Merz

Merz' Freunde aus der Wirtschaft wenden sich von ihm ab

Bundesrat Merz spricht offensiv vom automatischen Informationsaustausch. Die Wirtschaft lehnt diesen strikt ab. Ehemalige Freunde aus der Wirtschaft kehren ihm den Rücken.

Beat Rechsteiner

Hans-Rudolf Merz spricht im Rückzugsgefecht um das Bankgeheimnis immer offener über den von der EU geforderten, in der Schweiz aber bislang abgelehnten automatischen Austausch von Bankkundendaten mit EU-Ländern.

Banken- und Wirtschaftsvertreter kritisieren Merz massiv, dass er in aller Öffentlichkeit über das heikle Thema spricht, noch bevor Verhandlungen in Gang gebracht worden sind. «Diese Panik ist wahnsinnig», sagte etwa Privatbankier Konrad Hummler der «SonnntagsZeitung» und fügte an: «Wer vom Informationsaustausch schwafelt, hat keine Ahnung.» Gerold Bührer, Präsident des Wirtschaftsdachverbands Economiesuisse, bezeichnete Merz' Aussagen gegenüber Radio DRS als «verunglückt und unnötig».

Gemäss «Sonntag» hatte Merz mit seinem nicht abgesprochenen Vorpreschen nach der Bundesratssitzung vom Mittwoch auch seine Kollegen im Gremium vor den Kopf gestossen. Ihr Ärger dürfte jetzt noch einmal gewachsen sein. Denn gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagte Merz, dass die Schweiz die europäischen Regeln übernehmen müsste, wenn unsere Banken und Versicherungen in Zukunft freien Zugang zu den europäischen Finanzmärkten haben wollten.

Dies ist nun das Ziel, nachdem die einträgliche Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug gegenüber dem Ausland gefallen ist. Merz versucht offensichtlich auszuloten, wie weit er mit seiner Finanzplatzstrategie gehen kann.

Im Interview mit der Aargauer Zeitung verteidigt derweil der deutsche Ex-Finanzminister Hans Eichel den Kauf der gestohlenen Daten. Er fordert die Schweiz auf, Schwarzgeld abzulehnen.

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