Beispiel Georg Fischer

Mit 44 Arbeitsstunden pro Woche gegen den starken Franken

Voll im Trend: Automatische Fertigungszellen wie diese im Schaffhauser Werk von GF Piping Systems. Gaetan Bally/Keystone

Voll im Trend: Automatische Fertigungszellen wie diese im Schaffhauser Werk von GF Piping Systems. Gaetan Bally/Keystone

Der Grosskonzern Georg Fischer zeigt, was die Industrie gegen den Währungsschock unternehmen kann: 44 Stunden pro Woche arbeiten. Doch das funktioniert nur, wenn die hergestellten Produkte auch gefragt sind.

Die Antwort des Schaffhauser Industriekonzerns Georg Fischer auf den Frankenschock lautet: 44. Das sind die wöchentlichen Arbeitsstunden, die die Mitarbeiter in den Schweizer Werken fortan leisten müssen. Erhöht wurde die Arbeitszeit als direkte Konsequenz der dramatischen Aufwertung des Frankens Mitte Januar.

Bekannt gegeben hatte das der Konzern vor rund zwei Wochen. Auf der Bilanzmedienkonferenz gestern in Zürich hob CEO Yves Serra die Flexibilität als wichtiges Mittel zur Abfederung des Frankenschocks hervor. So habe die Konzernleitung innert kurzer Zeit auf die neue Situation reagieren können.

Die Bruttowertschöpfung von Georg Fischer entsteht zu 30 Prozent in der Schweiz. Der Konzern produziert Rohrleitungen für Flüssigkeiten und Gase, liefert Teile für die Automobilindustrie und stellt automatisierte Fertigungssysteme her. Hierzulande werden knapp 20 Prozent der 14 000 Mitarbeiter beschäftigt. Der Umsatz entsteht zum grössten Teil ausserhalb der Schweiz — in Europa, Asien und Amerika.

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Weniger abhängig von Europa

Dass der Industrieriese nun sehr gute Zahlen für das Geschäftsjahr 2014 präsentierte und trotz Frankenstärke optimistisch ins Jahr 2015 blickt, hat freilich nicht nur mit der Flexibilität der Mitarbeiter zu tun. Im Vergleich zum letzten Frankenhoch im Jahr 2011 sei man heute in einer anderen Situation, sagte Serra. So wurde die Abhängigkeit von den europäischen Märkten kontinuierlich gesenkt — im letzten Jahr von 61 auf 59 Prozent des Gesamtumsatzes. Für 2015 gibt Serra eine weitere Reduzierung des Europageschäfts auf 50 bis 55 Prozent als Ziel aus. Investiert wird zwar noch in Europa — «nur nicht in Kapazität, sondern in Effizienz», so Serra.

Stattdessen verstärkt Georg Fischer das Engagement in Asien und in den USA. «Dort lassen sich die grösseren Margen erzielen», sagt der Konzernchef. In China wurde jüngst eine Eisengiesserei ausgebaut und eine Leichtmetall-Produktionsanlage fertiggestellt — und das Produktionsvolumen im Land so um 50 Prozent gesteigert.

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Das Einsparen von Kosten und das Steigern der Effizienz sind so etwas wie die kleinsten gemeinsamen Nenner für die Schweizer Industrie, wenn es darum geht, den Frankenschock zu verkraften. Auch die Abnabelung von Europa zugunsten der aufstrebenden Märkte in Asien und den wiedererstarkten USA liegt im Trend. Serra sieht sein Unternehmen durch die Massnahmen inzwischen so gut aufgestellt, dass der Frankenschock «in zwei, drei oder vier Jahren» kompensiert werden kann.

Nur die halbe Miete

Doch das alles funktioniert nur dann, wenn die hergestellten Produkte auch gefragt sind. Serra setzt voll darauf, den Kunden «alles aus einer Hand» zu liefern. Hierzu kauft der Konzern gezielt Firmen auf. In zwei Bereichen wird das besonders deutlich.

Georg Fischer designt und liefert Aluminiumteile an deutsche Hersteller von Premium-Fahrzeugen. Um diese Teile herstellen zu können, werden Gussformen benötigt. Seit der Übernahme des deutschen Formenbauers Meco Eckel im vergangenen Jahr produziert der Schweizer Konzern diese Gussformen selbst. Ein grosser Vorteil für Georg Fischer, sagt CEO Serra, denn so sei man bereits sehr früh in den Prozess eingebunden.

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Das zweite Beispiel betrifft den Bereich der Automatisierung von Produktionsanlagen. Georg Fischer hat sich bereits vor längerer Zeit die schwedische Firma system 3R sowie die beiden Schweizer Unternehmen Mikron und AgieCharmilles einverleibt. Jetzt produzieren sie unter dem Dach der Division GF Machining Solutions komplette, automatisierte Fertigungsstrassen. Und diese sind heute gefragter denn je. Serra konstatiert: «Wir sind die einzige Firma, die alles aus einer Hand liefern kann.» Für den Schweizer Konzern sei das ein grosser Vorteil gegenüber der Konkurrenz, die einzelne Komponenten zukaufen muss und so keine integrierten Lösungen anbieten kann.

Stolpersteine warten in 2015

Trotz der eingeleiteten Massnahmen dürften im laufenden Jahr einige Schwierigkeiten auf Industriekonzerne wie Georg Fischer zukommen. Das weiss auch CFO Roland Abt: «Im vergangenen Jahr waren die Währungseffekte minimal», sagte er gestern in Zürich. Sie hätten nur 57 Millionen vom Umsatz gekostet. «Das wird in diesem Jahr ganz anders aussehen.»

CEO Serra brachte das gestern jedoch nicht aus der Ruhe. «Es wäre falsch, jetzt zu schimpfen», sagte er mit Blick auf die Herausforderungen durch den starken Franken. Dieser habe nämlich auch eine positive Seite: «Der harte Franken hat die Schweizer Wirtschaft stets fit gehalten.»

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