Wirtschaft

Merkel fordert in einer Regierungserklärung die Schliessung aller europäischen Skigebiete

Skifahrer auf einer Sesselbahn im Skigebiet Verbier.

Skifahrer auf einer Sesselbahn im Skigebiet Verbier.

Deutschland werde sich in Europa um eine Abstimmung bemühen, damit man alle Skigebiete schliessen könne, sagte Merkel heute am Bundestag in Berlin. Sie rechnet mit Widerstand aus Österreich.

Touristische Reisen sollten nicht stattfinden, jeder nicht notwendige Kontakt sollte vermieden werden, sagte Merkel. Im Wortlaut wird sie von deutschen Medien so zitiert: «Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schliessen könnten.»

Einfach werde es nicht, Österreich widersetzt sich. Merkel sagte heute vor dem deutschen Bundestag: «Es sieht leider nicht so aus, wenn man die österreichischen Verlautbarungen hört, dass uns das so einfach gelingen könnte, aber wir werden es noch einmal versuchen.»

Bereits am Vortag hatte sich Merkel an einer Pressekonferenz zum Thema geäussert. Die Bundesregierung werd gebeten, gerade was Reisen ins europäische Ausland - zum Beispiel in Skigebiete - anbelangt, zu versuchen, sich mit europäischen Nachbarn zu koordinieren. «Ich sage ganz offen: Das wird wahrscheinlich nicht einfach, aber wir werden es versuchen.»

Bayerns Ministerpräsident im «Ski-Krieg» mit Österreich

Der Ministerpräsident von Bayern, Markus Söder, sekundierte Merkel - und schoss gegen Österreich. «Die Ferien dürfen aber nicht wieder zu einem Rückschlag werden; das ist mir ein ganz wichtiger Punkt. Es war meistens so, dass die Ferien in Deutschland ein Rückschlag waren.» Er nannte die Faschingferien, dann die Sommerferien, wo es nicht so gelaufen sei, wie gedacht.

Bitte kein Skifahren an den Festtagen: Bundeskanzlerin Angela Merkel

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Deswegen würden die Ferien eine grosse Rolle spielen. Und er appellierte an die Bevölkerung, die Reisetätigkeit in diesem Jahr bitte entsprechend zu unterlassen beziehungsweise nur für Familienfeiern oder Familienbesuche vorzunehmen.

Deswegen sei auch das Skifahren wichtig. Man wolle ja nicht den Spass und die Freude am Skifahren verbieten. Bayern sei selber ein grosses Skifahrer-Land. Aber, so Söder:

Damit führte Söder eine Auseinandersetzung mit Österreich und dessen Kanzler Sebastian Kurz. Die Bildzeitung hatte auf dem Titelbild die Schlagzeile von einem «Ski-Krieg» - daneben die Bilder von Söder und Kurz.

Weiter sagte Söder, sogar der Ärztepräsident in Österreich sei sehr zurückhaltend und habe gesagt: Achtung, da könnten Risiken entstehen. Ihm selber gehe es so: «Ich kann mir massenhafte Skilifte, Anstehen an der Gondel, Skihütte, Après-Ski und Ähnliches einfach nicht mehr vorstellen.»

Graubünden warnt vor Konkursen

Marcus Caduff, der Volkswirtschaftsdirektor des Kantons Graubünden, spricht sich gegen die Pläne aus. Er warnt: Sollte es tatsächlich dazu kommen, dass die Skigebiete an Weihnachten schliessen, «wäre der Schaden enorm und oft irreparabel». Gerade in Nebentälern wären die wirtschaftlichen Folgen nicht mehr rückgängig zu machen, so Caduff. «Ich gehe davon aus, dass eine grosse Zahl von Bergbahnen Konkurs gehen würde.»

Jürg Schmid, Präsident von Graubünden Ferien, schlägt in die gleiche Kerbe: «Es wäre nicht gerechtfertigt, wenn man die Saison nicht stattfinden lassen würde», sagt er. Ein sicherer Betrieb sei möglich, auch dank strikter Schutzkonzepte auf den Pisten und Bergbahnen. Darum könne man den italienischen Ideen wenig abgewinnen.

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