Solothurn

Mehr Licht ins Lehman-Dunkel

Geld gefordert:  Die Baloise Bank SoBa und die Regiobank Solothurn stellen im Konkursverfahren gegen Lehman Brothers hohe Forderungen. (Archiv)

Abklärungen im Fall Lehman Brothers

Geld gefordert: Die Baloise Bank SoBa und die Regiobank Solothurn stellen im Konkursverfahren gegen Lehman Brothers hohe Forderungen. (Archiv)

Das Konkursverfahren um die US-Investmentbank Lehman Brothers wird auch in der Region mit Spannung verfolgt. Mehrere Banken haben als Gläubiger Forderungen in Millionenhöhe eingereicht.

Franz Schaible

Die Liste des amerikanischen Konkursverwalters Epiq Systems ist lang, sehr lang. Über 100 000 Forderungen von Gläubigern aus aller Welt sind darauf aufgeführt. Dabei geht es um Ansprüche von Privatpersonen, Unternehmen sowie staatlichen und privaten Institutionen gegenüber der Mitte September 2008 bankrott gegangenen US-Investmentbank Lehman Brothers Nebst den Grossbanken Credit Suisse und UBS befinden sich auch mehrere Banken in der Region auf der Liste.

Papiere zurückgekauft

Mit insgesamt sechs Forderungen in der Gesamthöhe von 624 517.19 Dollar macht die Regiobank Solothurn AG Ansprüche geltend. Dabei handle es sich um Forderungen sowohl von Kunden wie von der Bank selbst, erklärt Markus Boss, Chef der Regiobank. Ursprünglich habe die Bank selber keine Bestände gehabt. «Obwohl wir - von einer Ausnahme abgesehen - nie Lehman-Papiere empfohlen hatten, haben wir unseren Kunden die Bestände zu einem Kurs von 75 Prozent abgekauft.» Daher, so Boss weiter, rührten die Eigenbestände. Bei den Kundenbeständen handle es sich um nach der Eröffnung des Lehman-Konkursverfahrens durch die Kunden selbst eingebrachte oder gekaufte Engagements.

Auf einen Franken abgeschrieben

Bei der Konkurseröffnung hatten laut Boss die Kunden Lehman-Papiere im Wert von rund 470 000 Franken in ihren Depots. Diese hat die Bank wie erwähnt zu 75 Prozent zurückgekauft. «Dafür hat die Regiobank im Jahr 2008 rund 350 000 Franken abgeschrieben», beziffert Boss die Höhe des Verlustes für die Bank aus dem Lehman-Debakel. Die Lehman-Papiere selbst seien in der Bilanz auf einen Franken abgeschrieben worden. Noch vor Jahresfrist vermeldete die Regiobank andere Zahlen: Es sei nur ein Kunde mit einer «Lehman-Investition» von rund 30 000 Franken betroffen, und der Verlust wurde mit einem «fünstelligen Betrag» umschrieben. Man habe damals nur jenen Fall kommuniziert, wo die Regiobank Lehman-Papiere empfohlen habe, begründet Boss die Diskrepanz. Bei der Verlusthöhe sei schon eine mögliche Dividende aus dem Lehman-Konkurs aufgerechnet gewesen.

Boss geht denn auch davon aus, dass aus dem Verfahren gegen Lehman Brothers eine Konkursdividende bezahlt wird. «Höhe und Zeitpunkt der Auszahlung sind nur schwer abschätzbar, da diese von sehr vielen Faktoren abhängig sind.» Eine allfällige Dividende würde denjenigen Kunden, die noch Lehman-Papiere im eigenen Depot haben, gutgeschrieben. «Jene Kunden, welchen wir die Wertpapiere abgekauft haben, erhalten keine weitergehende Entschädigung. Sie haben auch ausdrücklich darauf verzichtet.» Diese Dividende würde der Regiobank zufallen.

