Detailhandel

Der neue Migros-Chef ist «pas content»: Gewinn bricht um ein Viertel ein

Muss die Migros für den bevorstehenden Kampf gegen Amazon fit trimmen: Fabrice Zumbrunnen (48).Walter Bieri/Keystone

Muss die Migros für den bevorstehenden Kampf gegen Amazon fit trimmen: Fabrice Zumbrunnen (48).Walter Bieri/Keystone

Der Romand Fabrice Zumbrunnen muss einen Gewinneinbruch verbuchen – und will nun reagieren.

Zwölf Jahre gab Herbert Bolliger beim Migros-Genossenschaftsbund den Ton an. Für manche zu lang. «Ein Wechsel war fällig, wie die Zahlen zeigen», sagt ein ranghoher Migros-Vertreter. Tatsächlich sind die neusten Jahreszahlen, die Bolligers Nachfolger, der Neuenburger Fabrice Zumbrunnen, gestern den Medien auf Deutsch mit welschem Akzent präsentierte, nicht sehr schmeichelhaft.

Der Gewinn ist um knapp einen Viertel auf 503 Millionen Franken eingebrochen. Mehrfach betonte der Romand vor der Journalisten- und Analystenschar, dass er mit diesem Ergebnis nicht zufrieden sei – «pas content» also. Der Umsatz konnte hingegen um 1,2 Prozent auf erstmals mehr als 28 Milliarden Franken gesteigert werden.

Positiv haben sich laut Zumbrunnen die Migrolino-Filialen für den schnellen Verzehr entwickelt sowie der Discounter Denner und insbesondere das Online-Warenhaus Digitec-Galaxus, das seinen Umsatz um 18,5 Prozent auf 834 Millionen Franken steigern konnte.

Der Gewinn der Migros bricht um fast 25 Prozent ein

Fabrice Zumbrunnen ist seit einem Jahr Präsident der Generaldirektion des Migros-Genossenschafts-Bundes. Im Interview spricht er über die Herausforderungen und künftigen Schwerpunkte, dies nachdem der Gewinn im Jahr 2017 um fast 25 Prozent zurückgegangen ist.

Das Kerngeschäft schrumpft

Doch im vergangenen Jahr gab es auch viele Baustellen. Der Bücher-, DVD- und CD-Händler Exlibris bekam die Online-Konkurrenz zu spüren. Im Januar entschied die Migros, das Filialnetz massiv zu verkleinern und über 100 Stellen zu streichen. Das Modehaus Schild wird aufgegeben und in die Globus-Gruppe integriert. Und das Grosshandelsgeschäft von CCA Angehrn sowie der Bürobedarfsverkäufer Office World wurden verkauft. Gleichzeitig stieg der Personalbestand um 2500 Mitarbeitende an (s. Tabelle). «Das hat alles Kosten gebunden und das Ergebnis belastet», sagt Zumbrunnen. Kommt hinzu, dass insbesondere das Supermarktgeschäft, also der Kernbereich, schwächelt. Der Umsatz mit Shampoos, Hörnli und Waschpulver in den Filialen sank um 0,8 Prozent auf 11,6 Milliarden Franken.

Kurz nach seiner Ernennung zum Chef des Genossenschaftsbunds, der eigentlichen Migros-Zentrale, lancierte Zumbrunnen intern ein Kostensparprogramm namens «Fast Forward» mit Unterstützung des deutschen Unternehmensberaters Batten & Company. Gemäss Insidern sind am Hauptsitz am Limmatplatz denn auch viele Leute verunsichert, da sie nicht wissen, wo Zumbrunnen die Sparaxt ansetzt. Klärende Antworten lieferte der 48-Jährige noch nicht. Im Gegenteil: Sorgte sein Vorgänger Herbert Bolliger mit seinem ruppigen Kommunikationsstil oftmals für Provokationen, bemüht sich Zumbrunnen um vornehme Zurückhaltung. Zwar ist er erst seit drei Monaten im Amt. Dennoch hatte er bei der Jahrespressekonferenz nebst den Gewinnzahlen wenig Neues zu vermelden.

Man sei daran, die Lage zu analysieren, sagt Zumbrunnen auf Nachfrage. «Mitte Jahr erwarten wir erste Resultate.» Die Migros müsse sich aber generell fragen, ob sie die Prioritäten richtig gesetzt hat und wo die vorhandenen Mittel optimal eingesetzt werden sollen. Wie er die steigenden Kosten in den Griff bekommen will, bleibt vorläufig unklar.

Mehr Migros-Ärzte im Einsatz

Klar ist hingegen, dass Zumbrunnen den Fokus noch stärker auf die Verzahnung des Off- und Onlinegeschäfts legen wird. Dies nicht zuletzt im Hinblick auf den absehbaren Markteintritt des US-Giganten Amazon. Vermehrt agieren die Filialen, vom Fitnesszentrum bis zum M-Electronics-Geschäft als Abholstationen für Online-Bestellungen. Auch neue Technologien wie die sogenannte Augmented Reality sollen zum Zug kommen.

Zudem will Zumbrunnen sein Steckenpferd, die Gesundheitssparte inklusive Fitness- und Ärztezentren, weiter ausbauen. Mit der Versandapotheke Zur Rose ist die Migros eine Kooperation eingegangen. Der Pilotversuch in Bern mit einer Apotheke, die in einem Migros-Supermarkt integriert ist, sei erfolgreich verlaufen, sagt der Migros-Chef. «Deshalb werden wir das Konzept nun auch in Zürich und Basel testen.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1