Microsofts neuer Chef Satya Nadella heizt den Kampf um die Vormachtstellung im zukunftsträchtigen Geschäft mit der Datenwolke (sog. Cloud) an. Er senkt die Preise für Online-Speicher und räumt den Nutzern zugleich mehr Platz auf den Servern des Konzerns ein.

Die Aktion zielt gegen die Rivalen Apple, Google und Amazon. Die Neuerungen würden ab dem kommenden Monat gelten, hiess es am Montag im Firmen-Blog.

Bei den Diensten von Microsoft und seinen Rivalen lassen sich Fotos, Videos oder andere Dateien direkt vom Smartphone oder PC in den Online-Speicher hochladen. So können die Daten gesichert, auf anderen Geräten angesehen oder mit Freunden und Bekannten geteilt werden.

Kampfansage an Dropbox und Co.

Der seit Jahresbeginn amtierende Nadella will Microsoft unabhängiger von PCs und fest installierter Software machen. Dazu hat er die Devise "mobile-first, cloud-first" ausgegeben.

Daten und Anwendungen sollen über das Netz von jedem Gerät aus erreichbar sein - auch von solchen, die von der Konkurrenz stammen. Wichtig ist Nadella vielmehr, dass die Dienste im Hintergrund auf Microsoft-Servern laufen.

Zuvor hatten bereits Google und Apple die Preise für Online-Speicher gesenkt. Auch Amazon stellt Privatkunden Platz auf seinen Servern zur Verfügung, macht den Grossteil des Geschäfts aber mit Firmenkunden, die Rechenleistung und Speicher für ihre Websites brauchen. Der Preiskampf der Technologie-Schwergewichte setzt dabei spezialisierte Speicherdienste wie Dropbox oder Box unter Druck.

Swisscom mischt auch mit

Auch die Swisscom will mit ihrer Datenwolke einen breiten Platz am Himmel einnehmen. Anfang April hatte der Telekomkonzern einen Teil von Swisscom TV in die Cloud verlagert, womit die Fernsehkunden jetzt beliebig viele Sendungen parallel aufnehmen können.

Und jetzt bringt die Swisscom mit Docsafe die erste Anwendung aus der Wolke für Privatpersonen: Dort können Private ihre Dokumente zentral speichern, statt sie auf Papier in verschiedenen Ordnern aufzubewahren. Via Handy, Tablet oder Computer könnten die Kunden von überall her auf ihre Dokumente zugreifen, teilte die Swisscom am Dienstag vor den Medien in Zürich mit.

Ein Schweizer Haushalt erhalte pro Jahr durchschnittlich über 200 Dokumente wie beispielsweise Rechnungen, Lohnausweise, Verträge oder Unterlagen für die Steuererklärung. Ordnung und Übersicht würden viel Platz, Zeit und manchmal auch Nerven kosten, hiess es.

Verschlüsselte Speicherung

Docsafe sei für alle Bewohner der Schweiz erhältlich. Der Speicherplatz sei unlimitiert. Alle Dokumente würden verschlüsselt in Schweizer Rechenzentren abgelegt, womit sie den Schweizer Datenschutzgesetzen unterstünden.

"Wir werten die Dokumente nicht aus. Und wir garantieren, dass die auch nicht ausgewertet werden", sagte Produktmanager Dieter Lüscher.

Neben Privatpersonen will die Swisscom auch Firmen auf ihre Docsafe-Plattform locken. Unternehmen sollen dann Rechnungen statt per Post oder Email direkt ins Docsafe-Fach des Kunden schicken. Der Kunde soll dann die Rechnungen per E-Banking von dort aus bezahlen können, wenn die Bank des Kunden mitmacht.

Damit wildert die mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche Swisscom im Geschäftsfeld der Post, die ebenfalls dem Staat gehört und mit der sie einst die PTT bildete. Denn bisher werden die meisten Rechnungen per Post verschickt. Und die Postfinance mache auch nicht mit bei Docsafe, hiess es. Noch im Herbst will die Swisscom weitere Cloud-Angebote lancieren.