Detailhandel

Migros startet neuen Food-Lieferdienst und stösst damit auf Kritik

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In Genf testet der Händler mit «Smood» einen neuen Food-Lieferdienst – das schmeckt den Gewerkschaften nicht.

Den Lebensmitteleinkauf online erledigen, das ist bei der Migros schon länger möglich. Seit 2006 gehört die Plattform Leshop zum Portfolio der Detailhändlerin. Darauf können die Kunden ihr Mineralwasser, ihr Brot und ihre Weinflaschen bestellen und nach Hause liefern lassen.

Doch nun geht die Migros Genossenschaft Genf einen neuen Weg. Sie ist vor kurzem eine Kooperation mit dem Genfer Food-Lieferdienst Smood eingegangen – einem Konkurrenten zum US-Anbieter Uber, der mit seinem Angebot «Uber Eats» ebenfalls Mahlzeiten ausliefert. Smood arbeitete bisher mit Restaurants zusammen und ist seit zwei Jahren auch in Zürich unterwegs. Der Essenskurier zählt rund 400 Angestellte.

Doch weshalb setzt die Migros auf Smood, wenn sie doch schon Leshop.ch hat? Und in Bern testet die Migros ein ähnliches Konzept namens Miacar. Philippe Echenard, Chef der Migros Genf, sagt zu CH Media: «Mit Smood ist der Einkauf noch schneller möglich als bei Leshop und Miacar. Innerhalb von maximal einer Stunde haben die Kunden ihre Ware zu Hause.» Diese Flexibilität werde von den Kunden zunehmend gewünscht. Die Lieferpauschale beträgt mindestens 4.85 Franken, das Sortiment umfasst 5000 Artikel. Bei Leshop erfolgt die Lieferung frühestens am Tag nach der Bestellung und kostet mindestens 2.90 Franken.

Brisante Zusammenarbeit

Die Smood-Kooperation ist durchaus brisant. Denn erst letzte Woche gab die Migros bekannt, ihr Projekt «Amigos» einzustampfen. Damit ermöglichte es die Migros, dass Privatpersonen für Fremde den Einkauf erledigen und dabei etwas dazu verdienen. Shopping nach dem Uber-Modell quasi. Wie die Amerikaner sah sich auch die Migros nicht als Arbeitgeberin – was ihr Kritik einbrachte (siehe Box).

Und in Genf will der Kanton den Marktführer Uber gar verbieten. Der Vorwurf lautet auch hier: Scheinselbstständigkeit. Der Rekurs ist hängig. Migros-Genf-Chef Echenard verteidigt im Gespräch die Partnerschaft mit Smood. Sie sei anders. Es handle sich im Gegensatz zu Uber um eine einheimische Firma, die ihre Mitarbeitenden korrekt anstelle.

Allerdings machte der «Kassensturz» vergangene Woche publik, dass die Kuriere 19 Franken pro Stunde brutto verdienen, sowie für private Auslagen wie das Handy oder das Fahrzeug mehrheitlich selber aufkommen müssen – ohne garantierte Arbeitszeit. Schicht-Arbeitspläne würden meist kurzfristig verschickt. 14 Smood-Fahrer haben bei der Gewerkschaft Syndicom Hilfe gesucht. Die Firma versprach, den kritisierten Punkten nachzugehen und allenfalls zu korrigieren.

Unia-Sprecher Philipp Zimmermann sagt, dass die Smood-Lieferanten zwar arbeitsrechtskonform angestellt seien. «Es ist keine so krasse Missachtung der Regeln wie im Fall von Uber.» Die von der TV-Sendung aufgedeckten Mängel seien aber besorgniserregend und sinnbildlich für die prekären Zustände in der Kurierbranche. Störend sei vor allem, dass sich die Migros als grösste private Arbeitgeberin der Schweiz auf solche Arbeitsmodelle einlasse und damit umstrittene Arbeitsformen fördere. «Die Migros sollte sie die Kuriere gemäss dem Migros-Gesamtarbeitsvertrag anstellen, anstatt auf Subunternehmen auszuweichen, die Dumpinglöhne zahlen.»

Migros-Chef Echenard geht auf die Forderung ein. «Wenn das Projekt Erfolg hat und in weiteren Genossenschaften der Migros zur Anwendung kommt, ist ein Gesamtarbeitsvertrag das Ziel.» Vorerst handle es sich aber noch um ein Pilotprojekt. Die Hauslieferung sei nun mal ein neuer und schnell wachsender Wirtschaftszweig, in dem es noch keinen Gesamtarbeitsvertrag gebe. Einen solchen würde er aber für die Branche begrüssen.

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