Zum Jahreswechsel macht die Migros einen weiteren Schritt von der früheren Einzigartigkeit zur Normalität im Detailhandel: Nach der Einführung von Markenartikeln und der Aushöhlung des Alkoholverkaufsverbots (Migrolino) folgt jetzt das Ende der Preisauszeichnung auf den Produkten. Als letzte Händlerin Europas stellt die Migros definitiv auf die Preisanschrift an den Gestellen um.

Kommuniziert hat die Migros den Schritt nicht. Ihre Kunden mussten diese Woche dem «Migros-Magazin» entnehmen, dass aus dem seit Februar in 22 Filialen laufenden Pilotversuch eine definitive Lösung wird. Genauer: geworden ist. Bereits per Ende Oktober ist die Umrüstung auf die Regalpreisauszeichnung in allen 604 Filialen still und leise vollzogen worden. Ab Januar kommen dann die ersten Produkte ohne aufgedruckte oder aufgeklebte Preise in die Regale. Ziel der Umstellung: Die Migros will 30 Millionen Franken sparen. Sie verspricht, das den Kunden weiterzugeben.

Ab wann die Migros nur noch unausgezeichnete Produkte führt, ist laut Firmensprecher Urs Peter Naef offen: «Das ist je nach Produkt unterschiedlich. Bei Joghurts geht es schnell, bei Waren, die sich gut lagern lassen, dauert es länger.»

Keine elektronischen Schilder

Getestet hat die Migros Preisschilder aus Papier und elektronische Anzeigen. Entschieden hat sie sich aber für die Papier-Lösung. «Die elektronischen Schilder waren für die Kunden schlechter lesbar und hätten es nicht erlaubt, die Referenzpreise anzugeben», erklärt Sprecher Naef. Das sind Angaben zum Preis von 100-Gramm-Einheiten oder Stückpreisen. Gegen die elektronischen Schilder hätte aber auch der Preis von 16 Franken pro Stück gesprochen, sagt Naef.

Der Entscheid für die Papier-Lösung ist für die Kunden eine gute Nachricht. Denn damit erteilt die Migros auch rasch wechselnden Preisen eine Absage. Zwar hat die Firma entsprechende Absichten stets verneint, doch elektronische Etiketten hätten es ihr erlaubt, die Preise der Nachfrage anzupassen – von einer Minute zur anderen. An heissen Tagen hätte sie etwa gekühlte Getränke oder Glacen teurer verkaufen können, Gipfeli am Morgen teurer als kurz vor Ladenschluss. Solcherlei ist jetzt vom Tisch.

Entgegen früheren Versprechen ist jetzt wieder offen, ob die Migros in den Filialen wirklich so genannte Preis-Checker installiert. Geräte, die den Strich-Code der Produkte lesen, den Preis anzeigen und – bei Bedarf der Kunden – Etiketten drucken können.