Bellach, eine klassische Industriegemeinde am Jurasüdfuss, zwischen Solothurn und Grenchen gelegen. Hier, im Einzugsgebiet grosser Uhrmacher wie ETA, hat der Werkzeugbauer Fraisa seinen Hauptsitz. Ein KMU, stellvertretend für so viele exportorientierte Betriebe im Land, die sich in den letzten Monaten mit einer starken Frankenaufwertung zum Euro konfrontiert sahen. «Im März hatten wir noch einen Durchschnittskurs von 1.47 für das laufende Geschäftsjahr 2010 budgetiert», sagt Josef Maushart. Nun muss der Fraisa-Chef mit 1.32 rechnen. Eine Währungseinbusse von über zehn Prozent.

Und dies bei einem Unternehmen, dessen Umsatz zu gut zwei Dritteln aus dem Euroraum stammt. Allerdings ist die Aussage zu relativieren. So beschäftigt der Spezialist für Fräswerkzeuge die Hälfte seiner 440 Angestellten im Ausland, allen voran in Deutschland, Ungarn und in den USA.

Gleichzeitig profitiert die hiesige Produktion bei der Beschaffung von Hartmetall und anderen Rohstoffen vom harten Franken: «In den letzten eineinhalb Jahren haben wir vier bis fünf Millionen Franken an Einkaufsvolumen in den Euroraum verlagert», erklärt Maushart. Dies zulasten der einheimischen Zulieferbetriebe.

Der Aufwertungsdruck lässt keinen Platz für Lokalpatriotismus. Denn trotz Produktion und Beschaffung im benachbarten Ausland resultiert für Fraisa - Ausgaben und Einnahmen verrechnet - ein Überschuss von einer Million Euro pro Monat. Geld, das eigentlich den Launen der Devisenmärkte ausgesetzt wäre.

Panik ist völlig fehl am Platz

Dennoch wirkt der gebürtige Bayer Maushart im Gespräch erstaunlich entspannt: Panik sei völlig fehl am Platz. Schliesslich brummt das Geschäft mit Präzisionswerkzeugen, fast wie vor der Krise. So wird im Geschäftsjahr 2010 der Absatz in Stückzahlen um 22 Prozent steigen. Fraisa will deshalb pro Monat ein bis zwei neue Stellen schaffen, «weil wir die anziehende Nachfrage schlicht nicht mehr bewältigen können.» Dies, nachdem das KMU in der Krise 160 Jobs abbauen musste.

Die Bellacher liefern ihre «Zerspanungswerkzeuge» wie Fräser und Bohrer «just in time»: «12 000 Artikel ab Lager.» Da bleibt wenig Spielraum. Heute bestellt, morgen schon bei den Kunden. Und dazu gehören gehobene Uhrmacher wie Rolex oder IWC ebenso dazu wie der europäische Luftfahrtriese EADS, der Basler Medizinaltechniker Straumann oder die deutsche Autoindustrie. Der Boom ist also breit abgestützt.

Für Maushart ist klar: «Solange unsere Fabriken ausgelastet sind, können wir die Währungsturbulenzen sehr gut kompensieren.» Deshalb hält der Fraisa-Chef auch nichts vom politischen Aktionismus, der nun in Bundesbern um sich greift: «Die Frankenstärke muss jedes Unternehmen für sich lösen.»

Der studierte Maschinenbauer setzt dabei auf ein Bündel von Massnahmen, um den Aufwertungsdruck für den Betrieb abzufedern. Neben der erwähnten Beschaffung im Euroraum sieht Maushart in der Währungsabsicherung den Königsweg für KMU. So lässt sich Fraisa ihren Euro-Überschuss auf 12 bis 15 Monate hinaus vollständig von den Banken absichern: «Mit 1.33 ist der Wechselkurs fürs nächste Geschäftsjahr, das im März beginnt, bereits fixiert», erklärt Maushart. Das ist für den Bellacher Werkzeugbauer zwar nicht gratis. Doch aufgrund historisch tiefer Zinsdifferenzen zwischen Euro und Franken fallen die Kosten für solche Devisen-Termingeschäfte mit 0,6 bis 1 Prozent der versicherten Summe kaum ins Gewicht.

Würden doch ohne Absicherung zweistellige Währungsverluste resultieren. «Mit der rollenden Devisenabsicherung verschaffen wir uns Luft», so der Fraisa-Chef. Nicht der Aufwertungsdruck an sich ist für exportorientierte KMU wie Fraisa das Problem, sondern die Rasanz des Anstiegs und die Unsicherheiten in der Budgetplanung.

Diese Visibilität braucht das Unternehmen, um dem Aufwertungsdruck mit längerfristigen Massnahmen begegnen zu können. Ob Automation, Rationalisierung oder Outsourcing - gegenwärtig laufen siebzehn interne Programme zur «Steigerung der innerbetrieblichen Effizienz», welche den Werkzeugbauer fit für die Zukunft trimmen sollen.

Auf dass die Wettbewerbsfähigkeit trotz Frankenstärke am Hauptsitz gewährleistet bleibt. Denn von einer generellen Produktionsverlagerung in den günstigeren Euro-Raum will Maushart nichts wissen: «Unser Herz schlägt in Bellach.»