder oder Druckwalzen eingebaut.

Oder in Zentrifugen, dem dritten Ferrum-Geschäftsbereich, die etwa in der Pharma- und Chemiebranche zum Einsatz kommen. Auch die Rheinsalinen bei Möhlin wenden Ferrum-Zentrifugen an. Diese entwässern pro Zentrifuge bis zu 25Tonnen Salz pro Stunde, das unter anderem die winterlichen Strassen sicher machen soll. Passend: Auch Waschanlagen für Autos und Lastwagen (und Textilien in Hotels, Spitälern und dergleichen) sind made in Rupperswil, wobei Ferrum als Importeur und Ausrüster von der Konzeptstudie über die Budgetierung bis zur Bauleitung alles macht. Diese Firmenstruktur ist organisch gewachsen (siehe Firmengeschichte).

Der Präsident des Verwaltungsrats und Vertreter der Eigentümerfamilie Peter J. Kienast bezeichnete 2007 in der Ferrum-Mitarbeiterzeitschrift zum 90-Jahr-Jubiläum die «Diversifikation als erfolgreiche Kernstrategie» zur Risikominimierung. Das war noch vor der Finanz-, der Wirtschafts- und der Währungskrise. Doch auch heute sagt Kienast: «Die verschiedenen Standbeine sichern unsere Unabhängigkeit.»

2500 Dosenverschlüsse pro Minute

Letzten Herbst ist mit Thomas Boltshauser (48) der erst sechste Geschäftsleiter in der Ferrum-Geschichte an der Industriestrasse 11 in Schafisheim eingezogen. Wie führt man ein mittelständisches Unternehmen mit dermassen eigenständigen Einheiten? «Indem man den Kunden Spitzenleistungen bietet, sich dem globalen Wettbewerb stellt und sich durch Innovation ständig verbessert», antwortet der ETH-Physiker und HSG-Betriebswirt.

Boltshauser legt den Fokus auf Gemeinsamkeiten. Erstens konzentriere sich die Ferrum AG angesichts der hohen Exportquote von über zwei Dritteln des Gesamtumsatzes, namentlich in der Konserven- und Zentrifugentechnik und hauptsächlich für Europa und Asien, auf «anspruchsvolle Segmente». In der Konserventechnik will man sich mit Hochleistungsmaschinen mit bis zu 2500 verschlossenen Dosen pro Minute von der Konkurrenz abheben.

Zweitens hat der neue Chef ein Pilotprojekt für kürzere Durchlaufzeiten initiiert, das er später spartenübergreifend einführen will. Drittens könne man bei der Beschaffung verschiedener Komponenten beim gleichen Lieferanten von Volumeneffekten profitieren. Gute Einkaufskonditionen und tiefe Lagerbestände seien angesichts der rasanten Euro-Talfahrt überlebenswichtig geworden, wenn möglich im Euro-Raum.

Wie stark sich der Wertzerfall der westlichen Leitwährung auf den Geschäftsverlauf auswirken wird, können die Ferrum-Verantwortlichen noch nicht sagen. Sicher ist: Das Spitzenresultat von 2008 wird wie schon 2009 nicht getoppt. Das Jahr 2010 war durch Kurzarbeit und einen Umsatzrückgang geprägt.

Insgesamt ist Boltshauser mit Blick auf den hohen Auftragsbestand aber optimistisch. Der Aludose sagt der neue CEO eine rosige Zukunft
voraus – trotz PET-Flaschen-Boom: «Dosen verschliessen dicht, garantieren eine exzellente Geschmacksneutralität und transportieren das erfrischende Gefühl eines kühlen Getränks nach aussen», schwärmt der CEO. Und Bier im Kunststoffgebinde? Eigentlich undenkbar.