Einkaufstourismus
Migros-Chef kritisiert Bundesrat Schneider-Ammann scharf

Die Detailhändler sind entzürnt über Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann, weil dieser am Fernsehen für den Einkaufstourismus im Ausland plädierte. Diese Aussagen seien exterm kurzsichtig, kritisiert Mirgos-Chef Herbert Bolliger den Bundesrat.

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Migros-Chef Herbert Bolliger ist zufrieden

Migros-Chef Herbert Bolliger ist zufrieden

Keystone

«Unser Volkswirtschaftsminister verursacht nur noch Kopfschütteln. Seine Aussage ist kurzsichtig», sagt Migros-Chef Herbert Bolliger in der Zeitung „Der Sonntag“: Auslöser für die Kritik des Detailhändlers sind die Aussagen von Bundesrat Johann Schneider-Ammann Anfang Woche im Schweizer Fernsehen, als er den Einkaufstourismus befürwortete. Ein Affront für die Detailhändler, denen deswegen jährlich rund 2 Milliarden Franken durch die Lappen gehen. Für Spar-Chef Stefan Leuthold sind Schneider Ammanns Aussagen deswegen «völlig unverständlich.» Auch die Konzernchefs von Unilever, Vögele Shoes und Manor haben für die Haltung des FDP-Bundesrates kein Verständnis, wie sie im „Sonntag“ sagen. «Ich halte die Aussagen vom Bundesrat für sehr gefährlich und einseitig», sagt Max Manuel Vögele vom gleichnamigen Schuhgeschäft. «Sie könnten für eine Sogwirkung bei den Konsumenten sorgen.» Er hätte vom Wirtschaftsminister mehr Solidarität mit den Schweizer Unternehmen erwartet. „Dies darf nicht die Haltung der Schweizer Regierung sein.“ Mit Reformen gegen Hochpreisinsel
Coop, Migros und Co. haben nun aber vor, von der aktuellen Franken-Stärke und der Debatte rund um den Einkaufstourismus zu profitieren. Wie einem internen Schreiben der Interessensgemeinschaft Detailhandel (IG DHS) laut „Sonntag“ zu entnehmen ist, sollen nun zahlreiche Reformen in Angriff genommen werden im Kampf gegen die Hochpreisinsel Schweiz. Dies, nachdem zuletzt eher die Protektionisten wieder die Oberhand gewonnen hatten. Bertrand Jungo, Manor-Chef und IG-DHS-Mitglied, bestätigt gegenüber dem „Sonntag“: «Um für die Kunden vergleichbar attraktiv wie unsere Nachbarn zu werden sind weitere Liberalisierungen in Bereichen wie Ladenöffnungszeiten, Cassis de Dijon oder Agrarwirtschaft zwingend notwendig.» Jetzt sei die Politik gefordert.

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