Rio Tinto und BHP Billiton hatten geplant, ihre Eisenerzgeschäfte in der westaustralischen Region Pilbara zusammenzulegen. Wettbewerbshüter in der ganzen Welt waren in den Fall eingeschaltet worden.

Aus Sicht der europäischen Stahlbranche hätte das Zusammengehen den ohnehin schon geringen Wettbewerb auf dem Eisenerzmarkt weiter beschränkt. Ablehnende Entscheidungen hatte es auch von den Kartellbehörden in Südkorea und Japan gegeben. Eisenerz wird zur Stahlherstellung benutzt und vor allem in der Autoindustrie und am Bau verwendet.

Rio Tinto weniger unter Druck

Rio Tinto und BHP Billiton bedauerten die Entscheidung gegen das Joint-Venture. Die Konzerne hatten geplant, durch eine gemeinsame Nutzung von Eisenbahnen und Hafenanlagen Kosten zu sparen. In Pilbara befinden sich einige der grössten Eisenerzminen der Welt.

Geplant waren Einsparungen von 10 Mrd. Dollar pro Jahr. Das Gemeinschaftsunternehmen wäre mit einem gemeinsamen Wert von fast 120 Mrd. Dollar die grösste Fusion der australischen Wirtschaftsgeschichte gewesen.

Der Verzicht darauf zeigt auch, dass die Kassenlage von Rio Tinto inzwischen deutlich besser ist als zum Zeitpunkt der Vereinbarung im vergangenen Jahr. Damals stemmten die Australier gerade die Übernahme des hoch verschuldeten kanadischen Konkurrenten Alcan und versuchten mit Hochdruck, ihre Kosten unter Kontrolle zu bekommen. Ausserdem hatte sich bei Rio Tinto die Ansicht durchgesetzt, dass BHP Billiton wohl stärker von dem Deal profitiert hätte.

BHP plant weitere Grossübernahme

Die Stahlabnehmer waren gegen die Pläne Sturm gelaufen, da sie einen weiteren Anstieg der Rohstoffpreise fürchteten. Bereits heute beherrschen BHP und Rio Tinto zusammen mit der brasilianischen Vale etwa zwei Drittel des Marktes.

Zusammen entfielen auf die drei im vergangenen Jahr 35 Prozent der gesamten Eisenerzförderung und 61 Prozent des Überseehandels mit dem Rohstoff, wie die Welthandelskonferenz UNCTAD ermittelte.

Rio Tinto ist die Nummer zwei unter den Eisenerz-Lieferanten, BHP Billiton ist der weltweit gewichtigste Minenkonzern. Mit knapp 53 Mrd. Dollar verbuchte BHP Billiton im Geschäftsjahr 2009/2010 den grössten Umsatz unter den drei Eisenerzgiganten und strebt derzeit eine Übernahme des kanadischen Düngemittelriesen Potash an.