Wirtschaft

Mit Ermotti und Weber: Ist die UBS übervorsichtig geworden?

Der UBS-CEO Sergio Ermotti mit Verwaltungsratspräsidenten Axel Weber (rechts).

Der UBS-CEO Sergio Ermotti mit Verwaltungsratspräsidenten Axel Weber (rechts).

UBS-Chef Sergio Ermotti und Präsident Axel Weber stehen seit bald sechs Jahren an der Spitze der Grossbank. Sie ist solider geworden, verpasst aber auch Chancen.

Die UBS sucht einen «Cheese Production Assistant (m/w, 100%)». So steht es prominent auf der Internetseite der Grossbank. Die Stellenanzeige ist kein Witz, aber ein PR-Gag, der in Zusammenarbeit mit Schweiz Tourismus entstand: Die Bank sucht Helfer für die Käseproduktion in einem Alpbetrieb. Ein Witz dagegen ist die Titelgeschichte der «Weltwoche», die Sergio Ermotti, den Chef der UBS, als idealen Kandidaten für den freiwerdenden Sitz im Bundesrat sieht.

Der Tessiner sah sich genötigt, über seine Pressesprecher ausrichten zu lassen, dass er «überrascht» über den Bericht sei, da er sich bereits früher zu ähnlich «unrealistischen Spekulationen» geäussert habe. «Ich bin kein Politiker.» Die gereizte Reaktion von Ermotti ist verständlich. Für einen Banker von Weltformat, wie er unzweifelhaft einer ist, dürfte die Perspektive auf eine Bundesratskarriere etwa so prickelnd sein wie für einen Rockstar eine Tournee mit einem gemischten Gesangsverein.

Die «unnötigen Spekulationen kommen zur Unzeit», sagt ein sichtlich nervöser UBS-Manager. Die Bank wird nächste Woche ihre Zahlen für das zweite Quartal veröffentlichen. Nachdem die grossen US-Banken ihre Ergebnisse in den letzten Tagen vorgelegt haben, sind nun alle Augen auf die UBS und Credit Suisse gerichtet, die beide am Freitag rapportieren werden. Von den Banken erwarten Beobachter Gewinnsteigerungen.

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CS-Chef Thiam ist aggressiver und hat Erfolg damit

Und dennoch scheint bei der UBS Sand im Getriebe zu sein. «Sie wächst in der Paradedisziplin Wealth Management etwas langsamer als ihre Konkurrentin», urteilt der Bankenspezialist Andreas Venditti von der Zürcher Privatbank Vontobel. In einem grossen Report hat er verschiedene Banken verglichen und kommt zum Schluss, dass die Credit Suisse grössere Risiken eingeht, damit mehr Neugeld anzieht und unter dem Strich bessere Margen erzielt als die UBS.

«Die CS fährt einen aggressiveren Kurs und hat damit bisher Erfolg», sagt Venditti. Die Bank gibt ihren Kunden margenträchtige Kredite, damit diese mehr Geld an den Börsen investieren können. Die UBS dagegen scheint in ihrer Kreditvergabe vorsichtiger und erzielte in den letzten Quartalen ein geringeres Neugeldwachstum.

«Während die CS die aggressivere Strategie fährt, stellt sich auch die Frage, ob die UBS nicht zu vorsichtig ist.» Bankenanalyst Venditti ist nicht der einzige, dem die verhaltene Gangart der UBS auffällt. Wer sich am Paradeplatz umhört, kommt fast überall das Gleiche zu hören: Die Bank mit Ermotti und Präsident Axel Weber an der Spitze hat an Zugkraft verloren. Die Bank ist zwar grundsolide und erwirtschaftet ihre Kapitalkosten, erzielt ordentliche Gewinne und ist an der Börse gut bewertet (13 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, nur 3 zum Verkauf).

Im Grunde gibt es also kaum etwas auszusetzen – und doch ist nicht zu übersehen, dass es der Bank ganz offensichtlich an Zukunftsglaube und an der nötigen Entschlossenheit fehlt. Besonders Präsident Axel Weber, ein Intellektueller und ehemaliger Notenbanker, gilt als besonders zögerlich und überaus vorsichtig.

Verpasst die UBS Chancen? Klar ist, dass diejenigen Banken, die in den letzten zwei Jahren einen aggressiveren Kurs gefahren sind, ein gutes Geschäft gemacht haben. Neben der Credit Suisse sind das insbesondere die grossen amerikanischen Banken. Morgan Stanley, Bank of America und JP Morgan Chase konnten in den letzten Jahren ihre Geschäfte massiv ausbauen, was sich zum Teil auch im deutlich gestiegenen Aktienkurs widerspiegelt. Die UBS dagegen, obwohl sie seit 2011 keinen Megaskandal mehr zu verdauen hatte, kommt im Vergleich zu den grossen US-Konkurrenten einfach nicht auf Touren (siehe Grafik).

Geht die Entwicklung so weiter, werden die mächtigen US-Banken schon bald die UBS vom Thron der grössten Vermögensverwalterin der Welt stossen. Bank of America und Morgan Stanley sind der UBS bereits hartnäckig auf den Fersen. Die beiden genannten Institute sind vor allem in den USA gross, doch sie holen auch international auf. Die UBS wird sich womöglich bald nur noch damit trösten können, dass sie bei den Ultrareichen nach wie vor klar an der Spitze ist oder in gewissen Regionen, vor allem in Asien.

Die Strategie der Bank ist immer noch dieselbe wie vor bald sechs Jahren, als Ermotti überraschend zum CEO gewählt wurde. Im September 2011 nach dem riesigen Handelsverlust in London reagierte Ermotti schnell und gab die Marschrichtung vor: Weg vom Investmentbanking, hin zur Vermögensverwaltung. Damit kam er im Verwaltungsrat an, und damit wurde er kurz nach dem Rücktritt von Oswald Grübel neuer Konzernchef der Grossbank. Zwei Monate später präsentierte er in New York bereits die neue Strategie, mit dem Hauptpfeiler Vermögensverwaltung und einer zurechtgestutzten Investmentbank. Die Börse jubelte. Die Nationalbank, der Bundesrat waren happy. Seither hat sich nichts geändert.

Seit sechs Jahren fährt die UBS die gleiche Strategie

Die Bank selbst sieht keinen Anlass, die Strategie zu schärfen oder gar zu ändern: «Wer meint, die Bank brauche eine neue Strategie, hat entweder wenig Verständnis vom Geschäft oder wünscht sich, dass die UBS weniger stark wäre», sagt Sprecher Mark Hengel. «Wir arbeiten laufend daran, besser zu werden, aber wenn das Business- Modell offensichtlich funktioniert, dann ändert man die Strategie nicht.»

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