Auch die zweite Solothurner Regionalbank, die Baloise Bank SoBa, ist auf der Liste präsent und zwar mit 17 Forderungen in der Gesamthöhe von exakt 5 826 698.99 Dollar. Dabei handle es sich um 17 verschiedene Lehman-Titel (Valoren), die zum Zeitpunkt des Konkurses in den Kundendepots gelegen haben, erläutert SoBa-Sprecher Marco Sauser. Diese Grössenordnung wurde bereits vor Jahresfrist kommuniziert. Die Bank hat 2008 Rückstellungen in der Höhe von einer Million Franken für Entschädigungen gebildet. Noch an der Bilanzmedienkonferenz im vergangenen März wurde erklärt, dass für 2009 nochmals «ein signifikanter Betrag» zurückgestellt werde. Inzwischen sieht es anders aus. Sauser: «Die bis Ende 2008 gebildeten Rückstellungen werden für die Entschädigungen ausreichen. Wir gehen nicht davon aus, dass wir 2009 nochmals Rückstellungen für Lehman-Produkte bilden müssen.»

SoBa: Keine Pauschalabgeltung

Das heisst, dass die Kunden den Verlust auf den Lehman-Papieren grossteils selbst tragen müssen. Ist da die SoBa nicht zu wenig kulant? «Nein», sagt Marco Sauser. Jedes Geschäft müsse einzeln angeschaut werden und es gebe keinen Grund für Pauschalabgeltungen. Eine Bank dürfe - vorausgesetzt Beratung inklusive Hinweise auf die Risiken entsprechen den Vorgaben - nicht grundsätzlich zur Verantwortung gezogen werden. Es gebe im Fall Lehman nicht wenige Kunden, die auf eigene Faust gehandelt und auf eine Beratung ausdrücklich verzichtet hätten. Dagegen erhielten Kunden, wo von Seiten der Bank in der Beratung massive Fehler festgestellt worden seien, Entschädigungen für die erlittenen Verluste. Details darüber wollte Sauser keine machen. Die Verhandlungen mit den insgesamt rund 100 Kunden seien aber mehrheitlich abgeschlossen.

Auch die SoBa hofft auf eine Konkursdividende von Lehman Brothers. Für Angaben über die Höhe sei es zu früh. «Es ist mit einer mehrjährigen Verfahrensdauer zu rechnen.» Eine allfällige Rückzahlung würde den Inhabern der betreffenden Lehman-Papiere gutgeschrieben, versichert Sauser.

Millionenverlust für BEKB

Auch die Berner Kantonalbank (BEKB) figuriert auf der Liste des US-Konkursverwalters Epiq Systems. Deren Forderungen belaufen sich gemäss der Liste auf rund 93 Millionen Franken. Diese Zahl ist aber nach Angaben der Bank nicht mehr aktuell, wie BEKB-Sprecher Hanspeter Merz erklärt. Im Namen von Kunden würden noch rund 3 Millionen Franken gefordert. Rund 60 Millionen Franken seien an die rund 2000 privaten BEKB-Kunden ausbezahlt worden, die Lehman-Produkte erworben hatten. «Sie erhielten damit 100 Prozent der Investition zurück», so Merz. Die BEKB habe als Co-Leader bei der Emission von Lehman-Papieren agiert, weshalb der versprochene Kapitalschutz sichergestellt worden sei. Weitere 30 Millionen Franken entfielen auf weitere Forderungen, die inzwischen aber grösstenteils vom Tisch seien. Von den 60 Millionen Franken waren zwei Drittel durch eine Versicherung gedeckt, die BEKB musste also «nur» 20 Millionen Franken selbst berappen. Nach Abzug des Erlöses der auf dem Sekundärmarkt verkauften Lehman-Papiere beträgt der Verlust für die BEKB durch den Bankrott der US-Bank rund 15 Millionen Franken. Dieser Betrag gehe zu Lasten der Reserven für allgemeine Bankrisiken.

Weitere prominente Namen auf der Liste in der Region sind die Berner Valiant-Bankengruppe mit Forderungen von über 7 Millionen Dollar sowie die Atel (heutige Alpiq) mit 12 Millionen Dollar.

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