Automobil

Mieten statt kaufen: Auto-Abos boomen – jetzt steigen auch BMW und Volvo in das Geschäft ein

Die Auto-Abos gewinnen zusehends an Beliebtheit.

Die Auto-Abos gewinnen zusehends an Beliebtheit.

Während der Verkauf von neuen Autos eingebrochen ist, werden immer mehr Autos im Abo verkauft. Nun wollen auch Autohändler vom Trend profitieren.

Der Einbruch ist dramatisch: Bis Ende Oktober wurden in der Schweiz in diesem Jahr 185'000 Autos neu zugelassen. Das sind 68'000 weniger als in der Vorjahresperiode. Doch im kriselnden Automarkt gibt es auch Gewinner: Die Anbieter von Auto-Abos. Deren Zahl steigt stark an. Neben dem Pionier Carvolution, der 2018 in den Markt einstieg, sind mittlerweile auch einzelne Garagen, die Versicherung Axa mit ihrem Angebot Upto, der Autohändler Amag mit Clyde oder die Swissbility AG mit ihrem Angebot Flatdrive aktiv. Sie erhalten weitere Konkurrenz: Nun wollen sich auch die grossen Automarken einen Teil des Kuchen abschneiden.

Seit einigen Wochen bietet BMW hierzulande ein Abo für seine Marken BMW und Mini an. Ein BMW-Modell 118d gibt es ab 610 Franken pro Monat, für einen BMW 520d werden knapp 1'100 Franken pro Monat fällig. Wie bei anderen Auto-Abos sind die Versicherungen, die Zulassung, Steuern, Reparaturen und Reifenwechsel sowie eine bestimmte Anzahl von Kilometern inbegriffen. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate, danach kann auf ein anderes Modell gewechselt oder das Auto ersatzlos zurückgegeben werden.

Neue Kundengruppen dank Auto-Abo

Für das Angebot arbeitet BMW mit der deutschen Anbieterin ViveLaCar zusammen, die in Deutschland im Geschäft mit den Auto-Abos tätig ist. «Diese Kooperation ist für uns derzeit die optimale Lösung», sagt BMW-Sprecher Sven Grüetzmacher. Das Abo stösse auf ein immer grösseres Interesse, die BMW Group sehe eine steigende Nachfrage.

Mit dem Abo akquiriere BMW neue Kundengruppen, sagt Grützemacher. «Wir bieten ihnen die Möglichkeit, unsere Produkte über einen längeren Zeitraum kennenlernen zu können. Zudem passt das Abo sehr gut zu den neuen Erwartungen vieler Kunden an die Flexibilität, gerade in dieser Zeit.»

Auch Volvo steht vor Markteintritt

Die Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit ViveLaCar seien gut. Entscheidend sei neben der Einbindung der eigenen Handelspartner die Kombination aus Online und Offline: «Abonnenten buchen ihr Fahrzeug mit wenigen Klicks und papierlos und erhalten es sehr schnell von einem unserer Markenhändler.»

Neben BMW steht nun auch Volvo vor dem Start des eigenen Abo-Angebots. Dieses heisst «Care by Volvo» und soll laut Angaben auf der Internetseite «bald» in der Schweiz auf den Markt kommen. Wann genau, ist allerdings noch unklar. «Wir stehen betreffend dem Angebot mit unserem Mutterhaus in Göteborg in Austausch», sagt ein Sprecher. Der genaue Zeitpunkt für die Einführung im Schweizer Markt stehe deshalb noch nicht fest.

Nicht immer lohnt sich das Auto-Abo finanziell

In Deutschland, wo «Care by Volvo» bereits angeboten wird, gibt es das günstigste Modell aus der XC40-Reihe für umgerechnet 512 Franken pro Monat, für den XC90 Recharge müssen monatlich über 1'100 Franken bezahlt werden. In der Schweiz dürften die Preise wohl höher ausfallen.

Dass die Auto-Abos zunehmend dem eigenen Neuwagen und dem Leasing den Rang ablaufen, zeigt sich auch an den Investitionen in die Branche. So hat etwa die Versicherung Mobiliar im September bekanntgegeben, weitere 50 Millionen Franken in den Anbieter Carvolution zu investieren, damit dieser sein Angebot ausbauen kann. Gegenüber dem Vorjahr verzeichne Carvolution ein Wachstum von 210 Prozent, teilte die Mobiliar mit. Der Versicherer Baloise wiederum gab diese Woche bekannt, in Deutschland ein Auto-Abo für Gebrauchtwagen aufzubauen.

Während das Auto-Abo für den Lenker finanziell häufig deutlich günstiger ist als ein Leasing, sieht die Situation im Vergleich zum Kauf eines eigenen Autos allerdings anders aus. Ab einer Nutzung von etwa sieben Jahren wäre beispielsweise der Kauf eines neuen Seat-Ibiza-Modell günstiger als der Abschluss eines Abos (wir berichteten).

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Autor

Stefan Ehrbar

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