Vor zwei Wochen präsentierte McDonald’s Schweiz die Geschäftszahlen für das Jahr 2014: Die Fast-Food-Kette begrüsste an den 160 Standorten hierzulande rund 290'000 Gäste pro Tag und erzielte einen Umsatz von 735 Millionen Franken. McDonald’s verkündete stolz: «Der Burger-Pionier bleibt auch 2014 die Nummer eins der Schweizer Gastronomie.» 

Doch McDonald’s hat die Rechnung ohne die Migros gemacht. Der orange Riese war 2014 nicht nur im Detailhandel die Nummer eins der Schweiz, sondern erstmals auch in der Gastronomie. «Wir haben McDonald’s überholt», sagte Hansueli Siber, Marketingchef der Migros, am Dienstag an der Jahresmedienkonferenz in Zürich. Die Migros habe 2014 im Gastronomiebereich täglich 350'000 Gäste begrüsst und insgesamt 765 Millionen Franken erwirtschaftet – also 30 Millionen mehr als McDonald’s.

Wachstum nicht mit orangem «M»

Wie hat es die Migros geschafft, auch bei der Verköstigung von Gästen die Nummer eins der Schweiz zu werden? An den klassischen Migros-Restaurants, dem mit Abstand grössten Brocken der Migros-Gastronomie, lag es nicht: Dort ging der Umsatz um 2,4 Prozent zurück. Bei den Migros Take-away lief es besser. Diese konnten den Umsatz um 3 Prozent steigern. Doch den Sprung auf Platz eins brachte auch das nicht.

Migros-Chef: «Wir werden im Finanzergebnis bis 40 Millionen verlieren»

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Entscheidend vorangekommen ist die Migros in den letzten Jahren mit der Übernahme bestehender Ketten, der Etablierung neuer Formate sowie der Forcierung der Gemeinschaftsgastronomie, also dem Betrieb von Kantinen anderer Firmen.

Zu den Übernahmen: Mitte Jahr hat die Migros Zürich die Pizza-Kette Molino vollständig übernommen. Damit stiessen 18 Restaurants und rund 450 Mitarbeiter zum Migros-Konzern. Wie hoch der Kaufpreis war und wie viel Umsatz die Molino-Gruppe zuletzt erwirtschaftet hat, ist offiziell nicht bekannt. Gemäss einem Artikel des Wirtschaftsmagazins «Bilanz» aus dem Jahr 2010 erzielte Molino damals mit 17 Standorten 65 Millionen Franken Umsatz. Die Übernahme von Molino dürfte also die Hauptursache sein dafür, dass der Migros-Gastronomie-Umsatz mittlerweile höher ist als jener von McDonald’s.

Migros-Chef Herbert Bolliger ist bereit für weitere Akquisitionen, wie er gegenüber der «Nordwestschweiz» sagt: «Wir haben die Augen immer offen. Allerdings nicht um jeden Preis.» Marché zum Beispiel sei der Migros am Ende zu teuer gewesen. Deshalb habe man es der Konkurrenz überlassen – genauer gesagt Coop. Bei Molino hingegen habe das Gesamtpaket gepasst, so Bolliger: «Das Konzept, die Standorte und der Preis waren gut. Also haben wir zugeschlagen.»

Jede Region verfolgt eigene Pläne

Die Migros setzt aber nicht nur auf Übernahmen, sondern versucht auch eigene Marken aufzubauen. Dabei vertraut der Detailhandelsriese auf den Unternehmergeist der verschiedenen Regionalgenossenschaften: Die Migros Aare, die in den Kantonen Aargau, Solothurn und Bern tätig ist, setzt mit der Kette Cha Cha auf Thai-Gerichte. Mittlerweile gibt es 9 Cha-Cha-Restaurants.

Auch die Migros Zürich mags exotisch: Die Regionalgenossenschaft hat nicht nur Molino gekauft, sondern versucht den Kunden mit dem Gastro-Konzept Kaimung ebenfalls thailändisches Essen schmackhaft zu machen. Bis jetzt gibt es zwei Kaimung-Standorte, beide in der Stadt Zürich. Die Migros Ostschweiz wiederum mags währschaft. Sie bietet unter dem Namen Chickeria Pouletspezialitäten an. Momentan gibt es drei Standorte. Auch wenn das gleiche Konzept unter dem Namen Pouletc floppte, gibt es für Chickeria ehrgeizige Ausbaupläne, genau gleich wie für Cha Cha und Kaimung.

Zu guter Letzt will die Migros auch in der Gemeinschaftsgastronomie wachsen. 2014 waren diese Bemühungen sehr erfolgreich, die Umsätze in diesem Geschäftsfeld legten um 11,4 Prozent zu. Seit April letzten Jahres betreibt der Catering-Service der Migros neben dem Fachhochschulzentrum St. Gallen, der Universität HSG, den Firmen Bosch, Stadler Rail, ABB, Bombardier, XL Group auch die Belegschaft der Rheinmetall Air Defence in Zürich-Oerlikon.

Bolliger hofft, dass weitere Kunden dazukommen: «Es gibt immer wieder grössere Unternehmen, die einen Betreiber für ihr Personalrestaurant suchen. Wir schauen uns sicher jede Ausschreibung an.» Der Konkurrenz- beziehungsweise der Preiskampf in der Gemeinschaftsgastronomie ist jedoch hart. Bolliger betont deshalb: «Wir machen nur Angebote, die auch rentieren.» Die Migros wolle nicht um jeden Preis Marktanteile dazu gewinnen.