Wirtschaft

Migros sorgt für die erste grosse Enttäuschung im Lohnherbst

Wird der Lohnherbst doch noch besser:

Wird der Lohnherbst doch noch besser:

Einer der grössten Arbeitgeber in der Schweiz erhöht die Löhne weit weniger als von den Gewerkschaften erwartet. Der Handelskrieg von US-Präsident Donald Trump hat Folgen.

Die Gewerkschaften starteten forsch in die Lohnverhandlungen. Es sollte für alle 2 Prozent mehr geben. Das forderte der Gewerkschaftsbund noch Anfang September. Einen Monat später folgt die Ernüchterung.

Die Detailhändlerin Migros gab bekannt, ihre Lohnrunde sei abgeschlossen. Die Löhne gehen hoch, aber bloss um 0,5 bis 0,9 Prozent. Nicht alle Mitarbeiter erhalten mehr. Das Geld wird einzeln verteilt, je nach Leistung und Funktion.

Es folgte sogleich Kritik von der Gewerkschaft Unia. Das Resultat sei ungenügend. Es würden nicht einmal die Verluste an Kaufkraft ausgeglichen, welche die Mitarbeiter in den letzten Jahren erlitten hätten. Nun müsse der Schaden begrenzt werden. Das Geld müsse so verteilt werden, dass die schlechter bezahlten Mitarbeiter mit ihren Löhnen wieder gleich viel kaufen könnten wie vor ein paar Jahren.

Erleichterung, dass die Löhne überhaupt steigen

So kritisch sahen den Lohnabschluss aber nicht alle Vertreter der Arbeitnehmer. Im Gegenteil, für den Kaufmännischen Verband ist es bereits ein erfreuliches Signal, dass die Lohnsumme überhaupt erhöht wird. Das Unternehmen habe ein turbulentes Jahr hinter sich. Und die Migros selber sprach von einem vertretbaren Ergebnis. Immerhin sei der Markt gerade «anspruchsvoll».

Damit hatte die Migros die Zustände noch beschönigend beschrieben. Der Detailhandel hat verlorene Jahre hinter sich. Heute ist der Kontrast zur gesamten Wirtschaft gross. Diese kam im Vergleich zu 2009 auf ein Jobwachstum von über 10 Prozent. Der Detailhandel hat rund 6 Prozent der Stellen verloren. Die Verkäufe von Schuhen und Bekleidung liegen um fast ein Viertel tiefer als vor zehn Jahren. Somit ist jeder vierte Umsatz-Franken verschwunden, ein grosser Teil davon ins Ausland. Zalando lässt schön grüssen.

Handkehrum könnten die Nöte des Detailhandels den Arbeitnehmern in den übrigen Branchen neue Hoffnung geben. Im Detailhandel steigen die Löhne zwar weit weniger, als von den Gewerkschaften gefordert. Aber dies könnte bloss die Folge davon sein, dass es im Detailhandel eben besonders «anspruchsvoll» ist.

Die Wirtschaft boomt, aber die Löhne stagnieren

Doch es bleibt bei der Hoffnung, wenn die KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich richtig liegt. Sie rechnet mit einem bescheidenen Lohnwachstum: bloss 0,8 Prozent. Damit bleibt die Schweiz weit hinter einer grossen Lohnwende zurück, wie sie die Gewerkschaften fordern.

Dass es eine bescheidene Lohnrunde werden soll, überrascht auf den ersten Blick. Die Wirtschaft erlebte in den letzten Jahren eine Hochkonjunktur. Die Löhne blieben jedoch mehr oder weniger gleich. Es gab also eine Lohnstagnation inmitten eines Booms. Eine kräftige Lohnerhöhung wäre damit fällig, eigentlich.

Es dürfte anders kommen. Die Erklärung findet sich in der Herbstprognose der Konjunkturforschungsstelle. Die Lohnstagnation war demnach die Korrektur einer früheren Übertreibung. In den Jahren 2013 bis 2016 waren die Löhne schneller gewachsen, als es die Wirtschaft dauerhaft vermag.

Und doch könnte die Lohnrunde besser werden. Wenn sich nämlich die Aussichten für 2020 aufhellen. Aktuell spricht alles von einer Rezession. Der Handelskrieg von US-Präsident Trump schlägt weltweit den Unternehmen aufs Gemüt.

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