Die Credit Suisse (CS) machts geschickter als die UBS: Die Vergütung ihres Chefs Brady Dougan liegt knapp unter der psychologischen Schamgrenze von zehn Millionen Franken. Doch der Anstieg um rund zwei Millionen Franken gegenüber dem Vorjahr ist happig. Zumal die CS im vergangenen Jahr eine Busse von 800 Millionen Franken für Altlasten aus der Finanzkrise verbuchen musste. Die Zahlung betraf Geschäfte des Investmentbankings. Zwischen 2004 und 2007 war Brady Dougan deren Chef.

Letztlich zeigt dieses Beispiel: Zwar publizieren die Vergütungsausschüsse seitenlange Zahlenreihen, um ihre Beschlüsse zu plausibilisieren. Doch trotz verbesserter Transparenz ist die Entschädigungspolitik schwer nachvollziehbar. Die CS begründet Dougans Lohn mit dem gestiegenen Vorsteuergewinn, der Stärkung des Eigenkapitals und Kostensenkungsmassnahmen. Obwohl Bussenzahlungen und Rückstellungen für den US-Steuerstreit zu einem Verlust von 476 Millionen Franken im vierten Quartal 2013 führten, hatte dies offenbar keinen Einfluss auf die Vergütung.

Firmen tricksen noch immer

Bei den Bankern kommen nur Top-Manager der UBS auf ein zweistelliges Millionen-Gehalt. Die Lohn-Liste wird angeführt von den zwei Chefs der Basler Pharmariesen. Spitze war deren Vergütung bereits in den Nullerjahren, als Daniel Vasella – damals noch Präsident des Verwaltungsrats (VR) und CEO – jährlich bis zu 40 Millionen Franken kassierte. Vasella wies seine Entschädigung lange nicht zum effektiven Marktwert aus. Diesen Wert galt es auszurechnen. Die Informationen dazu fanden sich im Kleingedruckten. Novartis hat dieses Spielchen beendet; Roche und andere Firmen wie Nestlé und Lindt & Sprüngli spielen es weiter. «Dafür habe ich keinerlei Verständnis», sagt der Experte für gute Geschäftsführung, Gregor Greber von der Beteiligungsfirma zCapital.

Wie viel die Grossbankenchefs verdienten, blieb bis 2007 geheim. Das Salär des CEO musste damals noch nicht einzeln ausgewiesen werden. Sie dürfen 2006 mehr als 20 Millionen Franken kassiert haben. Solche Gehälter gehören der Vergangenheit an. Dennoch sagt Dominique Biedermann, Direktor der Anlagestiftung Ethos: «Grundsätzlich bleiben die Gehälter von Konzernleitungsmitgliedern und Verwaltungsräten in der Schweiz im internationalen Vergleich hoch.» Dies gelte vor allem auch für kleinere Firmen wie zum Beispiel Lindt & Sprüngli oder Barry Callebaut.

Zwar ist unbestritten, dass Ernst Tanner, VR-Präsident und CEO von Lindt & Sprüngli, ein ertragreiches Unternehmen führt. Aber sein Lohn entspricht 2,8 Prozent des Reingewinns des Schoggiherstellers. Barry-Callebaut-Chef Jürgen Steinemann und Boris Collardi, CEO der Privatbank Julius Bär, kommen auf rund drei Prozent. Das sind stolze Werte. Die Vergütung von Roche-Chef Schwan entspricht gut einem Promille des Gewinns. Das Unternehmen ist auch entsprechend grösser und komplexer.

Ein klarer Trend bei der Lohnentwicklung ist nicht erkennbar. So kam eine Studie der auf Vergütungsfragen spezialisierten Berater von Hostettler Kramarsch Partner zum Schluss, dass die durchschnittliche Vergütung der CEOs der 20 grössten Schweizer Unternehmen um sechs Prozent gefallen ist. Bei kleineren, kotierten SPI-Unternehmen ist es genau umgekehrt: Die Cheflöhne sind um sechs Prozent gestiegen.

Spirale nach oben gestoppt

Immerhin stellt Greber von zCapital fest: «Die Minder-Initiative wirkt sich effektiv auch auf die Höhe der Vergütungen aus. Mit wenigen Ausnahmen konnte die Spirale nach oben gestoppt werden.» So verzichtete der Chef des Chemiekonzerns Clariant, Hariolf Kottmann, auf die Auszahlung von 1,5 Millionen Franken. Dabei handelte es sich um die zweite Tranche eines Integrationsbonus, der 2013 angeprangert worden ist. Schoggi-Chef Tanner lässt sich nur mehr höchstens 50 und nicht mehr wie bisher 100 Aktien zuteilen.

Rolf Dörigs Honorar als VR-Präsident von Swiss Life sinkt um 240 000 Franken. Und die Saläre der Bankenchefs erhalten einen – hohen – Deckel. Auch Aktionärsschützer Biedermann sagt: «Die Minder-Initiative wird einen Effekt erzielen. Bis sie sich aber auf die Höhe der Gehälter auswirkt, benötigt es Geduld. Das dauert zwei Jahre.» Denn jetzt stimmen die Aktionäre erst über Statutenänderungen ab, welche nötig sind, um die Verordnung zur Initiative umzusetzen. Erst 2015 können die Aktionäre bindend über die Vergütungen abstimmen.

Erstaunlich ist: Zwar sinken auch die Honorare der VR-Präsidenten und -mitglieder tendenziell. Im Vergleich mit englischen oder US-amerikanischen Firmen bleiben sie weiterhin sehr hoch. Ein Beispiel: Christopher Gent, Präsident des britischen Pharmakonzerns GlaxoSmithKline, erhält eine Million Franken. Die neuen Präsidenten von Novartis und Roche, Jörg Reinhardt und Christoph Franz, je rund vier. Daher sagt Biedermann von Ethos: «Ich finde keine plausible Erklärung dafür, wieso Schweizer Firmen ihren Verwaltungsräten so hohe Vergütungen zahlen.» Klar ist für ihn nur, dass Ethos weiterhin keine «Fantasiehonorare» akzeptieren werde. Auf Aktionärsschützer wie ihn wartet also noch viel Arbeit.