Komet Dihart AG

Mehr als 80 Arbeitsplätze gehen verloren

Dihart Dulliken

Dihart Dulliken

Die Komet Dihart AG in Dulliken stellt ihren Betrieb im Juni kommenden Jahres definitiv ein. Die dortigen Aktivitäten werden nach Stuttgart verlagert. Mehr als 80 Arbeitsplätze verschwinden.

Urs Huber

Schlechte Nachricht aus Dulliken: Die Komet Dihart AG schliesst im Juni kommenden Jahres ihre Tore. 83 Arbeitsplätze verschwinden. Kommt hinzu, dass 14 Lehrlinge ihre Ausbildung nicht beenden können. Glück für 5 Auszubildende im dritten Lehrjahr: Sie können ihren Abschluss gerade noch hinter sich bringen. Dies alles wurde der Belegschaft am Donnerstag mitgeteilt, welche auf die Hiobsbotschaft sehr überrascht reagiert haben soll. Frauen seien in Tränen ausgebrochen. Mit der totalen Aufgabe des Standorts Dulliken hatte anscheinend niemand gerechnet.

Krise bei den Autozulieferern

«Die Krise der Autozulieferindustrie und des Maschinenbaus zwingt den Präzisionswerkzeughersteller, die Komet Group GmbH, zu einer weiteren Massnahme im Rahmen des zum Jahresanfang eingeleiteten Sparprogramms.» Mit dieser Bemerkung läutet die Geschäftsleitung der Komet Dihart AG die Ankündigung der Betriebsschliessung ein. Von Januar bis September des laufenden Jahres seien die Aufträge in der gesamten Gruppe um 40 Prozent zurückgegangen. Viel schlimmer noch habe der Geschäftsbereich Reibwerkzeuge (ein Kernbereich des Standorts Dulliken) zu leiden gehabt. Dort sei ein Auftragsrückgang von 70 Prozent zu verzeichnen gewesen.

Ungute Zeichen, da auch die Aussichten fürs kommende Jahr nicht befriedigend seien, wie die Geschäftsleitung weiter erklärte. «Wir mussten jetzt nebst den bereits ergriffenen Kosteneinsparungen weitere umfassende Strukturanpassungen vornehmen», so Verwaltungsratspräsident Peter Büttler. Und der in Laupersdorf wohnhafte Büttler präzisiert: «Wir schreiben Monat für Monat Verluste, obwohl wir die Prozesse hier in Dulliken optimiert und die Produktelinie neu ausgerichtet haben.» Ein Ende dieser Durststrecke kann der Verwaltungsratspräsident in den kommenden zwei bis fünf Jahren nicht ausmachen. «Unser derzeitiges Auftragsvolumen vermag 30 Personen zu beschäftigen; rund ein Drittel unserer aktuellen Belegschaft.» Büttler bestätigt, dass diese auf die Schliessung sehr überrascht reagiert habe. Die angespannte Situation sei zwar im Betrieb bekannt gewesen, er habe die Mitarbeitenden jeweils über die laufenden betriebswirtschaftlichen Ergebnisse informiert.

Entlassungen im April

Bereits im April erhielten knapp 50 Angestellte den blauen Brief. Seit März war für alle Mitarbeitenden Kurzarbeit angeordnet. «Schon damals hatte ich eher ein ungutes Gefühl», erinnert sich Toni König, der einstige Betriebskommissionspräsident. Und nun? «Viel sagen kann ich nicht mehr», meint er. Ende Oktober hat er seinen letzten Arbeitstag bei Dihart. Ihm wurde bereits gekündigt.

Für Markus Baumann von der Gewerkschaft Unia ist die Betriebsschliessung «ein riesiger Schlag», wie er sich ausdrückt. «Auch für den Kanton.» Und er wirft der Geschäftsführung vor, den Willen zum Durchhalten und zur späteren Gesundung nicht aufgebracht und von allem Anfang an eine Abbaustrategie gefahren zu haben. Ein Vorwurf, den Büttler übrigens als haltlos bezeichnet. Baumann: «Für mich ist das alles nicht nachvollziehbar.» Das Angebot der Firma, für 36 Angestellte einen Arbeitsplatz in Stuttgart anzubieten, hält der Gewerkschafter für bare «Träumerei». «Die Leute sind doch hier verwurzelt, haben Freunde, Bekannte, vielleicht ein eigenes Haus. Und das Lohnniveau in Deutschland ist mit demjenigen hier nicht zu vergleichen», argumentiert Baumann.

Gemäss Angaben Büttlers haben bereits am Donnerstag erste Gespräche mit allen Betroffenen stattgefunden, wobei auch der künftige Arbeitsort Stuttgart thematisiert wurde. Diesbezüglich positive Signale seien in zwei Gesprächen auszumachen gewesen. «Es ist klar», so Büttler, «mit dem Gedanken müssen sich die Leute erst einmal beschäftigen.» Es stehe fest, dass die Komet Group den unterschiedlichen Arbeits- und Sozialbedingungen Rechnung tragen und den Umzugswilligen entsprechend angepasste Angebote unterbreiten werde.

Für die Belegschaft der Komet Dihart AG kommt der im Frühjahr ausgehandelte Sozialplan zur Anwendung.

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