In seinen beruflichen Anfängen war Michael Pieper selber Banker. In seiner späteren Karriere kritisierte der Industrielle, dem etwa der Küchenbauer Franke gehört, die Finanzindustrie aber wiederholt sehr hart. Diesen Gegensatz erklärte er in einem Interview einmal damit, er habe damals als Kundenberater noch im klassischen Segment der Banken gearbeitet: in der Versorgung von Industrieunternehmen mit Krediten. „Doch in den letzten Jahrzehnten haben sich die Banken mehr der Spekulation zugewendet.“

Kürzlich hat der heute 72-Jährige, dessen Vermögen auf rund 3,5 Milliarden geschätzt wird, zusammen mit zwei Mitinvestoren die Kontrolle über eine Bank übernommen. Zusammen mit seinen Geschäftspartnern gehört Pieper nun die Mehrheit an der Berenberg Bank Schweiz. Diese wird vom deutschen Mutterunternehmen losgelöst und künftig den Namen „Bank Bergos Berenberg“ tragen. Die neue Bank wird sich stärker auf den Schweizer Markt fokussieren. Kunden sollen vor allem Unternehmer und Familien sein.

Auf Anfrage erklärt Pieper schriftlich, warum er sich bei der Bank Berenberg einkaufte. „Es besteht eine jahrzehntelange persönliche Beziehung zum Bankhaus Berenberg. Ich war rund 25 Jahre dort Verwaltungsrat und kannte die Berenberg Bank Schweiz AG sehr gut.“ Die Bank habe sich seit Gründung erfolgreich entwickelt und verfüge über „weiteres grosses Entwicklungspotenzial“.

Risiko Bank

Dieses Potenzial soll die neue Bank Bergos Berenberg indessen auf eigene Faust heben. Synergien zwischen der Bank und Piepers vielen industriellen Beteiligungen werden gar nicht erst gesucht. „Es handelt sich um eine rein private Investition“, betont Pieper. Seinen Anteil werde er entsprechend nicht über die Familienholding Artemis halten. Pieper: „Die Beteiligung an Bergos Berenberg wird separat laufen.“ Zu Piepers industriellen Beteiligungen zählen etwa die Feintool Gruppe, Arbonia, Forbo oder Autoneum.

In mancher Bank schlummert bekanntlich das eine oder andere Risiko, oftmals auch für die Reputation. Pieper wird jedoch nicht bange. „Wie bei jeder Investition gibt es Risiken, aber auch Chancen. Für mich überwiegen bei dieser Beteiligung die Chancen.“ Dabei dürfte für Pieper entscheidend gewesen sein, dass er die Bank gut kennt . Der Industrielle ist bekannt dafür, nur in Unternehmen zu investieren, mit denen er auf irgendeine Weise schon über viele Jahre verbunden ist.